Dr. Sabine Kramer, Direktorin des Evangelischen Predigerseminars und Vorsitzende des Verwaltungsrates des Schlosskirchenensembles, Renke Brahms (l.), theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung und Mitglied des Verwaltungsrates sowie Kustos Jörg Bielig. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Sabine Kramer, Direktorin des Evangelischen Predigerseminars und Vorsitzende des Verwaltungsrates des Schlosskirchenensembles, Renke Brahms (l.), theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung und Mitglied des Verwaltungsrates sowie Kustos Jörg Bielig. Foto: Wolfgang Gorsboth

01.12.2019

Nur Touristen zahlen Eintritt, Gottesdienstbesucher nicht

Zwei Euro für den Besuch der Wittenberger Schlosskirche

Wittenberg (wg). Seit dem 1. Dezember 2019 ist für den touristischen Besuch der Schlosskirche und die Besichtigung des kulturhistorischen Rundgangs im Besucherzentrum ein Erhaltungsbeitrag in Höhe von zwei Euro zu entrichten, dies hat der Verwaltungsrat des Schlosskirchenensembles beschlossen. Von der Neuregelung ausgenommen sind Gottesdienste, Andachten, kirchliche und kulturelle Veranstaltungen wie der Evensong oder das Mittagsgebet. Ebenso gebuchte Führungen, da hier der Beitrag bereits eingepreist ist. 

„Mit dem erheblichen finanziellen Aufwand für die Sanierung und Restaurierung des Schlosskirchenensembles verbindet sich eine Verantwortung für den Erhalt und mithin den nachhaltigen Umgang mit Fördermitteln“, begründet Dr. Sabine Kramer, Direktorin des Evangelischen Predigerseminars und Vorsitzende des Verwaltungsrates, die Entscheidung.

Die bisherigen Einnahmequellen wie die kirchlichen Eigenmittel, die den größten Posten ausmachen sowie Spenden, Führungen und Souvenir- bzw. Buchverkauf reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. „Die Schlosskirche hat täglich mit Ausnahme des ersten Weihnachtsfeiertages geöffnet“, berichtet Jörg Bielig, Kustos des Schlosskirchenensembles, „die Aufrechterhaltung dieser umfangreichen Öffnungszeiten sowie die Absicherung der Servicequalität hat ihren Preis.“ 

Besonders intensiv schlagen die Personalkosten für die neun in Teilzeit beschäftigten Mitarbeiter zu Buche, dazu kommen Kosten für Heizung, Strom, Wasser und Reinigung. Wurde zum Reformationsjubiläum ein Rekord mit 430.000 Besuchern verzeichnet, so gab es in 2018 einen erheblichen Einbruch um circa zwei Drittel. „Seit dem 1. Januar 2019 zählen wir die Besucher und rechnen bis Ende Dezember mit rund 150.000 Gästen“, so Bielig. Gottesdienstbesucher abgerechnet, bleiben circa 80.000 bis 100.000 Touristen, die den Erhaltungsbeitrag zahlen müssen. 

Die zu erwartenden Einnahmen aus dem Erhaltungsbeitrag in Höhe von 160.000 bis 200.000 Euro bezeichnet Bielig als „auskömmlich“. Mit den Einnahmen soll die Finanzierung des laufenden Betriebs gesichert werden, Geld, welches übrig bleibt, der Rücklage zur Substanzerhaltung des Schlosskirchenensembles zugeführt werden. 

„Die Schlosskirche ist ein Gebäude, das zum Weltkulturerbe zählt und deswegen ein besonders hohes Maß an Servicequalität verlangt und auf hohem Niveau baulich unterhalten werden muss“, betont Renke Brahms, theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in der Lutherstadt repräsentiert, „darauf müssen wir uns vorbereiten.“ Eine Reduzierung des Personals oder des ganzjährigen touristischen Betriebs verbiete sich an diesem Ort. 

Die Verantwortlichen rechnen nicht damit, dass der künftig zu zahlende Eintritt zu einer Verringerung der Besucherzahlen führe, zumal in der Vergangenheit Gäste immer wieder nachgefragt hätten, warum kein Obolus erhoben werde. Eintritt muss auch in vergleichbaren Kirchen gezahlt werden wie zum Beispiel dem Berliner Dom oder dem Naumburger Dom. In der Stadtkirche Wittenberg, Luthers Predigtkirche, die ebenfalls zum Welterbe der Unesco zählt, gibt es auf Anfrage derzeit keine Überlegungen, Eintrittsgeld zu erheben, man wolle die Erfahrungen der Schlosskirche abwarten. 

Jeder Besucher, der die zwei Euro entrichtet, erhält dafür ein neu herausgegebenes Heftchen in Deutsch und Englisch mit Informationen zur Geschichte, einer Zeittafel und Hinweisen zu den Sehenswürdigkeiten im Schlosskirchenensemble. Die Maßnahme, betont Bielig, sei mit der Stadt abgesprochen, nach einem Jahr erfolge eine Evaluierung. 

Hintergrund 

Mit der Sanierung des Schlosses und der Schlosskirche in Wittenberg im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 wurde ein neues Besucherkonzept umgesetzt. Im ersten Obergeschoss des Schlosses, das der Stadt Wittenberg gehört, wurde ein großzügiges, museal ausgestattetes Besucherzentrum errichtet, von dem aus ein neuer, innerer Zugang in die Schlosskirche geschaffen wurde. Diese bauliche Einheit wird seitdem als Schlosskirchenensemble bezeichnet, wobei sich die Schlosskirche seit 2016 im Eigentum der EKD befindet. Diese trägt auch die Betriebskosten für die Nutzung des Besucherzentrums, eine Übernahme in das Eigentum der EKD ist vorgesehen.




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