Das Bündnis „Wittenberg weltoffen“ und Sympathisanten, darunter Oberbürgermeister Torsten Zugehör, blockierten im November 2016 die Sternstraße, um Haltung gegen einen Nazi-Aufmarsch zu zeigen. Foto: Archiv

Das Bündnis „Wittenberg weltoffen“ und Sympathisanten, darunter Oberbürgermeister Torsten Zugehör, blockierten im November 2016 die Sternstraße, um Haltung gegen einen Nazi-Aufmarsch zu zeigen. Foto: Archiv

30.11.2019

Neues Selbstverständnis und bessere digitale Kommunikation

Bündnis „Wittenberg weltoffen“ setzt vier neue Schwerpunkte

Wittenberg (wg). Vier Schwerpunkte will sich das Bündnis „Wittenberg weltoffen“ setzen, das ist das Ergebnis einer Zukunftswerkstatt in der Evangelischen Akademie. „Unser Ziel ist, gemeinsam Strategien zu entwickeln, um das Bündnis zu stärken und eine weltoffene und plurale Stadtgesellschaft zu gestalten“, erklärt Tobias Thiel, amtierender Direktor der Evangelischen Akademie und von Anfang an Mitstreiter des Bündnisses, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Denn Tatsache ist, dass Wittenberg eher mono- als multikulturell geprägt ist und sich durchaus Prozesse der Ghetto-Bildung beobachten lassen.“ 

Erster Schwerpunkt ist die Überarbeitung des 2015 formulierten Selbstverständnisses, in dem es unter anderem heißt: „Wir wenden uns gegen Anfeindungen gegenüber Asylsuchenden und Kriegsflüchtlingen. Wir übernehmen Verantwortung für Menschen in Not...“. 2015 und 2016 habe, so Thiel, die Aufnahme und Unterbringung der vielen Flüchtlinge im Fokus gestanden, jetzt gehe es um sprachliche, soziale und kulturelle Integration sowie die Vermittlung in Arbeit bzw. Ausbildung. 

Bis Frühjahr 2020 wolle man ein neu formuliertes Selbstverständnis vorlegen, in dem es vor allem um das Zusammenleben geht. Überdies gebe es viele positive Beispiele gelungener Integration, die kaum bekannt seien: „Wenn wir die gesellschaftlichen Narrative über Geflüchtete verändern wollen, dann müssen wir diese positiven Geschichten erzählen.“ Gleiches gelte für erfolgreiche Projekte: So haben deutsche und syrische Jugendliche im Rahmen eines Minecraft-Workshops zum Thema (Berliner-) Mauer spannende Ideen entwickelt. 

„Wir haben als Bündnis in 2019 mehr Veranstaltungen durchgeführt als in den Vorjahren, wir sind stetig gewachsen, jetzt müssen wir uns konsolidieren“, berichtet Thiel. Nicht alle Veranstaltungen seien gut besucht gewesen, man müsse sich besser mit anderen Akteuren abstimmen, um Dopplungen zu vermeiden und die eigenen Aktivitäten besser bewerben. Auf das gesamte Jahr verteilt, verzeichne man viele Mitstreiter, die bereit seien, sich zu engagieren, aber: „Bei einzelnen Treffen lässt der Zuspruch eher zu wünschen übrig“, resümiert Thiel, „deshalb müssen wir die interne Kommunikation verbessern.“ 

Drittes Ergebnis der Zukunftswerkstatt: Das Bündnis führt viele Veranstaltungen mit einem hohen Bildungsanteil durch, künftig soll es mehr gemeinschaftsstiftende Angebote für Migranten und Nichtmigranten geben. In der Vergangenheit bewährt haben sich Formate wie „Tanz für Toleranz“ und verschiedene sportliche Aktivitäten, eine Arbeitsgemeinschaft will neue Ideen entwickeln. Zudem soll künftig mit Nachbar-Initiativen wie in Gräfenhainichen und Dessau kooperiert werden. 

„Viertens müssen wir die digitale Kommunikation verbessern“, betont Thiel, „denn wir dürfen das Internet nicht den Fake-News des rechtsextremen Spektrums überlassen.“ Die digitale Kommunikation, die einmal als Chance für mehr Transparenz und niederschwelligen Informationsaustausch gesehen wurde, verkommt immer mehr zu einem verbal-aggressiven Kulturkampf. „Viele von unseren insbesondere älteren Bündnis-Mitstreitern sind in den ‚Social Media’ nicht präsent, weil sie diese nicht kennen und weil sie nicht wissen, wie man damit umgeht“, sagt Thiel, „wir dürfen Facebook und Co. aber nicht jenen überlassen, die Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus propagieren.“ 

Als Beispiel nennt Thiel das Trolling, mit dem die extreme Rechte Hetze gegen Flüchtlinge und Verschwörungstheorien verbreitet. Trolle seien bewusste Hetzer, die das Netz kapern, um normale User zu vertreiben und den öffentlichen Diskurs zu dominieren. „Als die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ankündigte, ein eigenes Rettungsschiff für den Einsatz im Mittelmeer zu entsenden, gab es auf Facebook einen von Trollen gesteuerten Shitstorm, auf den die EKD mangels personeller Ressourcen gar nicht adäquat reagieren konnte.“ 

Die rechtsextremen Trolle hatten das letzte Wort, weil die EKD-Mitarbeiter nicht mehr hinterherkamen, die Hetzkommentare zu löschen bzw. zu sperren. „Das Bündnis wird zu diesem Themenkomplex Weiterbildungsveranstaltungen organisieren“, kündigt Thiel an, „und es ist zu überlegen, ob wir nicht selber eine lokale ‚Troll-Armee’ ins Leben rufen, um im Netz ein Gegengewicht zu schaffen.“ 

Hinweis 

Nächstes Treffen des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ ist am 10. Dezember um 18 Uhr im Mehr-Generationen-Haus in der Sternstraße 14, auf der Tagesordnung stehen eine Rückschau auf die Veranstaltungen im November, ein Bericht über die Zukunftswerkstatt, ein Überblick über geplante Veranstaltungen in 2020 und die Finanzierung künftiger Projekte.




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