Gruppenbild mit den Schönstätter Marienschwestern an der Madonna mit dem Jesuskind mit MP Reiner Haseloff (4.v.r.), Bischof Dr. Gerhard Feige (2.v.l.), Ulrich Bosse (8.v.l.), Dr. Nikolaus Särchen, Ärztlicher Direktor der Klinik Bosse (l.) sowie Regionalgeschäftsführerin Petra Stein (6.v.l.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Gruppenbild mit den Schönstätter Marienschwestern an der Madonna mit dem Jesuskind mit MP Reiner Haseloff (4.v.r.), Bischof Dr. Gerhard Feige (2.v.l.), Ulrich Bosse (8.v.l.), Dr. Nikolaus Särchen, Ärztlicher Direktor der Klinik Bosse (l.) sowie Regionalgeschäftsführerin Petra Stein (6.v.l.). Foto: Wolfgang Gorsboth

11.11.2019

Ministerpräsident Reiner Haseloff verlieh den Landesverdienstorden

Marienschwestern in der Klinik Bosse verabschiedet

Wittenberg (wg). Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt wurden am Mittwoch in der Klinik Bosse die Schönstädter Marienschwestern verabschiedet, 83 Jahre lang waren sie auf besondere Weise mit dem Krankenhaus und der Stadt Wittenberg verbunden. 

„Das Land Sachsen-Anhalt dankt Ihnen für Ihre segensreiche Tätigkeit und für die Kraft, mit der Sie nach 1990 auch die Umprofilierung der Klink Bosse begleitet haben“, erklärte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU). Sowohl in der Frauen- und Geburtsklinik bis 1996, als auch danach am neuen Standort in der Klinik für Psychiatrie und Neurologie hätten die Schwestern ihren Dienst am Herrn und am Nächsten verrichtet und für eine segensreiche Zeit gesorgt. 

Ausdrücklich dankte der MP auch der Familie Bosse, ohne deren Engagement die Klink Bosse heute nicht mehr existieren würde. Haseloff erinnerte an Käthe Bosse, die als Jüdin von den Nazis im KZ ermordet wurde und betonte die Verantwortung von Staat und Gesellschaft, jeder Form des Antisemitismus entschieden zu begegnen. Dass das Lebenswerk des Klinikgründers Paul Bosse über seinen Tod hinaus bewahrt werden konnte, sie vor allem auch das Verdienst der Marienschwestern.

Der MP überreichte als Dank den Landesverdienstorden an Schwester Marisa Spickers, Provinzoberin der Schönstätter Marienschwestern, verbunden mit einem „Pakt“: „Auch wenn Sie die Lutherstadt und Sachsen-Anhalt verlassen, so beten Sie bitte auch in Zukunft für uns.“ Dafür versprach der Ministerpräsident den Schwestern, dass das Land die Klinik und die Namen Paul und Käthe Bosse in Ehren halten, die Einrichtung in ihrer künftigen Entwicklung unterstützen und dass er wie in den Vorjahren das Licht aus der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem, welches Pfadfinder nach Deutschland holen, von Madeburg in die Kapelle der Klinik Bosse bringen werde. 

Bischof Dr. Gerhard Feige vom Bistum Magdeburg sagte mit Blick auf die Geschichte der Kirche, dass diese kein erratischer Block sei, sondern in ihren Lebensformen vielfältig und bunt. Kloster- und Ordensgemeinschaften seien „geistliche Oasen“. Die Schönstätter Marienschwestern seien eine Gemeinschaft von Frauen, die sich ganz an Gott gebunden hätten und aus der Kraft ihres Glaubens dort segensreich tätig seien, wo es die Zustände erforderten – konkret in der Pflege und Begleitung der Menschen in ihren Schwächen und Gebrechlichkeit. 

In ihrem Verzicht auf Ehe, Sexualität, Geld und Macht seien die Schwestern auch ein „Stachel im Fleisch von Gesellschaft und Kirche, die uns allen den Himmel offen halten.“ Bischof Feige erinnerte an das Zitat von Pater Josef Kentenich, der 1914 in Koblenz die Schönstatt-Familie gründete und die Marienschwestern als „mein Versprechen an die Welt“ bezeichnet habe: „Dieses Versprechen haben Sie in der Klinik Bosse über Jahrzehnte in vielen kleinen Münzen eingelöst.“ 

Ulrich Bosse, Enkel von Paul und Käthe Bosse, betonte, dass die katholischen Schwestern aus dem Rheinland 1936 den Mut hatten, in eine protestantische Stadt zu kommen, um in der Nazi-Zeit an einer Klinik zu arbeiten, die im NS-Jargon als „jüdisch versippt“ abqualifiziert worden sei. Andere – auch christliche – Ärzte und Schwestern hätten aus Angst oder Überzeugung abgelehnt, dort zu arbeiten. 

Mitte der 1930er Jahre habe Dr. Paul Bosse wegen der jüdischen Abstammung seiner Frau am evangelischen Paul-Gerhardt-Stift seine Anstellung als Chefarzt verloren, weshalb er 1936 eine eigene Klinik gründete. Auch die Marienschwestern hätten in der NS-Zeit massiv unter Druck gestanden, Gründer Pater Kentenich sei von 1942 bis Kriegsende im KZ Dachau inhaftiert gewesen und dennoch hätten die Marienschwestern eine medizinisch, pflegerische und geistlich hochwertige Arbeit geleistet und auch später dazu beigetragen, dass diese Klinik weit über die Stadtgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf genossen habe. 

Die Schwestern seien in schwerer Zeit und trotz hohen persönlichen Risikos aufrecht ihrer Berufung und ihrem Glauben gefolgt, heute bezeichne man dieses Verhalten als Zivilcourage. „Heute ist im Zeichen des wieder erstarkenden Antisemitismus diese Aufrichtigkeit gefragt“, so Bosse, „je mehr Menschen rechtzeitig diese Courage zeigen, desto unwahrscheinlicher wird eine Neuauflage dessen, was war.“ Unter langem und sehr herzlichem Applaus überreichte Ulrich Bosse an die vier Schönstätter Marienschwestern je ein mit Widmung versehenes Buch, welches Prof. Dr. Hans-Jürgen Grabbe über die Familie Bosse geschrieben hat. 

Auch Chefarzt Dr. Nikolaus Särchen, ärztlicher Direktor der Klinik Bosse, erinnerte daran, dass sich die Marienschwestern in schwierigen Zeiten, in denen ihr eigenes Überleben in Frage stand, für die Klinik in Wittenberg entschieden hätten und selbst dann geblieben seien, als die Nazis die Familie Bosse zerstörten. „Wir leben in einer neuen Zeit, aber wir laufen Gefahr, bald wieder in der alten Zeit zu leben“, warnte Särgen. 

Durch ihre Natürlichkeit und stille Freundlichkeit hätten die Schwestern nicht nur in der Klinik, sondern in der gesamten Stadt für ein positives Milieu und Klima gesorgt, welches letztlich auch den Weg für die Umprofilierung bereitet habe: „Ich habe es noch nie erlebt, dass eine Klinik für Psychiatrie mit so offenen Armen aufgenommen wurde, auch das ist Ihr Verdienst.“ Der ärztliche Direktor kündigte an, dass es im Klinikfoyer in Erinnerung an die Schwestern ein Kunstwerk geben werde – als Dank und Verpflichtung für die Zukunft. 

Regionalgeschäftsführerin Petra Stein, die den Festakt moderierte, lobte die Schwestern als „Fels in der Brandung“, die nur schwer zu ersetzen seien. Die Mitarbeiter müssten nun selber die christliche Identität des Hauses gestalten und weiter entwickeln. „Dass die Begegnungen, Gespräche und Ratschläge künftig fehlen, erfüllt mich mit Trauer, für die vielen gemeinsamen Jahre sind wir dankbar“, so Stein. 

Vor dem Festakt wurde ein eucharistischer Gottesdienst mit Bischof Feige gefeiert, für den musikalischen Übergang sorgten Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie mit zwei Sätzen aus dem Flötenquartett D-Dur von Mozart.




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