Blick in die restaurierte Winterkirche. Foto: Wolfgang Gorsboth

Blick in die restaurierte Winterkirche. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.11.2019

Erster evangelischer Kirchenneubau in Wittenberg nach der Reformation

111 Jahre Christuskirche: Gemeinde feiert Kirchweihe

Wittenberg (wg). Am Sonntag, dem 10. November, feiert die Gemeinde der Christuskirche um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst den 111. Jahrestag der Weihe ihres Gotteshauses. Die Liturgie hat Pfarrer Hans-Jakob Schröter. Im Rahmen des Gottesdienstes wird die renovierte und restaurierte Winterkirche eröffnet und das neue Holzkreuz des Jessener Künstlers Klaus Kuhrmann geweiht. 

Anschließend sind die Besucher zum Sektempfang eingeladen. Im Kirchenschiff, auf den Emporen und in den Aufgängen kann eine Ausstellung zur Geschichte der Kirche betrachtet werden. Außerdem liegen zwei Kataloge der Ausstellung von 2017 „Der andere Luther“ aus und können bestellt werden. Für die Musik sorgt Organist Rolf Kober. 

„Schon 1813 träumten die Dorfbewohner von Piesteritz und Kleinwittenberg, dem Rittergut Rothemark und Rotes Land von einer kleinen Kirche“, berichtet die Gemeindebeiratsvorsitzende Gisela Kummetz. 1875 wurden 1.500 Mark von einem Dresdener Bankier für den Bau der Kirche gespendet und 1906 endlich der Beschluss zum Kirchenbau gefasst. Zwecks Finanzierung wurde Kirchenland an die Eisenfirma Jolly verkauft, und auf Kirchenland wurde schließlich auch gebaut – nördlich von Kleinwittenberg auf der grünen Wiese. Erst viel später – 1955 – wurde das Gebiet Wittenberg West genannt. 

In nur einem Jahr wurde die Kirche 1907/08 erbaut. „Baurat Beisner, die Maurerfirma Emil Bethke, Steinmetz Kohlhard und der Kunstmaler Prof. Dr. August Oetken errichteten mit unerhörtem Können und sagenhaftem Fleiß der vielen Bauarbeiter diese riesige, 42 Meter lange und 33 Meter breite Kirche mit dem 53 Meter hohen Turm“, erklärt Kummetz. Alle Baustile, so habe es der damalige Kirchenrat gewollt, seien in dem Bauwerk eingeflossen und zu etwas Neuem vereint worden – im Fachjargon Eklektizismus genannt. Die Christuskirche, der erste evangelische Neubau nach der Reformation in Wittenberg, beinhaltet neben Gotik und Renaissance auch Manierismus, Barock, Historismus, Jugendstil und Orientalismus. 

Die Grundsteinlegung am 19. September 1907 verlief voller Prunk und Pomp, 900 Schüler standen Spalier, Sänger, Chöre, Festumzug, Regimentsmusik, Fahnen und Blumen wurden aufgeboten, die Fest-Rede hielt Pfarrer Müller aus Eutzsch. Die Einweihung erfolgte am 8. November 1908 mit hohen Gästen, Posaunenklängen und einer Weiherede des Generalsuperintendenten Vieregge. „Auguste Victoria, Gattin von Kaiser Wilhelm II., stiftete eine wertvolle Altarbibel mit einer flotten Widmung, sie liegt heute im Safe“, sagt Kummetz. 

Die Kirche verfügte über 1.200 Sitzplätze, die Gemeinde zählte damals 4.000 Mitglieder, heute sind es nur noch 400. Das erste Kruzifix war aus Stuck, das jetzige aus Holz stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist eine Dauerleihgabe. Archiv und Sakristei wurden angebaut im Stil einer Gründerzeitvilla, die Fenster aus Bleiglas sind dringend reparaturbedürftig. Die Orgel der Firma Furtwängler und Hammer aus Hannover gilt als wertvoll und verfügt über einen exzellenten Klang. 

Im Turm befinden sich vier Glocken mit elektronisch gesteuertem Läutewerk, für ganz Mutige ist er sogar begehbar. Für die abgestürzte Wetterfahne liegt zwar ein an das Original angelehnter Nachbau vor, der aber wegen des maroden Unterbaus nicht montiert werden kann.

Restaurierung der Winterkirche 

Mit den schlichten Mitteln zu DDR-Zeiten konnte die Kirche nur sparsam restauriert werden. Die Winterkirche entstand 1963 unter der Ägide von Pfarrer Friedrich Wilhelm Krosch, dem Vater von Gisela Kummetz. „Weil die Heizung im großen Kirchenhauptschiff defekt war und es an Geld und Material für eine Reparatur mangelte, wurde die Winterkirche abgetrennt“, so Kummetz. Nach der Restaurierung tritt deutlicher hervor, dass die Winterkirche Teil der ganzen Kirche ist und doch auch ein Raum, der für sich wirkt. 

Unter anderem wurde der Boden überarbeitet: Als die Winterkirche unter der Orgelempore vom Hauptschiff abtrennt wurde, befanden sich dort vorher Kirchenbänke und Beton. Der Beton wurde entfernt und durch Sechskantsteine ersetzt, die sich bereits in Teilen der Winterkirche sowie im Hauptschiff befanden. Sie wurden eigens in Süddeutschland nachgebrannt.

Die Kassettendecke sowie die Säulen in der Winterkirche wurden von einem Restaurator in den Originalzustand gebracht und nach den Vorbildern im Hauptschiff bemalt. Neue Heizkörper, neue Fenster und die komplett überarbeitete Elektrik runden die Sanierungsmaßnahmen ab, wozu auch der Einbau einer Küche gehört, alles in allem wurden rund 120.000 Euro investiert.





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