Bild: Stephan Zöllner, Leiter des Lobetaler Kultur- und Begegnungszentrums in Wittenberg, und Referentin Susan Faust, die in Neckarsteinach bei Heidelberg lebt. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bild: Stephan Zöllner, Leiter des Lobetaler Kultur- und Begegnungszentrums in Wittenberg, und Referentin Susan Faust, die in Neckarsteinach bei Heidelberg lebt. Foto: Wolfgang Gorsboth

23.09.2019

Das Leben in Würde beschließen, Wünsche erfüllen, „Letzte-Hilfe“-Kurse

21. Wittenberger Gespräche: „Lichtblicke im Sterben“

Wittenberg (wg). Selbstbestimmt und schmerzfrei sterben, leben bis zum Schluss, in Ruhe und Zufriedenheit sterben, letzte Wünsche erfüllt bekommen: So stellten es sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 21. Wittenberger Gespräche vor, wie „Lichtblicke im Sterben“ aussehen könnten. Eingeladen dazu hatte das Lobetaler Kultur- und Begegnungszentrum in Wittenberg. 

Katja Möhlhenrich-Krüger, Verbundleiterin Altenhilfe Eberswalde der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, las das Märchen vom „Tod und dem Gänsehirten“ in der Erzählfassung von Janosch vor – eine Metapher für das Lebensende, auf das sich der Gänsehirt gut vorbereitete, weil er mitten im Leben stehend die Augen vor dem Tod nicht verschlossen hat. Im Gegensatz zu den Reichen, Ehrgeizigen und Erfolgreichen, die mit Gevatter Tod hadern, kann er gut loslassen und lässt sich vom Tod glücklich und zufrieden über den Fluss führen... 

„Im Angesicht des Todes ist jeder blank“, fasste Möhlhenrich-Krüger die Quintessenz des Märchens zusammen. Die moderne Medizin ist auf Lebensverlängerung ausgerichtet, diese macht nur Sinn, so lange der Lebenswille des kranken Menschen unterstützt wird. „Wenn ein Kranker im Sterben liegt, sollte dies respektiert werden, auch wenn es einem persönlich schwerfällt“, sagte Möhlhenrich-Krüger. Oft seien aus Sicht der professionellen Pflegekräfte und ehrenamtliche Hospizhelferinnen nicht die Sterbenden das Problem, sondern die Angehörigen, die den im Sterben Liegenden nicht gehen lassen wollen und nur ihren Verlust sehen.

Insbesondere wenn ein Kranker sich für eine hospizliche oder palliative Versorgung entschieden habe, deute dies darauf hin, dass er sich des bevorstehenden Todes bewusst sei und in Würde sterben wolle. Nicht jeder Sterbende habe eine Patientenverfügung, dennoch sei es wichtig herauszufinden, was der Sterbende möchte, dabei müsse auch die religiöse Einstellung eine Beachtung finden. 

„Es muss vielmehr und frühzeitig übers Sterben gesprochen werden – mit dem Lebenspartner, in der Familie, mit Kindern und Enkeln“, empfahl eine Teilnehmerin und verwies auf das Beispiel Salzwedel, wo der dortige Hospizverein bereits in den Schulen über Sterbebegleitung informiert. „Bundesweit werden ‚Letzte-Hilfe-Kurse’ angeboten, entwickelt von Palliativmedizinern“, informierte Susan Faust, die in Heidelberg in einem ambulanten Pflegedienst arbeitet. Teilnehmer bekommen Basiswissen und Orientierung vermittelt, denn der Abschied vom Leben ist der schwerste, den die Lebensreise für einen Menschen bereithält und dabei braucht der Sterbende vor allem Zuwendung. „Es geht um Menschlichkeit“, betonte eine Teilnehmerin, manchmal gelte es einfach, die unsagbar schwere Situation des Sterbens gemeinsam auszuhalten.

Viele haben Angst, einem Sterbenden nahe zukommen, weil der Tod anderer immer auch daran erinnert, dass das eigene Leben nicht unendlich ist. Kinder, empfehlen die Fachleute, sollten an der Trauer und den Trauerritualen der Familie teilhaben. Indem man sie ausschließt, schützt man sie nicht, sondern lässt sie mit ihren Fragen und Gefühlen allein. 

Katja Möhlhenrich-Krüger warnte vor dem sich zuspitzenden Pflegenotstand, der auch nicht mit mehr Geld gelöst werden könne, weil schlicht die geeigneten Fachkräfte fehlten: „Was Hospize leisten können, können unsere Pflegeheime weder personell noch finanziell leisten.“ Der Bund habe mit dem Hospiz- und Palliativgesetz gute Voraussetzungen für die Sterbephase geschaffen, die Pflege selbst profitiere von dem Gesetz jedoch nicht. 

Während in Großstädten die Strukturen bei Hospizangeboten und Palliativversorgung gut ausgebaut sind, klemmt es im ländlichen Raum und auch die kultursensible Begleitung von Sterbenden ist ausbaufähig. Mit letzterem Thema befasste sich Susan Faust, die Referentin hat an der Wiener Universität im Studiengang Palliative Care und Organisationsethik eine Masterarbeit geschrieben, die sich mit der muslimischen Kultur auseinandersetzt. 

Der Islam stecke voller Rituale und wenn diese mit dem Alltag in den Einrichtungen aufeinanderträfen, könne es für Patienten, Ärzte und Pflegende schwierig werden. Faust riet zum Aufbau eines Qualitätsmanagements, das Religion und Lebenskultur beachtet, würdevolle Orte für den Abschied schafft, Adressen von Beerdigungsinstituten bereit hält, die auf muslimische Bestattungen eingestellt sind sowie bei Bedarf Adressen von Migrationsberatungsstellen und Imamen vermittelt. 

Vorzuhalten seien multikulturelle Teams und bewährt habe sich eine Checkliste, in der Biographie, Religionszugehörigkeit (Ernährungsgewohnheiten, religiöse Praktiken), Sprachkenntnisse, Migrationshintergrund, Familienhierarchie und andere Aspekte erfasst würden. „Wir brauchen mehr Verständnis und mehr Wissen über den Islam“, betonte Faust, „und können von Moslems im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer lernen, dass in dieser schwierigen Phase Familienzusammenhalt und Hilfsbereitschaft sehr groß sind, Menschen aufeinander zugehen und der Umgang mit der Trauer sehr viel offener als in unserem Kulturkreis ist.“ Ganz wichtig sei Vertrauen, und dieses entstehe, wenn man zusammenarbeite.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos
WiSo meldet

Aus dem Polizeibericht

13.10.2019 Verkehrsunfall: Auto gegen Pferd
13.10.2019 Einbruch in ein Autohaus - 20.000 € Schaden

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: