21.09.2019

Unternehmen melden zahlreiche unbesetzte Lehrstellen

Neuer Rekord bei der Ausbildungsmesse des Landreises Wittenberg

Wittenberg (wg). Mit 52 Ausstellern feierte die 22. Ausbildungsmesse des Landkreises im Berufsschulzentrum im Mittelfeld am Sonnabend einen neuen Rekord, damit seien die räumlichen Kapazitäten erschöpft, wie Gastgeberin Carola Gehlhar bei der Eröffnung um 10 Uhr betonte. Der Kreisbauernverband warb für seine Ausbildungsberufe denn auch bereits im Außenbereich, zumal der große Traktor auch nicht ins Foyer gepasst hätte. 

Die Schulleiterin nutzt die Anwesenheit des CDU-Bundestagsagbeordneten Sepp Müller für Kritik: „Wir brauchen dringend eine Reform des Bildungssystems, vielen Jugendlichen fehlt aufgrund der schlechten schulischen Bildung die Ausbildungsreife, sie werden uns als Fachkräfte fehlen.“ Nachqualifizierungen würden Geld kosten und seien teuer. Die Babyboomer-Jahrgänge gingen sukzessive in Rente, dies werde den Fachkräftemangel flächendeckend und in allen Branchen dramatisch verschärfen.

Schulleiterin Gehlhar wünschte sich mindestens weitere 22 Ausbildungsmessen und nutzte die Gelegenheit, den Besuchern ihre neue Stellvertreterin vorzustellen: Ute Hoffmann hat die seit Jahren vakante Stelle übernommen, sie war zuvor unter anderem für die Ausbildung im Gesundheitsbereich verantwortlich. 

„Es gibt heute mehr Ausbildungsplätze als Bewerber und auch die Zahl der Ausbildungsberufe ist größer geworden, das bedeutet, dass Jugendliche optimale Chancen haben, ihren Beruf zu finden“, erklärte Landrat Jürgen Dannenberg (Linke), der ausdrücklich den 52 ausstellenden Firmen, Verbänden und Bildungsträgern für die Messepräsenz dankte, ebenso dem in der Organisation federführenden Förderverein mit René Stepputtis als neuem Vorsitzenden.

MdB Sepp Müller verglich die Ausbildung mit einer Baumpflanzung, erst bildeten sich die Wurzeln aus, dann entwickle sich der Stamm und schließlich könnten die Früchte geerntet werden. Müller verwies auf die vom Bundeskabinett beschlossenen Maßnahmen für den Klimaschutz, die dazu führten, dass es neue „grüne“ Berufe geben werde. Das Verbot, dass ab 2029 keine neuen Ölheizungen mehr installiert werden dürfen und auf Gas bzw. erneuerbare Energien umgestellt werden muss, bedeute viele zusätzliche Aufträge für das Handwerk, dem der Politiker nach wie vor einen „goldenen Boden“ bescheinigte.

Worte, die am Stand der Kreishandwerkerschaft gern gehört wurden, aber viele Handwerksbetriebe leiden unter akutem Lehrlingsmangel. Peter Hoffrichter von der Handwerkskammer Halle informierte über die passgenaue Besetzung von Ausbildungsbetrieben und die Integration von ausländischen Fachkräften, Zielgruppe sind kleine und mittelständische Unternehmen. Das Angebot umfasst auch Unterstützung bei rechtlichen und administrativen Aufgaben der Ausbildung. 

Der Landkreis als Träger der Berufsschule ist seit fünf Jahren mit einem eigenen Stand präsent und wirbt unter anderem für die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. „Wir bilden jedes Jahr im Schnitt fünf junge Menschen aus“, berichtete Dannenberg im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „und wir haben bis auf zwei Ausnahmen nach Ausbildung und Probezeit alle übernommen.“ Mit der Ausbildung sorge man gezielt für die Nachbesetzung von Stellen, die infolge der Verrentung von Mitarbeitern frei würden. Dieses Jahr habe man erstmals einen Bewerber für den gehobenen Dienst im dualen Studium dabei, denn perspektivisch seien auch Fachdienstleiterstellen neu zu besetzen.

Sehr gut besucht wurde der Stand des Autohauses Moll, das von Anfang an auf der Ausbildungsmesse präsent ist. „Beim Nachwuchs steuert die Kfz-Branche auf eine Katastrophe zu“, warnte Geschäftsführerin Kerstin Schönemann, „Klagen allein reicht nicht, wir müssen Flagge zeigen und für unsere attraktiven Ausbildungsberufe werben.“ 

Bei einem Messe-Rundgang mit dem Landrat, der Schulleiterin und dem Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Reinhard Rauschning wurden vier Aspekte deutlich. Erstens: Obwohl das Ausbildungsjahr offiziell am 30. September endet, sind Nachbesetzungen möglich, bei den Stadtwerken zum Beispiel bis Ende Dezember. Zweitens: Alle Firmen haben noch freie Ausbildungsplätze. Drittens: Die Ausbildungsentgelte sind gegenüber den Vorjahren stark gestiegen und immer mehr Firmen bieten zusätzliche Leistungen wie Tankgutscheine oder Prämien/Extraurlaub bei besonders guten Leistungen. Viertens: Das duale Studium nimmt an Bedeutung zu und entwickelt sich immer mehr zur attraktiven Alternative für Gymnasiasten und sehr guten Realschülern.





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