17.09.2019

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Zielkonflikt im Klimaschutz

Berlin (ots) Kraftvolles Voranschreiten beim Klimaschutz ist leicht gefordert. Wenn es aber konkret wird, gibt es viele Hürden. Denn anders als Fernflüge oder spritschluckende Autos sind warme Wohnungen nicht verzichtbar. Insofern hat Berlins Umweltsenatorin recht: Endlich wird über die für das Klima wirklich wichtigen Fragen geredet. 

In Berlin und anderen Städten geht es eben nicht in erster Linie um Ökostrom oder nicht, sondern um die Gebäude, die für Heizung und Warmwasser 60 Prozent der Energie verbrauchen. Das Suchen nach Wegen zu einer grünen Fernwärme ist also völlig richtig. Dass daneben die vielen privaten Ölheizungen ersetzt werden müssten, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Studie von Vattenfall und Senat zeigt: Ohne den fossilen Energieträger Gas geht es nicht, wenn die 1,3 Millionen Wohnungen am Fernwärmenetz wohlig temperiert bleiben sollen.

Erneuerbare Alternativen bringen in Berlin nicht genug. Auch wenn das den Bund nicht aus der Pflicht entlässt, den Ausbau von Windrädern und Sonnenkollektoren wieder in Gang zu setzen. Eine große Hürde zur grünen Fernwärme in Berlin ist aber hausgemacht. Dreimal mehr Wohnungen als heute müssten jedes Jahr wärmegedämmt werden, um den Verbrauch zu senken. Wie das unter den Bedingungen des Mietendeckels und einer genervten Immobilienwirtschaft gelingen soll, ist das Geheimnis der rot-rot-grünen Strategen in der Koalition.

Dass energetische Sanierungen vom Mietenstopp ausgenommen sein sollen, macht die Sache nur wenig besser. Immer noch müsste sich jeder Bauherr seine Anträge von nicht vorhandenen Beamten genehmigen lassen. Das werden sie nicht im nötigen Umfang tun. Rot-Rot-Grün ist in einem klassischen Zielkonflikt gefangen. Für ambitionierten Klimaschutz ist das keine gute Grundlage.




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