Diplom-Forstingenieur Siegfried Jahn, Sprecher der BI „Pro Wald“. Foto: privat

Diplom-Forstingenieur Siegfried Jahn, Sprecher der BI „Pro Wald“. Foto: privat

01.09.2019

Siegfried Jahn schreibt einen Weckruf auch an den Bundespräsidenten

Bürgerinitiative Pro Wald: Nichtstun führt zur Klimakatastrophe!

Kemberg (wg). Siegfried Jahn, Forstmeister i.R. und Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Pro Wald“, hat den von ihm verfassten „Aufruf Dübener Heide“ an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geschickt. „Es geht um unsere gemeinsame Verantwortung, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen“, erklärt Jahn im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Vom Bundespräsidenten erhoffe er sich moralische Unterstützung. Der Wald sei zwar ein Leidtragender des Klimawandels, aber ebenso der große Hoffnungsträger im Kampf gegen die vom Menschen verursachten klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen.

Die weltweiten „Fridays for Future“-Demonstrationen hätten ihn zum Aufruf motiviert, die Leidenschaft, mit der sich Schülerinnen und Schüler für die Rettung des Planeten engagierten, sei beeindruckend und sollte den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ein Vorbild sein. Die Bundes-Bürgerinitiative „Waldschutz“ mit mehr als 70.000 Unterstützern sowie der Bund, der Nabu und zahlreiche BI’s vor Ort hätten sich ebenfalls zu den Zielen des Pariser Klimagipfels in 2015 bekannt und die Politik aufgefordert, endlich mehr zur Stabilisierung des Weltklimas zu unternehmen. 

 „Unser Klima ist bedroht, zu den Hauptursachen gehört das Verbrennen fossiler Energieträger, Waldrodungen und Bodenerosion“, erklärt Jahn. Die Erderwärmung habe weitreichende Konsequenzen, der Klimawandel träfe die Menschheit schlimmer und schneller als angenommen, weltweit seien mehr als 250 Millionen Menschen direkt von Flutwellen, Großbränden, Wirbelstürmen und Wassermangel betroffen. Daraus resultieren Ernteausfälle, Probleme bei der Wasserversorgung und schließlich kommt es zur Veränderung ganzer Lebensräume, die Menschen zur Flucht zwingt. 

„Auch um Europa macht diese Entwicklung keinen Bogen, wie das Jahr 2018 mit seinen Extremen gezeigt hat und diese Extreme werden zunehmen“, warnt Jahn. Die Klimaentwicklung zeige, wie maßlos der Mensch im Verbrauch der Natur sei. Wer das Weltklima stabilisieren wolle, müsse global die Waldflächen vergrößern: Für die Regenwälder in Südamerika und Südostasien bedeute dies einen radikalen Stopp des Kahlschlags. Für Europa und Deutschland gelte es, die Wirtschaftswälder unabhängig der Eigentumsform zu vergrößern, denn: „Der Wald ist unser aller Lebensgrundlage, dies hat bereits der Pariser Weltklimagipfel bestätigt.“ 

Eine neue Forstpolitik 

Gerade der Verlust von Waldflächen sei besonders tragisch, da Bäume für ihr Wachstum der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen. Weil Bäume aber nur langsam wachsen, könnten sie nicht kurzfristig auf veränderte Klima- und Lebensbedingungen reagieren. Am meisten leide die Fichte, die mit der Erwärmung und abnehmender Feuchte keine guten Wuchsbedingungen mehr vorfindet und in ihrem geschwächten Zustand den Angriffen des Borkenkäfers zum Opfer fällt.

„Auch die häufiger vorkommenden Starkstürme werden die Zusammensetzung des Waldes beeinflussen, da Bäume mit flachem Wurzelwerk gegenüber Sturmwind anfällig sind“, erklärt Jahn und ergänzt: „Der Klimawandel erfordert eine Neubestimmung der forstlichen Nachhaltigkeit, wenn heute und in Zukunft die biologische Vielfalt, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität und Produktivität des Waldes gesichert werden soll.“ Nur so könne der Wald auch künftig seine ökologische, soziale und wirtschaftliche Funktion erfüllen – lokal, national und global. 

Die dem Wald entnommenen Flächen müssten dringend durch das Anlegen von Klimawäldern kompensiert werden. Die ökologische Funktion des Waldes dürfe nicht länger seiner Nutzungsfunktion und damit wirtschaftlichen Aspekten untergeordnet werden. „65 Prozent aller Trinkwassereinzugsgebiete in Deutschland liegen in den Wäldern, sie liefern hochwertiges Grundwasser, während Wasser aus landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten mit Nitraten und Pestiziden belastet sind“, sagt Jahn, „deshalb müssen Waldbesitzer endlich von den Gewässerunterhaltungskosten befreit werden.“ 

Dank an Heike Beck 

Seit mehr als einem Jahrzehnt fordern Fachleute und Umweltverbände eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes, die bereits im Koalitionsvertrag der rot-grünen Bundesregierung (2002-2005) vereinbart, aber nie umgesetzt worden sei. Auch die derzeitige große Koalition habe dies in ihrer Agenda aufgenommen, so Jahn, Aktivitäten seien aber Fehlanzeige.

Wesentlich engagierter seien da Kommunalpolitiker wie Heike Beck, die sich nach 25 aktiven Jahren im Kemberger Rat vor wenigen Tagen aus der Politik zurückgezogen hat. Sowohl als stellvertretende Schulleiterin der Sekundarschule Kemberg (Klimaschutz-Projekte) als auch als Kommunalpolitikerin habe sie sich immer für die Belange des Waldes eingesetzt. „In der Kommission Wirtschaft und Tourismus der BI ‚Pro Wald’ war Heike Beck ebenso aktiv wie bei der Umsetzung von Projekten des Vereins Dübener Heide“, berichtet Jahn.





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