Constanze H. Latussek koordiniert das kirchliche Netzwerk „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“. Foto: Evangelische Akademie

Constanze H. Latussek koordiniert das kirchliche Netzwerk „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“. Foto: Evangelische Akademie

27.08.2019

Neues kirchliches Netzwerk für Nachhaltigkeit mit Sitz in Wittenberg

Friedrich Kramer: „Wir brauchen einen grundlegenden Wandel“

Wittenberg (WiSo). „Um die Erde bewohnbar zu halten, brauchen wir einen grundlegenden Wandel, vielleicht sogar eine neue, eine ökumenisch-ökologische Reformation, eine planetare Reformation zum Genug“, erklärt Friedrich Kramer, Direktor der Evangelischen Akademie in Sachsen-Anhalt und designierter Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. 

Was können Menschen tun, damit die Erde bewohnbar bleibt? Welchen Beitrag können die christlichen Kirchen dabei leisten? Und welches Wissen brauchen sie dazu? Für diese Fragen hat die Akademie eine neue Stelle eingerichtet: Die Politikwissenschaftlerin Constanze H. Latussek koordiniert von Wittenberg aus ein bundesweites, kirchliches Netzwerk: den ökumenischen Prozess „Umkehr zum Leben - den Wandel gestalten“.

Finanziert wird die neue Stelle vom katholischen Bischöflichen Hilfswerk Misereor und der Evangelischen Akademie. Dass die Stelle in Wittenberg, am Ursprungsort der Reformation angesiedelt ist, hält Akademiedirektor Friedrich Kramer für ein Zeichen der Hoffnung. 

„Die Kehrseiten der Wohlstands- und Fortschrittsgeschichten der sogenannten entwickelten Länder sind inzwischen für alle sichtbar, die sehen wollen“, berichtet Dr. Georg Stoll, der bei Misereor für Globale Zukunftsfragen zuständig ist. „Die Frage drängt sich auf: Wie wollen wir in unserem gemeinsamen Zuhause, auf diesem Planeten leben? Sie berührt die christlichen Kirchen im Innersten ihres Selbstverständnisses und ihres Auftrags, deshalb ist die Arbeit dieses kirchlichen Netzwerks für Nachhaltigkeit so wichtig.“ 

Das Zeitalter des Menschen

Da der Mensch als erste Art überhaupt dabei ist, die Erde unumkehrbar zu verändern, wird die aktuelle Epoche zunehmend auch als Anthropozän bezeichnet - das Zeitalter, das von Menschen gemacht wird. „Erdgeschichtlich könnte es ein sehr kurzes Zeitalter sein, denn der Mensch entzieht sich in atemberaubender Geschwindigkeit die eigenen Lebensgrundlagen wie saubere Atemluft, Trinkwasser oder überlebensfreundliches Klima,“ warnt Latussek. 

Planetare Grenzen 

Der Mensch bedroht sein eigenes Überleben derzeit in neun Bereichen, so zum Beispiel durch die menschengemachte Klimaveränderung, die Überdüngung der Böden mit Stickstoff, die Versauerung der Meere oder das Aussterben von Arten wie das Bienensterben. „Damit die Erde auch künftig bewohnbar bleibt, müssen wir globale Stoppschilder aufstellen“, so Latussek, „Wissenschaftler nennen diese Stoppschilder planetare Grenzen.“ 

Transformation: Umkehr zum Leben 

Um die Erde auch im Anthropozän bewohnbar zu erhalten, braucht es eine große Transformation - so die Forderung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) aus dem Jahr 2011. Dabei kommen in den vergangenen Jahren die Kirchen wieder verstärkt ins Blickfeld von Wissenschaft und Politik. „Kirchen haben große Erfahrungen mit tiefgreifenden Transformationen“, betont Latussek. „Zudem bieten die Kirchen mit ihren Wertemodellen Gegenentwürfe zum Streben nach Wachstum und Status an.“ 

Wenn jemandem bewusst werde, dass ihn ein großes Auto und ein volles Konto weniger glücklich machen, als anderen zu helfen und Teil einer Gemeinschaft zu sein, könne das ein Anfang sein. Wenn das immer mehr Menschen erlebten, könne das vielleicht sogar eine gesellschaftliche Revolution auslösen. „Hier bieten die Kirchen ein Riesenpotenzial an Geschichten, Traditionen und Ideen“, sagt Latussek. Dabei sei sie davon überzeugt, dass ein Umdenken nur über eine „positive Kultur der Nachhaltigkeit“ gelingen könne: „Untergangs-Szenarios und Gängelei führen nur zu Angst, Abwehr oder gar Resignation, sie sind keine guten Ratgeber. In unserem christlichen Glauben finden wir dagegen eine lebensbejahende Kraft für eine spirituelle Erneuerung und Umkehr.“ 

Zur Person  

gebürtige Leipzigerin studierte Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Umwelt- und Internationale Politik in Berlin, Münster und Leeds und arbeitete als Journalistin bei Zeitungen, Radio- und Multimedia-Formaten im In- und Ausland. Mit ihrer 2011 gegründeten PR-Agentur Korax Kommunikation betreut sie gemeinnützige Kunden wie Diakonische Werke und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Dax-Konzerne. 

Als Koordinatorin des Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit (Bonn-Katowice) war sie für die Organisation, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit eines länderübergreifenden ökumenischen Projektes zuständig. Auch privat spielen für die Mutter von zwei Kindern Nachhaltigkeit, Umweltpolitik und christliches Engagement eine elementare Rolle. So hat sie eine Bürgerinitiative für umweltfreundliche Mobilität mitgegründet, autofreie Aktionstage durchgeführt und das Leipziger „Südcafé“ für Geflüchtete mitgegründet.





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