Dr. Ulrike Brinkmann kuratiert die Ausstellung „Kunst nach 1945“. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Ulrike Brinkmann kuratiert die Ausstellung „Kunst nach 1945“. Foto: Wolfgang Gorsboth

25.08.2019

Drei Ausstellungsstandorte in Wittenberg

„Kunst nach 1945“ aus der Sammlung Gerd Gruber

Wittenberg (wg). Drei Ausstellungen sollen die „Kunst nach 1945“ beleuchten, kuratiert von der Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Brinkmann werden Arbeiten aus der Sammlung des Wittenbergers Gerd Gruber gezeigt. Schirmherr ist Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), die offizielle Eröffnung findet am 10. September um 17 Uhr im Alten Rathaus statt. Die Federführung des Projekts hat der Verein WittenbergKultur e.V. 

Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt Gruber Kunst des 20. Jahrhunderts, für ein Schulprojekt fragte er die Malerin und Grafikerin Lea Grundig (1906-1977) an, daraus entwickelte sich eine Freundschaft – und eine nunmehr fast 55 Jahre währende Sammelleidenschaft. „Mehr als 5.000 Werke umfasst diese einzigartige Sammlung, die 2006 in das Gesamtverzeichnis national wertvollen Kunsterbes aufgenommen worden“, erklärt Brinkmann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Zusammengekommen seien Arbeiten vielfältigster Art, die eines gemeinsam haben: „Sie zeigen eindrucksvoll die vielfältigen Strömungen und Tendenzen in der Kunst des 20. Jahrhunderts“, berichtet Brinkmann, „dabei stehen vor allem die graphischen Arbeiten sozial und humanistisch engagierter Künstler im Mittelpunkt.“ 

Nach den großen Überblicksausstellungen in 2008 („Aufbruch in die Moderne. Graphik des frühen 20. Jahrhunderts“) und in 2011 („Zwischen Bedrängnis und Widerstand. Graphiken und Gemälde der Jahre 1933 bis 1945“) widmen sich nun gleich drei Ausstellungen der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben weniger bekannten Namen finden sich viele Künstler von Weltrang wie Joseph Beuys, George Braque, Marc Chagall, Sonia Delaunay, Otto Dix, T. Lux Feininger, HAP Grieshaber, Erich Heckel, Hannah Höch, Johannes Itten, Asger Jorn, Oskar Kokoschka, Fernand Léger, Gerhard Marcks, Frans Masereel, Wolfgang Mattheuer, Joan Miró, Henry Moore, Pablo Picasso oder Victor Vasarely. 

Altes Rathaus

Die Ausstellung im Alten Rathaus zeigt unter dem Titel „Internationale Positionen“ Arbeiten internationaler Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unmittelbar nach 1945 befindet sich die Kunst im Aufbruch, weltweit suchen die Künstler nach neuen Ausdrucksformen, um auf die Schrecken des Zweiten Weltkrieges zu reagieren. Die Ausstellung verdeutlicht die globale Vernetzung, bei der nicht nur Künstler in Europa und den USA zu ähnlichen Ergebnissen kommen, sondern auch in Südamerika, Asien oder Afrika. Gezeigt werden Arbeiten aus ganz Europa und den USA, Mexiko, Kuba, Chile, Japan, Indien und Russland. 

Cranach-Hof

Unter dem Titel „Neues Bauhaus“ zeigt der Cranach-Hof, Markt 4, Werke der Bauhausmeister und -schüler, die nach 1945 entstanden. Die Ausstellung zeigt somit den Einfluss des Bauhauses auf Kunst, Architektur und Design. Unmittelbar nach der Machtübernahme schließen die Nationalsozialisten das Bauhaus, im Zusammenhang mit der dann folgenden Emigration vieler Meister und Schüler verbreiteten sich die Bauhausideen weltweit. 

Nach 1945 lehren Bauhausmeister wie Georg Muche und Gerhard Marcks an Werk- und Hochschulen der jungen Bundesrepublik Deutschland. „Zunächst knüpft auch die SBZ/DDR an die Bauhausideen an, bis diese ab 1950 im Rahmen der Formalismus-Diskussion verdrängt und erst in den späten 1960er Jahren wieder aufgegriffen wird“, erklärt Brinkmann. 

Stiftung im Schloss

Die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg stellt unter dem Titel „Pazifismus trifft Religion“ religiös-existentialistische Arbeiten aus ihrem eigenen Sammlungsbestand pazifistischen Arbeiten aus der Sammlung Gerd Grubers gegenüber. Das Erleben des Zweiten Weltkrieges, die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die neuen nuklearen Waffen, die alles Leben auf Erden vernichten können, bringen eine zutiefst pazifistische Kunst hervor.

„Viele Künstler, die sich meist selbst gar nicht als religiös bezeichnen würden, nutzen dafür auch die Geschichten und Protagonisten der Bibel, um ihre Botschaft auszudrücken“, sagt Brinkmann. Die Gegenüberstellung religiöser und pazifistischer Arbeiten zeigt, dass das eine das andere in der modernen Kunst nach 1945 nicht ausschließt, sondern sich beide Themen in ihren sozialen und politischen Aussagen gegenseitig ergänzen und bestärken. 

Hinweis

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Bestandskatalog zur Kunst nach 1945 aus der Sammlung Gerd Gruber mit einem Einführungstext von Dr. Ulrike Brinkmann, Leipzig, sowie zahlreichen Abbildungen und Künstlerbiografien, zusammengestellt von Dr. Gerd Gruber. Die Ausstellung ist bis zum 6. Januar 2020 zu sehen.





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