Renke Brahms ist der neue theologische Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung. Foto: Wolfgang Gorsboth

Renke Brahms ist der neue theologische Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung. Foto: Wolfgang Gorsboth

25.08.2019

Neuer theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung

Renke Brahms: Gewalt schafft keine Lösung

Wittenberg (wg). Renke Brahms ist ein unbequemer Mahner, der sich leidenschaftlich für Abrüstung, gewaltfreie Konfliktlösungen und einen gerechten Frieden einsetzt. Der 63-jährige Theologe ist Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und neuer theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung.

„Wir benötigen weltweit eine Ächtung vollautomatischer Waffen wie Drohnen“, erklärt Brahms im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „wir haben sowohl bei atomaren als auch chemischen Waffen immer zu spät reagiert, erst dann, wenn sie mit katastrophalen Wirkungen eingesetzt wurden.“ Durch Drohnen und ähnliche Systeme wachse die Gefahr, dass Kriege wieder als führbar gelten. Das Friedensthema werde auf der EKD-Synode im November 2019 in Dresden ein Schwerpunkt sein: „Wie werden wir eine Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens, was müssen wir dazu selber tun und was politisch einfordern?“ 

Die 2007 veröffentlichte EKD-Friedensdenkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ sei damals „ein großer Wurf“ gewesen und im breiten Konsens verabschiedet worden. „Aber die Welt hat sich seither verändert, die Nuklearfrage ist wieder auf der Tagesordnung, es gibt mehr fragile Staaten und die Digitalisierung und Automatisierung erfasst zunehmend die Waffensysteme.“

Die Jahreslosung für 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach“ könnte als Motto auch über die Arbeit des Friedensbeauftragten stehen. Vor allem Christen, so Brahms, müssten sich einmischen, wenn der Frieden gefährdet werde. Sowohl in der Friedensbewegung der Bundesrepublik als auch in der DDR seien Christen aktiv gewesen. Ohne diese Proteste hätte es wahrscheinlich nie den 1987 unterzeichneten INF-Vertrag zwischen den USA und der Sowjetunion zur Abrüstung der Mittelstreckenwaffen in Europa gegeben. 

„Dass die USA und Russland aus dem Vertrag aussteigen wollen, wird die Aufrüstungsspirale wieder in Gang setzen mit Blick auf die technische Weiterentwicklung atomarer Sprengköpfe“, warnt Brahms. Auch hier bestehe die Gefahr, dass Atomkriege führbar gemacht werden sollen, deshalb seien die Anstrengungen europäische Politiker für den Erhalt des INF-Vertrags richtig. 

Den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sieht Brahms ebenfalls kritisch. Laut dem Global Peace Index sei Afghanistan eines der unsichersten Länder der Welt, alle militärischen Anstrengungen hätten nicht zu einer Befriedung geführt. „Alles, was von außen kommt, stößt in Afghanistan auf Widerstand, militärisch sind die Konflikte nicht zu lösen“, kritisiert Brahms. Die internationale Staatengemeinschaft habe dem Land viel Geld für die Entwicklung versprochen, passiert sei nichts. 

Auch die Bundesregierung habe viel zu spät erkannt, dass für den Einsatz in Afghanistan ein in sich stimmiges Gesamtkonzept erforderlich sei, welches auch friedenspolitische Ziele sowie die politische und wirtschaftliche Entwicklung berücksichtige. Solche Konzepte seien nicht zuletzt an den USA gescheitert. 

Es sind nicht nur die großen kriegerischen Konflikte, die den Friedenbeauftragten der EKD umtreiben, sondern auch die Gefährdung des inneren Friedens, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Religion und Überzeugung ausgegrenzt und verfolgt werden. Wenn sich Menschen durch Veränderungen und Vielfalt abgehängt oder sogar bedroht fühlten und deshalb Rechtspopulisten unterstützten, müsste dem vor allem mit Bildung und Aufklärung begegnet werden, da sei auch die kirchliche Bildungsarbeit gefordert.

Konfi-Camps und Chorfest 

„Trust and try – Frieden“ ist das Motto der drei Konfi-Camps, die die Evangelische Wittenbergstiftung organisiert, die ersten 500 jungen Menschen sind am Mittwoch in der Lutherstadt eingetroffen, wo sie spannende, spirituelle und kreative Programme erwarten. „Auch im nächsten Jahr wird es drei Durchgänge geben und zusätzlich ein Engagierten-Camp zum Thema Menschenrechte“, kündigt Brahms an.

Im August 2020 wird es in Wittenberg ein großes protestantisches Chorfestival mit Workshops und Konzerten geben, dafür konnte der RIAS-Kammerchor Berlin gewonnen werden. „Die Reformation war auch eine Singebewegung“, sagt Brahms. Im April 1524 erschien Luthers „Achtliederbuch“, das erste evangelische Gesangbuch, die singende Gemeinde wurde zu einem Kennzeichen der Reformation. 

„1517 begann die Reformation, wir haben in den Folgejahren viele wichtige historische Daten, an die es zu erinnern gilt“, so Brahms. Ein Thema werde Luthers Bibelübersetzung und die damit verbundene prägende Kraft für die Entwicklung der deutschen Sprache sein. Außerdem in Vorbereitung sind neue Module für die Fortbildung von Führern für die Schlosskirche, die 2016 vom Land in den Besitz der EKD wechselte. 

Zur Person 

Brahms wurde 1956 in Bremen geboren und studierte Theologie in Münster, Tübingen und Göttingen, 1985 wurde er ordiniert und war danach 16 Jahre Pastor in Bremen. 2007 wurde er zum Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche und damit zum leitenden Theologen gewählt. Seit dem 1. Oktober 2018 ist er der erste Friedensbeauftragte der EKD, 2015 wurde die Beauftragung bis 2021 verlängert. 

Die Evangelische Wittenbergstiftung wurde zum 1. Januar 2009 eingerichtet und hat ihren Sitz im Alten Rathaus, sie ist die ständige Präsenz der EKD in der Lutherstadt, unter ihren Dach arbeitete die kirchliche Geschäftsstelle „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“. Eine weitere Säule ist das Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: