23.08.2019

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Regenwald: Es sind auch unsere Feuer

Berlin (ots)Endlich ist sie da. Die Aufmerksamkeit. Nach Wochen nimmt die Öffentlichkeit wahr, was in Brasilien passiert. Wenn Sprache auch nur ein bisschen auszudrücken vermag, was die Brände im Regenwald derzeit für einen Schaden anrichten, dann sind es Zeilen wie "Flammenhölle Amazonas".

Immer würde man als Leser denken, das ist jetzt übertrieben. Aber nein. Ist es dieses Mal nicht. Zahlen können kaum ausdrücken, wie schwer die Folgen dieser Waldbrände sind, die fast immer von Menschen verursacht werden. Auch wenn wir wissen, dass seit Januar dieses Jahres 72.843 Feuer im Amazonas-Regenwald registriert worden sind und das eine Steigerung zum Vorjahr von 83 Prozent ausmacht. Auch wenn wir wissen, dass sich die Tierbestände in Wäldern seit 1974 weltweit halbiert haben. Und einer der Hauptgründe dafür Rodungen sind. 

Im brasilianischen Regenwald ist es immer wieder das gleiche Prinzip. Farmer roden zunächst Waldgebiete, dann werden Feuer gelegt, um neue Weideflächen zu schaffen. Und wenn Dürre herrscht, breitet sich das Feuer schnell aus. Die fiese Mischung aus Dürre und wirtschaftlichen Interessen zerstört den Regenwald im Amazonasgebiet. Wäre der Regenwald ein Körper, würde der Mensch ihm erst die Füße abschlagen, dann die Hände, dann die Beine, dann die Arme. Und weil das noch nicht reicht, in Mund, Nase und Ohren Zigaretten stecken und alles ausräuchern. 

Wann wird der Mensch das Herz des Urwalds erreichen? Wann werden wir sagen: "Brasiliens Regenwald ist tot"? Das hängt von den Menschen ab - und zwar von allen. In den sozialen Medien fordern immer mehr ein gemeinsames, weltweites Engagement. Und dass die brasilianische Politik einlenkt, umdenkt und endlich den Regenwald schützt, statt ihn auszubeuten. Denn es geht um nicht weniger als die grüne Lunge der Welt. 

Auch wenn der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro noch so schimpft, dass es niemanden etwas anginge, was Brasilien mit seinem Regenwald mache, darf sich die internationale Gemeinschaft nicht abschrecken lassen. Der Präsident kündigte bei seiner Wahl im Januar an, den Regenwald für die Wirtschaft zu öffnen. Die Mission ist in vollem Gange. Der Schaden katastrophal. 

Brasilien darf nicht mit dem brutalen Raubbau weitermachen. Das Klimaabkommen von Paris nützt überhaupt nichts, wenn Brasilien seinen Regenwald abbrennt. Dann ist die Reduzierung von CO2-Emissionen hierzulande sinnlos. Denn Experten bezeichnen den Regenwald als die Klimaanlage für unseren Planeten. 

Neben den rein egoistischen Gründen wie Umwelt- und Klimaschutz und somit Überleben auf dieser Welt ist der Erhalt des Regenwalds auch sozial. Es ist auch Heimat und Lebensraum vieler indigener Völker. Der brasilianische Präsident ignoriert stattdessen den Umweltschutz. Die Bundesregierung und die Europäische Union müssen den Druck also erhöhen. Fördergelder kürzen, wenn das Land von sich aus nicht umdenkt. 

Ein Schlüssel könnte der Amazonas-Fonds sein. Er wurde 2008 zum Schutz des Regenwalds von der brasilianischen Regierung gegründet. Regierungen und Privatpersonen spendeten seither. Denn die brasilianische Regierung versprach den Vereinten Nationen damals, den Waldverlust bis 2020 zu stoppen. Norwegen spendete 2015 eine Milliarde US-Dollar. Die deutsche Regierung 18 Millionen Euro. 

Es ist Zeit zu handeln. Brasilien mag weit weg sein, doch der Klimawandel erwärmt auch unsere Sommer und sorgt für Dürre. Die Feuer im Amazonas-Regenwald sind auch unsere Feuer.





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