Pfarrer Alexander Garth und Musikpastor Frank Koine präsentieren ein Bild mit Symbolkraft: Fünf von Gott erleuchte Menschen verkörpern die fünf Kontinente, der Afrikaner steht in der Mitte. Garth erwarb das Bild in den USA und verpasste ihm einen historischen Rahmen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Pfarrer Alexander Garth und Musikpastor Frank Koine präsentieren ein Bild mit Symbolkraft: Fünf von Gott erleuchte Menschen verkörpern die fünf Kontinente, der Afrikaner steht in der Mitte. Garth erwarb das Bild in den USA und verpasste ihm einen historischen Rahmen.
Foto: Wolfgang Gorsboth

16.08.2019

Stadtkirchenpfarrer Alexander Garth initiierte das Projekt „Erprobungsräume“

Frank Koine aus Kenia arbeitet als Jugendpastor in Wittenberg

Wittenberg (wg). Als Frank Koine und seine Frau Flora sowie die Töchter Jazmine und Mayah im August 2018 nach Wittenberg kamen, wurden sie von der Stadtkirchengemeinde überaus freundlich aufgenommen. „Wir sind mit offenen Armen empfangen worden“, berichtet Koine im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die Gemeindemitglieder, aber auch viele Bürger halfen bei der Ausstattung der Wohnung im Gemeindezentrum Sankt Martin, denn wer fast 9.000 Kilometer zurücklegt, bringt nicht seinen gesamten Hausstand mit.

„Wittenberg ist ein Ort der Kunst und einer reichen Geschichte“, betont Koine. Freundschaftliche Kontakte konnte die Familie inzwischen viele knüpfen, aber es gibt auch die hässliche Seite – Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. „Wir sind auslandserfahren und wussten, was auf uns zukommen könnte“, sagt Koine. Unfreundliche Gesten oder gar Beschimpfungen auf der Straße oder im Einkaufsmarkt seien glücklicherweise sehr selten. „It doesn’t bother me at all“ („Das berührt mich gar nicht“), zeigt sich Koine selbstbewusst und gelassen, denn Rassismus sei vor allem Resultat mangelnder Bildung. 

Entsandt wurde Koine von der Mamlaka Hill Chapel in Nairobi, einer großen und lebendigen Gemeinde direkt neben dem Universitätsviertel. Koine ist dort seit neun Jahren als Musikpastor tätig, er ist – anders als in Deutschland – ordinierter Pfarrer und Kantor in einem, er predigt, er tauft, schließt Ehen und ist eben auch für die Musik zuständig als Lobpreis Gottes: „Musik ist eine ganz wichtige Form der Verkündigung und zentraler Bestandteil des Gottesdienstes.“ 

Die afrikanische Theologie sei weniger theorielastig, die Gemeindearbeit mehr am Leben orientiert. Bevor Koine Pastor wurde, hat er ein BWL-Studium absolviert. Wer Pastor werden will, muss zeigen, dass er in seinem Leben bereits etwas erreicht hat und er muss darlegen, dass er einer Berufung seines Herzens folgt, denn Pastor ist kein Job wie in Deutschland, wo evangelische Pfarrer quasi Beamtenstatus haben.

Kirche neu denken 

Koine ist für die Dauer von fünf Jahren in Wittenberg, das Projekt ist angesiedelt in den „Erprobungsräumen“, einem Fonds der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zur Finanzierung innovativer, missionarischer Vorhaben, Initiator ist Stadtkirchenpfarrer Alexander Garth: „Die Kirche schrumpft und es ist unsere Aufgabe, nicht so sehr in den Rückbau zu investieren, als vielmehr in zukunftsfähige Projekte und dazu gehört die Missionsarbeit.“ 

In der Vergangenheit hat Europa Afrika missioniert, nun kommen Afrikaner mit ihrer charismatischen Spiritualität, um die überalterte Kirche in Europa zu missionieren, um auf neuen Wegen Menschen für den Glauben zu begeistern. „Angeschoben wurde das Projekt auf einer Missionskonferenz in Nairobi“, erinnert sich Garth, „dort wurden wir gefragt, warum bei uns die Kirchen leer sind und wie man uns helfen könne.“ Garths deutliche Antwort: „Schickt uns Missionare, am besten Musiker!“ 

Frank und Flora, studierte Umweltwissenschaftlerin, folgten diesem Ruf. Am Goethe-Institut in Nairobi absolvierten sie einen Intensivkurs Deutsch. Die ältere Tochter Jazmine besucht die Evangelische Grundschule und spricht exzellent Deutsch, Mayah geht in den Evangelischen Kindergarten „Arche“.

In Koines Gemeinde sind die Gottesdienste am Sonntag nicht nur – auch von Jugendlichen – gut besucht, man kann sie auch auf Youtube im Live-Stream verfolgen. Zerfledderte Gesangsbücher findet man dort nicht, die Liedtexte werden mit Beamer projiziert. „Wir sind hier in Europa 300 Jahre zurück, die Verhältnisse haben sich komplett umgedreht, wir können von jungen und dynamischen Gemeinden in Afrika nur lernen“, betont Pfarrer Garth. 

Zu Koines Aufgaben in Wittenberg gehört die Jugend- und Konfirmandenarbeit. An der Evangelischen Gesamtschule betreut er das bilinguale Projekt „Modern Gospel“, spezielle monatliche Jugendgottesdienste sind ebenso in Vorbereitung wie Familiengottesdienste in St. Martin.

Das „Kenia-Projekt“ 

 Frank und Flora Koine waren mit dem „Kenia-Projekt“ schon oft in Deutschland, das erste Mal 2005 und in diesem Jahr ist das Projekt in den ersten beiden Augustwochen in Wittenberg zu Gast - unter der Leitung von Frank. Circa 30 junge Leute aus Kenia und Deutschland studieren gemeinem ein Programm aus Gospel und Tanz ein. Zum Abschluss wird das Ergebnis am 18. August um 19 Uhr in der Hoffnungskirche präsentiert, anschließend geht das Projekt auf Tournee.





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