13.08.2019

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Volkssport Schwarzarbeit

Berlin (ots) Erinnern Sie sich noch an das Aufzugskartell? Selbst in einem Gebäude der Europäischen Kommission wurden die obersten Wettbewerbshüter aus Brüssel fündig, als sie vor über 15 Jahren dem Verdacht illegaler Preisabsprachen nachgingen. Sogar das Zentrum der europäischen Gemeinschaft sahen die beteiligten Hersteller in der Zeit um die Jahrtausendwende offenbar als Selbstbedienungsladen. Es folgte in engem zeitlichen Abstand die Offenlegung von Kartellen rund um Bier, Schienen und Lastwagen. Auch bei Matratzen gab es illegale Absprachen. Und das sind nur die prominentesten Beispiele aus einer Liste der vergangenen Jahre. 

Fälle wie diese zeigen: Auch in der vermeintlich sauberen europäischen Wirtschaftswelt, die im Antikorruptionsranking der Organisation Transparency International regelmäßig die vorderen Ränge belegt, liegt vieles im Argen. Nicht nur in Ländern wie Griechenland und Italien, die einem bei den Themen Schatten- und Vetternwirtschaft wohl als Erstes in den Sinn kommen. Sondern auch in Deutschland. 

Das Problem fängt im Kleinen an. In zig Millionen Haushalten arbeiten Putzkräfte schwarz, ohne Steuern, Versicherung und Sozialabgaben. Das gigantische Ausmaß hat kürzlich das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt: Im Jahr 2017 waren 88,5 Prozent der Reinigungskräfte illegal beschäftigt - obwohl die Anmeldung einer legalen Beschäftigung über die Minijob-Zentrale für die Auftraggeber heute eine recht einfache Sache ist, wenn auch mit Kosten verbunden. Immerhin ist ein minimaler positiver Trend erkennbar: Zwölf Jahre zuvor erreichte der Anteil der Schwarzarbeit in Privathaushalten sogar 93 Prozent. 

Den Handwerker, den Frisör oder die Hinterhofwerkstatt ohne Rechnung zu bezahlen, ist ein ebenso beliebter Volkssport, wie die Haushaltshilfe am Fiskus vorbei zu beschäftigen. Es sind eben nicht nur die Industriekonzerne, in denen immer wieder schamlos zulasten der Kunden und Verbraucher gehandelt wird. Der Betrug am Gemeinwesen - er gilt quer durch alle Gesellschaftsschichten als Kavaliersdelikt, vom Einpersonenhaushalt bis zum internationalen Unternehmen.




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