Dr. Claus Peter Cornelius, Chefarzt Gynäkologie und Leiter Endometriose-Rehabilitationszentrum, zeigt die Zertifizierungs-Urkunde. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Claus Peter Cornelius, Chefarzt Gynäkologie und Leiter Endometriose-Rehabilitationszentrum, zeigt die Zertifizierungs-Urkunde. Foto: Wolfgang Gorsboth

09.08.2019

Hartnäckiges Frauenleiden: Die Krankheit bleibt zu lange unerkannt

In der Endometriose-Therapie ist das Eisenmoorbad führend

Bad Schmiedeberg (wg). Bei der Reha von Endometriose ist der Kurstandort in Bad Schmiedeberg deutschlandweit führend: „Wir wurden 2012 als erste Einrichtung von der Stiftung Endometriose-Forschung zertifiziert und bereits zweimal erfolgreich rezertifiziert“, erklärt Kurdirektor Deddo Lehmann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Mehr als 50 Prozent der Patientinnen kommen nach Bad Schmiedeberg, darunter auch Frauen aus dem benachbarten Ausland und aus Israel. Grund ist der besondere, ganzheitliche medizinische Behandlungsansatz. Die Therapien sind mit den universitären Endometriose-Zentren abgesprochen.  

Obwohl circa zehn Prozent der Frauen an einer Endometriose leiden und es in jedem Jahr mehr als 30.000 Neuerkrankungen gibt, werden lediglich 800 Reha-Maßnahmen verordnet", kritisiert Dr. Claus Peter Cornelius, Chefarzt Gynäkologie, „beim Brustkrebs sind es circa 40.000“, vergleicht der Leiter des Endometriose-Rehabilitationszentrums. „Wenn Patientinnen mehrfach und bis zu 13 Stunden operiert wurden, ist auf jeden Fall ein Rehabilitationsbedarf gegeben.“ Da sich die Frauen ausnahmslos im erwerbsfähigen Alter befänden, gehe es auch um den Erhalt der Arbeitskraft. 

„Endometriose ist eine der verbreitetsten gynäkologischen Erkrankungen und vielfach die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch “, berichtet der Chefarzt, „dennoch bleibt diese Erkrankung oft viele Jahre unerkannt."

Bad Schmiedeberg arbeitet mit einer Kleingruppen-Therapie: „Die Patientinnen treffen zum ersten Mal auf Frauen mit dem gleichen Krankheitsbild und absolvieren das gesamte Programm gemeinsam“, erläutert Dr. Cornelius. 

Das Krankheitsbild 

Leider dauere es sechs bis acht Jahre, bis die Krankheit diagnostiziert werde. In dieser Zeit könne sich die Endometriose ausbreiten und den Betroffenen starke Schmerzen bereiten, ohne dass die Frauen wissen, was die Ursache ist. 

Für eine eindeutige Diagnose sei eine Bauschspiegelung nötig, die leider nicht zur gynäkologischen Standarduntersuchung zähle. „Oft wird die Krankheit erst bei Kinderlosigkeit entdeckt“, sagt Dr. Cornelius, „in 40 bis 60 Prozent ist diese Erkrankung die Ursache.“ Der Chefarzt rät Frauen, sich nicht mit oberflächlichen Aussagen abspeisen zu lassen wie 'Menstruationsschmerzen seien normal': „Starke Schmerzen sind nie normal, sondern immer ein Warnzeichen.“ 

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie schreibt: „Die Endometriose ist eine für Ärzte und betroffene Patientinnen gleichermaßen verwirrende Erkrankung.“ Eine kausale Therapie sei bisher nicht bekannt. Je länger die Patientinnen leiden, desto diffuser werden die Beschwerden, Schmerzen treten bei den Monatsblutungen, beim Wasserlassen, beim Stuhlgang und beim Geschlechtverkehr auf.

Hinweis für Frauen 

Dr. Cornelius hält eine Anschluss-Reha nach einem Klinikaufenthalt für sinnvoll, aber auch eine stationäre medizinische Reha ist möglich. Die Auskunft von einigen Ärzten und Kostenträgern, dass es bei Endometriose keinen Reha-Anspruch gebe, sei falsch. Nah der Reha sei eine berufliche Eingliederung nach dem „Hamburger Modell“ möglich.

Für betroffene Frauen in der Region bietet die Rehaklinik in Bad Schmiedeberg Gesprächsgruppen und Vorträge, die Teilnahme ist kostenlos. Dabei geht es um Themen wie Krankheitsbewältigung, Kinderlosigkeit, Partnerschaftsprobleme und Verbesserung der Lebensqualität. 

Hinweis für Männer 

Für Partner von Frauen mit Endometriose gibt es einen offenen Gesprächskreis mir Prof. Dr. Matthias Korell, Chefarzt am Johanna Etienne Krankenhaus in Neuss, einem erfahrenen Endometriose-Spezialisten und Psychotherapeuten. Für die Teilnahme wird ein Beitrag von 25 Euro erhoben. Der nächste Termin ist am 24. August, Anmeldung unter E-Mail:





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