Friedrich Kramer hat sich an der Evangelischen Akademie einen guten Ruf als kreativer und kommunikativer Direktor erarbeitet, seine Fähigkeit, verschiedene Parteien an einen Tisch zu bringen, dürfte auch im neuen Amt als Landesbischof der EKM gefordert sein. Foto: Wolfgang Gorsboth

Friedrich Kramer hat sich an der Evangelischen Akademie einen guten Ruf als kreativer und kommunikativer Direktor erarbeitet, seine Fähigkeit, verschiedene Parteien an einen Tisch zu bringen, dürfte auch im neuen Amt als Landesbischof der EKM gefordert sein. Foto: Wolfgang Gorsboth

09.07.2019

Der Akademiedirektor ist ins Bischofsamt gewählt worden

Friedrich Kramer will die weltoffene und streitbare Kirche

Wittenberg (wg). „Wir sind keine Kirche im Tiefflug und wir befinden uns auch nicht in einer Krise“, erklärt der künftige Landesbischof Friedrich Kramer im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Von einer Krise müssten wir dann sprechen, wenn wir unserem Auftrag nicht mehr nachkämen, die gute Botschaft von Gottes Liebe zu verkünden. Nur weil wir weniger werden, steht doch diese grandiose Botschaft nicht in Frage." 

Die Botschaft des Evangeliums sei von hoher gesellschaftlicher Relevanz, verweist Kramer auf die Position der Kirche zur Flüchtlingsfrage, die in den „sozialen" Netzwerken hasserfüllt kommentiert werde: „Man kann über den richtigen Kurs in der Flüchtlingspolitik streiten, aber nicht darüber, dass Menschen in Not Hilfe brauchen. Die Verrohung der Sprache hat den Weg zu rechtsextremistisch motivierten Straftaten bereitet, wie der Mord an den Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschreckend bewiesen hat, hier zeigen wir als Kirche klare Kante.“ 

Der „zivilgesellschaftliche Akteur" Kirche müsse sich einmischen, betont der designierte Bischof und verweist als Beispiel auf die Kampagne der EKM zur Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen. „Wir sind keine Staatskirche und wir sind genauso wenig wie ‚Fridays for Future’ ein verlängerter Arm der Grünen, uns geht es um die Bewahrung der Schöpfung, nicht um Parteipolitik.“ 

Ob Umgang mit Geflüchteten oder Nachhaltigkeit – es gebe viele Themen, bei den Christen und Nichtchristen zusammenarbeiten könnten: „Wir wollen eine fröhliche, menschenfreundliche, weltoffene, aber auch streitbare Kirche sein!“ Unter den Konfessionslosen seien viele, die kirchlichen Positionen zu gesellschaftlichen Fragestellungen aufgeschlossen seien. „Konfessionslose haben keine Defizite, sie haben nur eine andere Sicht auf diese Welt“, so Kramer, „und sie zwingen uns, überzeugend von unserem Glauben zu reden, eine dankbare und spannende Aufgabe.“ Fortgeführt werden soll auch die ökumenische Versöhnung als „Dialog, getragen von Würde und gegenseitigem Respekt.“ 

An seiner künftigen Aufgabe reize ihn, die Kirche in einer schwierigen Situation geistlich zu begleiten: „Wenn wir weniger werden und heute mancher Pfarrer 25 bis 30 Orte betreuen muss, sind Veränderungen unausweichlich.“ Kirche müsse auch in Zukunft erreichbar sein, für den ländlichen Raum könne des bedeuten, gezielt Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Auf keinen Fall aber dürfe man sich aus der Fläche zurückziehen, weil die Gefahr bestehe, dass man rechtsextremen und identitären Gruppen das Terrain überlasse. 

Die Wahl zum Bischof betrachtet Kramer auch als Wertschätzung seiner bisher geleisteten Arbeit. Dass seiner Vorgängerin Ilse Junkermann die Verlängerung der Amtszeit ohne Angabe nachvollziehbarer Gründe verweigert wurde, sieht Kramer kritisch: „Sie hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen und die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen 2009 zur EKM zusammengeführt, das war ein sehr schwieriger Prozess, für den ihr Dank gebührt.“ Dass ihr dieser Dank verweigert wurde, habe er den Synodalen als deutliche Kritik ins Stammbuch geschrieben – zum neuen Bischof haben sie ihn trotzdem gewählt. 

Abschied und Einführung 

Am 25. August wird Friedrich Kramer als Direktor und Studienleiter der Evangelischen Akademie in Sachsen-Anhalt offiziell verabschiedet, die Entpflichtung erfolgt in der Stadtkirche um 10 Uhr beim Kanzelreden-Gottesdienst. Die Rede hält Julia Helmke, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 

Im Anschluss gibt es mit Helmke ein Nachgespräch in der Akademie und danach folgt die Verabschiedung Kramers mit Empfang und Grußworten. Anmeldungen für den Empfang nimmt Kerstin Bogenhardt unter der E-Mail: entgegen. 

Am 7. September wird Kramer im Magdeburger Dom als neuer Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in sein Amt eingeführt.




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