Maren Siegel und Daniel Groitzsch vom Schulelternrat der Grundschule Seyda kritisieren die schlechte Situation an der Grundschule. Foto: Wolfgang Gorsboth

Maren Siegel und Daniel Groitzsch vom Schulelternrat der Grundschule Seyda kritisieren die schlechte Situation an der Grundschule. Foto: Wolfgang Gorsboth

28.06.2019

Maren Siegel: „Die Zukunft unserer Kinder steht auf dem Spiel!“

50 Prozent Unterrichtsausfall an der Grundschule in Seyda

Seyda (wg). Das Schuljahr 2018/19 ist  gelaufen, aus Sicht des Schulelternrates der Grundschule Seyda war es ein katastrophales, geprägt von 50 Prozent Unterrichtsausfall. „Unser Kinder sind mit Freude zur Schule gegangen, sie hatten Spaß am Lernen“, sagt Maren Siegel, Vorsitzende des Schulelternrates, „diese Freude hat man ihnen genommen, es gibt keine Struktur mehr im Schulalltag, keine Kontinuität, den Kindern fehlt der Klassenlehrer als fester Ansprechpartner und noch vorhandenen Lehrer arbeiten am Limit ihrer physischen und psychischen Kräfte.“ 

Für einige Kinder beginnt der Unterricht um 7.40 Uhr – und endet bereits an zwei Tagen in der Woche um 9.20 Uhr. Es wird nur noch das Allernötigste den Kindern vermittelt, eine Wiederholung und Festigung des Erlernten ist unter solchen desolaten Bedingungen nicht möglich und die berechtigte Sorge der Eltern ist, dass die Lücken im Wissensstand ihrer Kinder im Vergleich zu dem der Kindern anderer Grundschulen immer größer wird. 

„Es heißt doch, in der Grundschule wird der Grundstein für die weitere Schullaufbahn gelegt“, erklärt Siegel, „außerdem gibt es eine Schulpflicht, der wir Eltern selbstverständlich nachkommen, aber wo erfüllt das Landesschulamt und das Land seine Pflicht, die Bildung unserer Kinder abzusichern?“ Mit jedem Tag, an dem die Verantwortlichen nicht handelten, gehe für die Kinder ein Stück Zukunft verloren. 

Die Eltern seien zutiefst schockiert, wie mit der Zukunft ihrer Kinder umgegangen werde, wobei in Sonntagsreden doch immer betont werde, Kinder seien die Zukunft des Landes. 

Dabei fing in 2018 alles gut an, für jede Klasse gab es einen Lehrer, doch schon Anfang September 2018 wurden die Kinder der ersten Klasse regelrecht ausgebremst, weil die Klassenlehrerin aufgrund ihrer Schwangerschaft dem gesetzlichen Beschäftigungsverbot unterlag. Aus der Not heraus übernahm die Klassenlehrerin der zweiten Klasse vertretungsweise den Unterricht für Deutsch und Mathematik, doch diese erkrankte langfristig.

„Seit dem 22. Oktober 2018 werden unsere Kinder mit einem Notfallstundenplan unterrichtet“, berichtet Daniel Groitzsch, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternrates. Notfall heißt: Von 23 Unterrichtsstunden werden für die Kinder, die das Fach Ethik gewählt haben, 13 Stunden, für die Kinder mit Fach Religion 14 Stunden unterrichtet. Ersatzlos gestrichen sind: Musik, Gestalten, Ethik, Sachunterricht, das Fach schulspezifischer Unterricht sowie die geplante Förderstunde. Unterricht wird nur noch frontal und unter Zeitdruck vermittelt, Methodenvielfalt ist Fehlanzeige. 

Zwei abgeordnete Lehrer aus Jessen mussten einen Not-Unterricht in den Kernfächern Deutsch und Mathematik in allen vier Klassen der Grundschule Seyda absichern, einer Klassenleitertätigkeit konnten sie unter diesen Umständen nicht nachkommen. Dass Martina Nowack, die die Grundschule in Schweinitz leitet, die kommissarische Leitung der Grundschule Seyda wegen der Doppelbelastung am 1. April 2019 niedergelegt hat, stößt bei den Eltern in Seyda auf großes Verständnis, macht die Sache aber noch komplizierter. 

„Nach den Winterferien kam eine neue Lehrerin, die aber nur befristet bis Schuljahresende eingestellt wurde“, berichtet Siegel. „Wir waren volle Hoffnung, aber diese Lehrerin hatte von sich aus gekündigt und wechselte zum 1. Juni nach Brandenburg in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.“ Dass sich die junge Lehrerin damit beruflich verbessert, könne ihr niemand übel nehmen, es stelle sich aber die Frage, warum angesichts des gravierenden Lehrermangels in Sachsen-Anhalt das Land jungen Pädagogen keine Perspektiven biete. 

Immer wieder sind die Eltern beim Landesschulamt vorstellig geworden, um Verbesserungen für ihre Schule zu erreichen. So erklärte sich eine pädagogische Mitarbeiterin, die studierte Lehrerin ist, bereit, wieder als Lehrerin zu arbeiten. „Dreimal wurde dies vom Landesschulamt abgelehnt“, wundern sich Siegel und Groitzsch. „Erst nachdem wir richtig Druck gemacht haben, darf sie seit Dezember 2018 als Lehrerin arbeiten.“ 

Seit dem 1. April 2019 hat die Grundschule Seyda auch eine neue pädagogische Mitarbeiterin und mit Beginn des neuen Schuljahres 2019/20 soll ein neuer Lehrer eingesetzt werden, der sowohl in Seyda als auch in Jessen unterrichtet. „Wir hoffen, dass die für lange Zeit erkrankte Klassenlehrerin der bisherigen zweiten Klasse nach den Ferien wieder gesund ist und unterrichten kann“, so Seidel, „dann hätte die Grundschule Seyda mit ihren 71 Schülern wieder vier Lehrer.“

Die Schulleitung ist nach wie vor vakant und wird so gut es geht von Gabriele Bösel, Referentin Grund- und Förderschulen Bereich Süd in Dessau, vertreten. „Wir danken der Vertretungslehrern für ihr Engagement und wird danken Gabriele Bösel, die sich sehr für uns eingesetzt hat und wir danken auch Bürgermeister Michael Jahn, der immer wieder beim Kultusministerium und beim Landesschulamt vorstellig wurde“, betonen Siegel und Groitzsch, „und wir hoffen, dass im neuen Schuljahr das Grundrecht auf Bildung im Interesse unserer Kinder erfüllt wird."





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