Das Werk „Maria als Fürbitterin“ aus dem Museum in Chieti wird im Augusteum aufgehängt, links Kuratorin Dr. Katja Schneider. Foto: Wolfgang Gorsboth

Das Werk „Maria als Fürbitterin“ aus dem Museum in Chieti wird im Augusteum aufgehängt, links Kuratorin Dr. Katja Schneider. Foto: Wolfgang Gorsboth

25.06.2019

Kostbares Kunstwerk aus Italien zeigt „Maria als Fürbitterin“

Viel Lob für die Marienausstellung im Augusteum

Wittenberg (wg). Die bereits viel gelobte Sonderausstellung „Maria zwischen den Konfessionen“ ist noch bis zum 18. August im Augusteum zu sehen - inklusive dem hinzugekommenen Highlight „Madonna del Suffragio“ („Maria als Fürbitterin“) aus Chieti, einer kleinen Universitätsstadt in den Abruzzen. Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, hat zur „Halbzeit" der Ausstellung ein positives Fazit gezogen. 

„Die ‚Madonna del Suffragio‘ ist das ‚katholischste’ Bild dieser Ausstellung“, erläutert Rhein, „theologisch ist das Werk von der protestantischen Auffassung zur Gottesmutter ebenso weit entfernt wie räumlich von der Lutherstadt.“ Mit 1.500 Kilometern hatte dieses Exponat von den 110 gezeigten Kunstwerken die weiteste Anreise.

Außerhalb Italiens war dieses Bild bislang nur in Krakau 2016 im Rahmen einer vom Vatikan patronierten Marien-Ausstellung zu sehen, in Deutschland wird es zum ersten Mal gezeigt, die Abbildung im Ausstellungskatalog ist die erste farbige überhaupt. Das auf 1498 datierte Gemälde eines anonymen, aus Mittelitalien stammenden Künstlers, hing ursprünglich in einem Karmeliterkloster. 

Es zeigt eine höchst ungewöhnliche Darstellung, die im 15. und 16. Jahrhundert in Mittelitalien weit verbreitet war: Maria steht erhaben in einer kargen, dürren und felsigen Landschaft. Auf ihrem rechten Arm trägt sie das Jesuskind, während sie mit der linken Hand an ihre entblößten Brüste fasst: Aus ihnen ergießen sich in weiten Bögen Milchstrahlen, jeder einzelne labt eine von vielen nackten Seelen, die im Fegefeuer schmoren und die Gottesmutter um Hilfe und Erlösung anflehen. 

In der spätmittelalterlichen Vorstellung gelangten die Seelen der Verstorbenen ins Fegefeuer, um dort ihre Sünden abzubüßen. Die im katholischen Glauben gelebte Frömmigkeit stellte in Aussicht, dass Maria, die selbst ohne Sünde war, die Qualen der Sünder mit der Spende ihrer Milch, mit der sie den Gottessohn genährt hatte, lindern könne. 

Die Gottesmutter wird hier zur unmittelbaren Wohltäterin und Trösterin, fast zur Erlöserin. 

Diesem Marienkult erteilte Luther einst eine klare Absage, da „der wahre Glaube" allein auf Christus ausgerichtet sei. „Aber ich mag Marias Brüste noch Milch nicht; sie hat mich nicht erlöset, noch selig gemacht“, soll Luther gesagt haben, außerdem hat die Reformation die Vorstellung vom Fegefeuer als einem Ort, an dem die Seelen der Verstorbenen geläutert werden, verworfen. 

Der katholische Theologe Johann Heinrich Oswald lehrte noch 1850 in der „Dogmatischen Mariologie“ , dass ein Tropfen von Marias Milch das Fegefeuer auslöschen könne. 

Die Milchspende erleuchtet den Heiligen 

Ein weiteres Bild aus den nördlichen Niederlanden, zeigt die Milchspende der Madonna an Bernard von Clairvaux – ein Milchstrahl trifft die Augen des Heiligen und erleuchtet ihn. 

Bei den Brunnen einiger Wallfahrtsorte wird das heilende Wasser durch die Brüste einer Marienfigur geleitet und damit symbolisch zur Milch der Gottesmutter. 

Für die mittelalterliche Frömmigkeit war die Gleichsetzung von Marias Milch mit dem Blut Christi naheliegend. Weil der Betende ein bildliches Gegenüber brauchte, entwickelte sich eine sehr dominante Marienfrömmigkeit. In einigen Bildern, die ebenfalls in der Exposition zu sehen sind, avanciert die Muttergottes zur Himmelskönigin, wie in dem Bild von Bernhard Strigel (um 1520): Hier ist Maria mit Krone, Zepter und Sphärenkugel ausgestattet, ihr zu Füßen der Hofstaat.

Fachpresse lobt die Sonderausstellung

„Auch von der Fachpresse wurde unsere Sonderausstellung sehr gelobt“, freut sich Rhein, „und der von der Kuratorin Dr. Katja Schneider herausgegebene Katalog ist inzwischen zum Standardwerk für die Marienfrömmigkeit im 16. Jahrhundert avanciert.“ Fachleute hätten vor allem den Mut gelobt, eine ökumenisch ausgerichtete Marienausstellung im protestantischen Wittenberg zu zeigen.

Der Stiftungsdirektor zieht ein positives Zwischenresümee: „Es ist uns gelungen, Türen zu öffnen und neue Besucherschichten zu gewinnen.“ Das treffe besonders auf katholische Besuchergruppen zu. Unlängst soll ein Pfarrer in den Altbundesländern in seiner Predigt sogar auf die Ausstellung in Wittenberg ausdrücklich aufmerksam gemacht haben. 

Hinweis 

Die schöne Maria aus Italien kann zusammen mit anderen kostbaren Gemälden, Schnitzplastiken und Handschriften noch bis zum 18. August 2019 im Augusteum besichtigt werden. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18 Uhr, donnerstags von 9 bis 20 Uhr. Der 288 Seiten umfassende Ausstellungskatalog mit 175 farbigen Abbildungen kostet 29,95 Euro.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: