Das Streichelgehege mit den Ziegen ist derzeit für Besucher gesperrt, die dominante Chefin geht bei zu aufdringlichem Publikum bisweilen zum Angriff über. Foto: Wolfgang Gorsboth

Das Streichelgehege mit den Ziegen ist derzeit für Besucher gesperrt, die dominante Chefin geht bei zu aufdringlichem Publikum bisweilen zum Angriff über. Foto: Wolfgang Gorsboth

21.06.2019

Gehege im Tierpark muss mit Acrylglas gesichert werden

Tierquälerei: Besucher füttern Totenkopfäffchen mit Kaugummi

Wittenberg (wg). „Weil leider einige Besucher unverbesserlich sind, müssen wir das gleich am Eingang gelegene Gehege der Totenkopf-Äffchen mit Acrylglas absichern“, erklärt Tierparkchef Mario Lindemann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Obwohl dort Schilder mit dem eindeutigen Hinweis „Füttern verboten!“ hängen, halten sich nicht alle Besucher daran mit fatalen Folgen für die Gesundheit der Tiere.

„Einige Tiere haben stark abgenommen, andere mussten zwecks Untersuchung und Behandlung betäubt und eingefangen werden, was für die Äffchen unnötigen Stress bedeutet“, ärgert sich Lindemann. In den Mägen der Tiere habe man Popcorn, Schokolade und sogar Kaugummi gefunden: „Das ist mit Unvernunft nicht mehr zu erklären, sondern hier sind Tierquäler am Werk, als Zoo müssen wir unsere Tiere schützen.“ 

Der Wittenberger Tierpark sei sehr besucheraffin und aufgrund der kleinen Fläche gebe es eine große Nähe zwischen Besuchern und Tieren, aber einige Gäste interpretierten dies offenkundig falsch. Vorübergehend hat auch das Streichelgehege mit den Ziegen geschlossen, allerdings aus einem anderen Grund: „Wir haben dort eine sehr dominante Chefin, ein kräftiges Tier, welches eifersüchtig wird, wenn Kinder das Jungtier füttern wollen.“ Da geht die Ziege auch schon mal zum Angriff über und schupst die Kinder um. Gestreichelt werden können die Ziegen aber weiterhin – durch den Zaun. 

Nachwuchs im Tierpark 

Gut eingelebt hat sich Paul aus dem Tierpark Berlin. Der Schweinsaffe kam für den im März verstorbenen Charly, der wiederum den Tod des Weibchens Pimpinella nicht verkraftet hatte. Das älteste Tier im Gehege, die 1992 geborene Pia, hopst immer noch fidel im Gehege herum und hat nun einen neuen, kastrierten Partner, denn Nachwuchsstress will man der betagten Pia nicht mehr zumuten. 

Bei den anderen Affenarten waren die Nachzuchten in diesem Jahr erfolgreich, der kleine Wittenberger Tierpark beteiligt sich mit ihnen am Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm (EEP). „Wir haben erst in diesem Jahr ein neues Pärchen Lisztäffchen zusammengestellt und es hat sofort funktioniert“, freut sich Lindemann. Nachwuchs gab es bei den Springtamarinen und den Kattas und auch beim neu zusammengestellten Pärchen der Rotbauchtamarine ist Lindemann optimistisch, dass sich noch Nachwuchs einstellt. 

Bei den Kaiserschnurrbart-Tamarinen hat der Tierpark vom Magdeburger Zoo ein Weibchen bekommen: „Eine sehr wertvolle und vom Aussterben bedrohte Art, auch hier hoffen wir auf Nachwuchs“, so Lindemann. Auch mit dem Europäischen Nerz nimmt der Tierpark seit vielen Jahren erfolgreich am Zuchtprogramm teil, ob das trächtige Weibchen bereits Nachwuchs bekommen hat, wird sich erst zeigen, wenn die Jungen die Höhe verlassen. Die Tiere werden später ausgewildert. 

Als im vergangenen Jahr der Westnilvirus vor allem weibliche Bartkäuze wegraffte, war auch der Wittenberger Tierpark betroffen, das Männchen überlebte „Es ist derzeit kaum möglich, Bartkäuzchen-Weibchen zu bekommen“, bedauert der Tierparkchef. Das Uhu-Weibchen brütet seit drei Jahren ihr Gelege nicht mehr aus, so dass es auch hier keinen Nachwuchs gibt. 

Mit zehn Erdmännchen, den Publikumsmagneten im Tierpark, hat das Gehege einen optimalen Besatz gefunden, so dass sich die Tiere nicht mehr vermehren. „Die Gruppe funktioniert hervorragend, es gibt keine Aggressivität, keinen Stress“, sagt Lindemann, „für Nachwuchs müsste man die Gruppe umsetzen, das macht aber keinen Sinn.“ 

Neue Volieren und Bienenstöcke 

„15 Jahre lang haben wir investiert und Neuheiten präsentiert, aufgrund der geringen Fläche des Tierparks ist jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht“, betont Lindemann. Man investiere jetzt in Erhalt und Modernisierung wie in den Neubau der Volieren für Enten und Pfauen, die nach der Vorplanung im vergangenen Jahr und vorbehaltlich der Bewilligung von Fördermitten von Lotto und Toto in diesem Jahr realisiert werden sollen. Die Volieren werden im asiatischen Stil gestaltet und bekommen eine sich selbstreinigende Teichanlage mit Felssteinen.

In Kooperation mit einem Imker aus Zerbst sollen als neue Attraktion im Tierpark Bienenstöcke hinter dem Krallenaffenhaus aufgestellt werden. „Wir wollen damit auf das Problem des Insektensterbens aufmerksam machen und gleichzeitig auf die Bedeutung der Bienen hinweisen“, so Lindemann. Für Schulklassen werde es Führungen geben.

Hinweis

Der Tierpark hat in den Sommermonaten von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. Wer möchte, kann eine Tierpatenschaft übernehmen, als bislang letztes Tier konnte ein Borstenhörnchen vermittelt werden. Die beliebten Erdmännchen sind alle vergeben, doch bei einigen Krallenaffenarten, bei den Klippschliefern und den Borstenhörnchen können noch Tiere verpatet werden.




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