Umweltgottesdienst in Deutzen 1988. Foto: Veranstalter

Umweltgottesdienst in Deutzen 1988. Foto: Veranstalter

19.06.2019

Wanderausstellung zur verfehlten Umweltpolitik der DDR

Zwischen Hoffnung und Bespitzelung

Bad Schmiedeberg (WiSo). Die neue zeitgeschichtliche Wanderausstellung „Unsere Zukunft hat schon begonnen. Das christliche Umweltseminar Rötha ab 1981“ ist bis zum 18. August in der Evangelischen Stadtkirche von Bad Schmiedeberg zu sehen. Sie zeigt die verfehlte Umweltpolitik und die massive Zerstörung des Lebensraumes der DDR. Geöffnet ist die Schau dienstags und donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr. 

Am Beispiel der Braunkohleregion im Leipziger Südraum wird das Entstehen zivilgesellschaftlichen Engagements und Widerspruchs unter den Bedingungen der SED-Diktatur nachgezeichnet. Dieser jahrelange Protest des Christlichen Umweltseminars Rötha mündet nach der Friedlichen Revolution 1989 in ein wirtschaftliches, soziales und kulturelles Zukunftskonzept für eine geschundene Region. 

Die Wanderausstellung stellt zunächst die verfehlte Umweltpolitik durch die SED dar. Die wirtschaftlichen Prämissen der Staatspartei zu Gunsten der industriellen Produktion und der Devisenbeschaffung führten zur massiven Zerstörung des Lebensraumes, Umweltdaten unterlagen einer großen Geheimhaltung. 

Ab Ende der 1970er-Jahre gründeten sich erste Umweltgruppen in der DDR und ihre Anzahl nahm im Laufe der 1980er-Jahre stetig zu. Die Ausstellung zeigt deren Form der Informationsgewinnung und das öffentlichkeitswirksame Agieren, wie Protestmärsche oder das Herstellen von ökologischen Untergrundzeitschriften. Thematisiert wird auch die Repressionsgeschichte der Umweltgruppen durch SED und Staatssicherheit. 

Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Christlichen Umweltseminars Rötha (CUR) in der Braunkohleregion des Leipziger Südraums. Das Gebiet war vom Kohletagebau, der Braunkohle- und Karbolchemie geprägt, was zu massiven Umweltschäden führte. Ab dem Jahr 1981 begann das CUR mit Baumpflanzaktionen, Informationsabenden und umweltbezogenen Gottesdiensten. Die ab 1983 jährlich stattfindenden Umweltgottesdienste entwickelten sich zu öffentlichkeitswirksamen Treffen. 

Mit der Protest-Aktion „Eine Mark für Espenhain“ im Jahr 1988 erreichte das CUR eine unerwartete Resonanz. Mit 100.000 Unterstützern entwickelte sich diese Unterschriften- und Geldsammlung zur ersten und einzigen Bürgerinitiative in der DDR. 

Nach der Deutschen Einheit steht der Wandel des Leipziger Südraums von einer Industrieregion zu einem zukunftsorientierten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Raum im Zentrum der Arbeit des CUR. In diesem Sinne zeigt die Ausstellung auch die in der Öffentlichkeit oft unbeachtete, erfolgreiche Transformationsgeschichte Ostdeutschlands auf. 

Anhand von sechs Biografien werden auf persönlicher Ebene die Intentionen, die Aktivitäten, die Erfahrungen, aber auch die Bespitzelung durch die Staatssicherheit dokumentiert. Persönliche Fotos und Dokumente sowie Zitate zeigen die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Einen vertiefenden Einblick vermittelt die Medienstation, in der Zeitzeugen ihre Geschichten erzählen. 

Multimediale Buchvorstellung

Im Rahmen der Wanderausstellung gestaltet das Autorenehepaar Annette Hildebrandt, Tochter der unvergessenen Regine Hildebrandt, und Lothar Tautz, am Montag, dem 24. Juni, um 19.30 Uhr einen multimedialen Abend mit Videos, Fotos, Live-Musik unter anderem von Renft zur Vorstellung ihres Zeitzeugenbuches „Protestanten in Zeiten des Kalten Krieges. Der Wittenberger Kirchentag zum Lutherjubiläum 1983 im Fokus der Staatssicherheit“. Dabei spielt auch das ehemalige „Karl-Marx-Lager“ in Bad Schmiedeberg eine nicht unwichtige Rolle. 

Der multimediale Abend findet je nach Resonanz in der Stadtkirche oder im Gemeindehaus statt. Das Buch kann zum Sonderpreis von fünf Euro erworben und natürlich auch signiert werden. Der Eintritt zur Ausstellung und zum Gesprächsabend ist frei, um eine Spende zur Deckung der Kosten wird freundlich gebeten.




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