Siegrun Höhne übernimmt am Juli die „Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – Kirchliches Forschungsheim seit 1927“. Foto: Archiv / Wolfgang Gorsboth

Siegrun Höhne übernimmt am Juli die „Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – Kirchliches Forschungsheim seit 1927“. Foto: Archiv / Wolfgang Gorsboth

17.06.2019

Siegrun Höhne übernimmt die Studienstelle in Tradition des KFH

Naturwissenschaft, Ethik, Bewahrung der Schöpfung: Was ist möglich?

Wittenberg (wg). „Digitalisierung und Gentechnik werden kontrovers diskutiert, für die einen handelt es sich um Risiko-Technologien, für die anderen überwiegen die mit dem Fortschritt verbundenen Chancen“, erklärt Siegrun Höhne im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die Diplom-Agraringenieurin ist Studienleiterin an der Evangelischen Akademie sowie Beauftragte für Kirchlichen Dienst auf dem Lande und Umweltmanagement. Ab Juli übernimmt sie auch die „Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – Kirchliches Forschungsheim seit 1927“, die bislang von Akademie-Direktor Friedrich Kramer geleitet wurde.

 Fortschritte und Entwicklungen in Medizin, Naturwissenschaften und Technologie werfen immer wieder die Fragen auf: Was ist möglich und was ist verantwortbar? „Wir wollen in der Tradition des Kirchlichen Forschungsheimes (KFH) aktuelle Themen aufgreifen und die damit verbundenen ethischen Fragestellungen vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens und der Wertepluralität der Gesellschaft reflektieren“, berichtet Höhne. 

Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie

Es gehe darum, die Tradition des KFH für die Zukunft aufzustellen und Schwerpunkte zu definieren. Der Grundgedanke der 1927 in Wittenberg von Otto Kleinschmidt (1870-1954) gegründeten Institution, nämlich einen Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie zu führen, soll wieder in den Vordergrund gestellt werden. „Was kann eine religiös fundierte Ethik mit Blick auf aktuelle Entwicklungen wie Gentechnik und Digitalisierung leisten?“, fragt Höhne, „wir wollen Orientierung bieten und praxistaugliche Empfehlungen geben.“ 

Letztere konnten bereits zu Streitthemen in der Landwirtschaft entwickelt werden, indem Landwirte, Vertreter des Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzes sowie der Behörden zu Gesprächen auf Augenhöhe eingeladen wurden. Fragen des Tierwohls seien den Bauern ebenso wenig gleichgültig wie der Artenschwund infolge von Monokulturen und des Einsatzes von Pestiziden. 

„Die Landwirte stehen unter enormen finanziellen Druck seitens des Handels und einer fehlgeleiteten Agrarförderung der EU“, sagt Höhne, „deshalb müssen wir das Freund-Feind-Schema aufbrechen und neue Allianzen schließen.“ So sei der Arbeitskreis „Landwirtschaft und Umwelt“, der an die Inhalte des gleichnamigen bis zur Wende im Forschungsheim agierenden Arbeitskreises anknüpft, bestrebt, eigene Positionen zur Rolle der Landwirtschaft einzubringen. 

Ab 1975 rückten im KFH unter der Leitung des damaligen Pfarrers Hans-Peter Gensichen Umweltthemen in den Mittelpunkt, auch diese Tradition will die Studienstelle fortführen und eigene Projekte entwickeln wie zum Beispiel Klimaschutz in Kirchengemeinden. Dazu gehören auch Themen wie die Energiewende, Klimawandel und Klimaschutz, ökologisches Bauen und die Frage, wie die Kirche mit ihrem eigenen Grund und Boden umgeht, denn Eigentum verpflichtet. 

Der Fläming blüht auf

Den Verein Naturpark Fläming will man bei dem Projekt „Der Fläming blüht auf“ unterstützen, dabei sollen Blühwiesen und Blühstreifen geschaffen werden, um das Nahrungsangebot für bestäubende Insekten in der Kulturlandschaft zu verbessern. „Dazu gibt es im September eine gemeinsame Tagung des Naturparks und der Evangelischen Akademie“, so Höhne, „bei der wir Landschaftspfleger und Landwirte einbeziehen wollen.“ 

Medizin und Ethik werden einen weiteren Schwerpunkt in Kooperation mit regionalen Einrichtungen und Institutionen bilden. Neu gegründet hat sich innerhalb der Studienstelle der Arbeitskreis „Ganzheitliches Welt- und Menschenbild“, die im September die Tagung „Das Licht geht wieder an! – Quanten-Ontologie, Spiritualität, Transzendenz“ organisiert. Anhand der Quantentheorie soll gezeigt werden, wie sich Glauben und Denken, Theologie und Naturwissenschaften gegenseitig befruchten können. 

Auch die „Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde“, die 1980 erstmals vom KFH herausgegeben wurden, werden weiterhin viermal im Jahr als Printmedium der Studienstelle erschienen, wobei Siegrun Höhne von Jörg Göpfert, Studienleiter Umwelt und Soziales, unterstützt wird. Die „Briefe“ spiegeln die Themenschwerpunkte der Studienstelle wider.

Das KFH 

Das Kirchliche Forschungsheim (KFH) wurde 1927 von Otto Kleinschmidt in der Lutherstadt gegründet, damals hieß es „Forschungsheim für Weltanschauungskunde“. Kleinschmidt war Leiter der Einrichtung , Theologe und Zoologe, Publizist und Dozent am Evangelischen Predigerseminar. Aufgabe des Instituts war es, einen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften zu führen. Später erfolgte die Umbenennung in „Kirchliches Forschungsheim“ und 1961 der Umzug aus dem Schloss an den Standort zwischen Lutherhaus und Hauptpost. 

2004 wurde das KFH in die Struktur der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt integriert und seit 2011 trägt die Einrichtung den Namen „Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – Kirchliches Forschungsheim seit 1927“. Siegrun Höhne arbeitete von 1999 bis 2003 im KFH, dort war sie unter anderem für das Projekt „Biotopverbund auf Kirchenland“ verantwortlich, einem Begleitprogramm zur Expo 2000, Wittenberg war damals Korrespondenzstandort.





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