Amtsarzt Dr. Michael Hable zeigt auf das Poster, das über die offene impf- und reisemedizinische Sprechstunde im Gesundheitsamt informiert. Foto: Wolfgang Gorsboth

Amtsarzt Dr. Michael Hable zeigt auf das Poster, das über die offene impf- und reisemedizinische Sprechstunde im Gesundheitsamt informiert. Foto: Wolfgang Gorsboth

17.06.2019

Amtsarzt Dr. Michael Hable: Vorbeugen ist besser als Heilen

Wunsch: Gesund zurück von der Fernreise

Wittenberg (wg). Sommer, Sonne, Reisen – ob der Badeurlaub unter Palmen auf einer karibischen Insel oder als Rucksacktourist durch Indien: Die Vorfreude auf Urlaub, neue Eindrücke und Erlebnisse wiegt oft schwerer, als der Gedanke an erhöhte Erkrankungsrisiken, die aus dem Vorkommen spezifischer Krankheitserreger, oftmals niedrigeren hygienischen Standards sowie veränderten klimatischen Bedingungen erwachsen. 

„Vorbeugen ist besser als Heilen, nirgendwo gilt dieses Motto mehr als bei Fernreisen“, betont Amtsarzt Dr. Michael Hable, Leiter des Fachdienstes Gesundheit, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „deshalb bieten wir eine impf- und reisemedizinische Beratung im Gesundheitsamt Wittenberg an.“ Diese Sprechstunde steht für alle reise-, arbeits- und individualmedizinisch begründeten Impfanliegen offen mit dem Ziel, soweit wie möglich Infektionskrankheiten zu verhindern und die sogenannte Herdenimmunität zu verbessern. 

Die Ärztinnen und Ärzte des Fachdienstes Gesundheit sind speziell für die reisemedizinische Beratung ausgebildet, dank der guten Expertise schicken viele niedergelassene Ärzte ihre Patienten ins Gesundheitsamt. Die impf- und reisemedizinische Sprechstunde wird jährlich von mehr als 1.000 Personen genutzt, davon entfallen 80 Prozent auf Reiseberatung, 15 Prozent auf Standard- und fünf Prozent auf arbeitsmedizinische Impfberatungen. 

„Wir können alle gängigen Impfungen einschließlich Gelbfieber durchführen“, erklärt Dr. Hable. Grundsätzlich empfohlen werde ein Impfschutz für: 

* Diphtherie - weltweites Risiko, bakterielle Infektion. Für einen Impfschutz sind zwei Injektionen im Abstand von vier bis acht Wochen nötig. Eine dritte Injektion verlängert den Schutz auf zehn Jahre. 

* Hepatitis A - infektiöse Gelbsucht, hohes Risiko durch Übertragung durch Trinkwasser und Nahrung in Gebieten mit mangelhafter Hygiene. Der Schutz der Impfung mit einer Injektion beginnt nach ein bis zwei Wochen und hält nach eine Auffrischung mehr als zehn Jahre vor. 

* Poliomyelitis - Kinderlähmung, in Ländern Afrikas und Asiens ist der Polio-Virus noch aktiv. Die Infektion erfolgt meist über Nahrungsmittel und Trinkwasser, eine Auffrischung des Impfschutzes ist deshalb empfehlenswert. 

* Tetanus – Tetanus-Sporen gibt es weltweit, über verschmutzte Wunden können sie den gefürchteten Wundstarrkrampf auslösen, selbst bei Bagatellverletzungen, die auf jeder Reise auftreten können. Alle zehn Jahre sollte die Impfung aufgefrischt werden – am besten mit dem Kombi-Impfstoff, der auch gegen Diphtherie schützt. 

* Typhus – die mit Fieber einhergehende Erkrankung kommt weltweit in hygienisch mangelhaft versorgten Regionen vor. Die Übertragung durch Nahrung und Trinkwasser kann durch entsprechende Hygienemaßnahmen verhindert werden. Eine Impfung bietet zusätzlichen Schutz, der allerdings nicht hundertprozentig ist. 

* Masern – virale Infektionskrankheit, die in einigen Teilen der Welt auf dem Vormarsch ist. Auf Madagaskar sind seit Ausbruch der Infektion im September 2018 mehr als 1.200 Menschen an der Krankheit verstorben. „Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine einmalige Masern-Impfung für alle nach 1970 geborenen Personen mit unklarem Impfstatus, vorzugsweise mit dem Kombi-Impfstoff Mumps, Masern, Röteln“, so Dr. Hable. 

Gelbfieber und Malaria 

Das Wittenberger Gesundheitsamt ist eine staatlich autorisierte Gelbfieber-Impfstelle, nur diese dürfen entsprechende Injektionen durchführen, die im Internationalen Impfausweis zu dokumentieren sind. „Da Gelbfieber-Erkrankungen plötzlich und nicht vorhersehbar in den Infektionsgebieten in Afrika sowie Mittel- und Südamerika auftreten können, wird die Impfung aus medizinischen Gründen bei allen Aufenthalten in Gelbfiebergebieten empfohlen“, erläutert der Amtsarzt.

Die durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung kann nicht ursächlich behandelt werden, nur die Symptome. 2018 erkrankten drei ungeimpfte Brasilienreisende aus Deutschland, einer verstarb, weltweit gibt es jährlich bis zu 60.000 Todesfälle. „In einigen Ländern ist die Impfung Voraussetzung für die Einreise“, so Hable, „diese Impfung muss mindestens zehn Tage vorher erfolgen, sonst wird sie nicht anerkannt.“ 

Auf dem Vormarsch ist das Dengue-Fieber, das in mehr als 100 Ländern in Afrika, Amerika, Südostasien und im Pazifik anzutreffen ist, weltweit erkranken pro Jahr circa 100 Millionen Menschen. „Gegen Dengue-Fieber gibt es keinen Impfstoff, wir raten Reisenden, sich durch Repellents und durch entsprechende Kleidung zu schützen.“ Wer einmal infiziert wurde, sollte künftig betroffene Länder meiden, denn eine zweite Infektion kann tödlich enden. Gegen Malaria helfen konsequenter Mückenschutz durch Moskitonetze, Repellents und körperbedeckende Kleidung sowie Anti-Malaria-Medikamente. 

Vor allem bei Abenteuerreisen und Langzeitaufenthalten in Ländern wie Indien, Bangladesch, Nepal sowie in Ländern des tropischen Afrikas empfiehlt sich eine Tollwut-Impfung, an dem Virus sterben weltweit circa 60.000 Menschen pro Jahr. „Nicht zuletzt sollte über eine Grippeschutzimpfung nachgedacht werden, denn wer im Sommer Urlaub auf der Südhalbkugel macht, reist in den Winter“, rät Hable. 

Hinweis

Impfberatungen sind kostenlos, die Impfungen werden zum Selbstkostenpreis inklusive Pauschale für Arbeitszeit und Material durchgeführt. Impfausweise sind ebenso mitzubringen wie eine Liste der Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, um eventuelle Wechselwirkungen mit Impfstoffen erkennen zu können. Auch sollte der Arzt über Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Immunschwäche oder Rheuma informiert werden. 

Die impf- und reisemedizinische Sprechstunde im Gesundheitsamt hat Dienstag von 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr sowie Donnerstag von 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr geöffnet, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: