Der Kleine Fuchs ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter, der rund 200 verschiedene Nektarpflanzen aufsucht, er gehört zu den „Kernarten“ im August. Foto: NABU/Helge May

Der Kleine Fuchs ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter, der rund 200 verschiedene Nektarpflanzen aufsucht, er gehört zu den „Kernarten“ im August. Foto: NABU/Helge May

30.05.2019

Insektensterben könnte zum Kollaps der Ökosysteme führen

Naturschutzbund: Insekten besser schützen!

Wittenberg (wg). Auf den Wiesen ist es still geworden, kaum noch ein Summen und Brummen. „Innerhalb von 30 Jahren hat sich, wie Studien zeigen, die Biomasse der Insekten um 75 Prozent verringert“, erklärt Jürgen Berg, Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 90 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen seien aber von Insekten als Bestäubern abhängig, deshalb habe das Insektensterben dramatische Konsequenzen für die Artenvielfalt und für den Menschen. 

Ehrenamtlich im Naturschutz arbeitende Entomologen haben von 1989 an deutschlandweit Daten gesammelt mit dem erschreckenden Ergebnis, dass das gesamte Offenland von Biomasseverlusten bei Fluginsekten betroffen ist. „Insekten sind für das Gleichgewicht aller Ökosysteme weltweit unentbehrlich“, betont Berg, deshalb starte der NABU erstmals unter dem Motto „Insektensommer“ eine bundesweite Aktion mit dem Ziel, eine kontinuierliche Insekten-Erfassung zu etablieren.

„Durch die Intensivierung der Landwirtschaft mit immer größeren Flächen an Monokulturen geht den Insekten Lebensraum und Nahrung verloren“, erläutert Berg. „Wenn der Raps verblüht ist, blüht in vielen Regionen nichts mehr, Maisfelder sind für Insekten wie grüne Wüsten. Aber auch umgepflügte Wegränder und gespritzte Äcker bieten keine Nahrung, ebenso Vorgärten, die in Steinwüsten verwandelt wurden.“ Weitere Ursachen seien Grünlandumbruch, Stickstoffeintrag, Einsatz von Insektiziden und Herbiziden sowie der Wegfall der Beweidung wie zum Beispiel in Teilen der Elbaue. 

Die Leistung der Insekten als Bestäuber von Kulturpflanzen werde, so Berg, weltweit auf mehr als 400 Milliarden Euro geschätzt. Dabei gehe es nicht nur um die Honigbiene, sondern vor allem um Wildbienen wie Hummeln oder Solitärbienen. Mangels natürlicher Bestäuber müssen in einigen Regionen Chinas Obstbäume mühselig von Hand bestäubt werden: „Um auf die Leistung eines einzigen Bienenvolkes zu kommen, müsste man 1.600 Arbeiter einsetzen“, sagt Berg. 

Das Insektensterben betreffe nicht mehr nur seltene bzw. spezialisierte Arten, sondern längst auch häufige und weit verbreitete Arten. Circa 40 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Tagfalter werden auf der roten Liste als gefährdet oder ausgestorben eingestuft. Wo die Insekten sterben, verstummen auch die Vögel. „Mit Sicherheit sind die Einbußen auf den Rückgang der Insektenfauna zurückzuführen“, erläutert Berg.

Der NABU fordert angesichts der alarmierenden Daten, bundesweit möglichst schnell ein dauerhaftes und flächendeckendes Insektenmonitoring aufzubauen. Auch dürften Insektizide erst dann zugelassen werden, wenn nachgewiesen ist, dass diese Stoffe keine schädigenden Auswirkungen auf die Ökosysteme haben. Ebenso wichtig sei es, den ökologischen Landbau weiter auszubauen. 

Insektensommer

Die Meldeaktion vom 31. Mai bis 9. Juni und vom 2. bis 11. August ist die erste Zählung dieser Art, um Daten zur Artenvielfalt und zur Häufigkeit der Insekten zu sammeln. „Am besten eignen sich sonnige, warme, trockene und windstille Tage“, berichtet Berg. Erfasst werden die Insekten an einem begrenzten Beobachtungsort mit einem Radius von circa zehn Metern, wer Lust hat, kann an mehreren Orten beobachten, muss dafür aber jedes Mal eine separate Meldung abgeben. 

Anders als bei der „Stunde der Gartenvögel“ kann beim Insektensommer“ nicht nur im Siedlungsraum, sondern überall beobachtet werden. Im Meldeformular wird dem jeweiligen Beobachtungsort eine Kategorie wie Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich oder Bach zugeordnet.  

Es kann jedes gesehene und erkannte Insekt gemeldet werden, weil die Vielfalt aber enorm ist, gibt der NABU acht „Kernarten“ vor, nach denen die Teilnehmer auf jeden Fall suchen sollen: Im Juni sind dies Tagpfauenauge, Admiral, Asiatischer Marienkäfer, Hainschwebfliege, Steinhummel, Lederwanze, Blutzikade und Gemeine Florfliege, im August Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugraue Mosaiklibelle und Grünes Heupferd. 

Die Ergebnisse der Beobachtungen können online oder mit der kostenlosen NABU-App „Insektenwelt“ gemeldet werden. Ein Meldeformular kann von der Homepage des NABU (www.nabu.de) herunter geladen werden. Dort gibt es auch Download-Infos wie Arten-Porträts, Bestimmung per Foto und Zählhilfe. 

Neuerscheinung

Zusammen mit Uwe Zuppke hat Jürgen Berg ein Buch zum Thema „Die Lurche und Kriechtiere der Region Wittenberg“ geschrieben. Das 238 Seiten umfassende und mit vielen Abbildungen ausgestattete Buch kann im Buchhandel zum Preis von 19.90 Euro bestellt werden, ISBN: 978-3-7494-3037-6.





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