Kurdirektor Deddo Lehmann am Trinktempel mit dem Kurfürsten- und dem Margarethenbrunnen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Kurdirektor Deddo Lehmann am Trinktempel mit dem Kurfürsten- und dem Margarethenbrunnen. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.05.2019

Vereinbarung zwischen Eisenmoorbad und Ho-Chi-Minh-Stadt

Fachkräftemangel: Kur kooperiert mit Vietnam

Bad Schmiedeberg (wg). Vier Vietnamesen – ein Arzt, eine Physiotherapeutin und zwei Sporttherapeuten – haben ein dreimonatiges Praktikum im Eisenmoorbad absolviert und ihre Zertifikate erhalten. Die nächste Stufe der Kooperation mit dem im Aufbau befindlichen Krankenhaus in Ho-Chi-Minh-Stadt wurde unterzeichnet: 15 junge Vietnamesen werden im Eisenmoorbad ausgebildet und circa fünf Jahre in der Kurstadt arbeiten. 

 „Für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation“, betont Kurdirektor Deddo Lehmann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „wir können so dem Fachkräftemangel entgegen wirken und die Vietnamesen bekommen das Know-how für den Aufbau ihrer Klinik, zu der auch eine Reha-Abteilung gehören wird.“ Man habe trotz der Kürze der Zeit einen guten Draht zu den vietnamesischen Partnern gefunden, die vier Praktikanten seien menschlich sehr angenehme und verlässliche Kollegen gewesen. Das deutsche Gesundheitssystem und die deutsche Medizin genießen in Vietnam hohes Ansehen. 

In einem zweiten Projekt bildet das Eisenmoorbad junge Spanier zu Pflege- und Restaurantfachkräften aus. „Wir warten seit September 2018 darauf, dass das Landesschulamt die Abschlusszeugnisse der Spanier als gleichwertig mit unseren anerkennt“, kritisiert Lehmann, dies sei Voraussetzung, um die Ausbildung beginnen zu können. 

 „Die deutsche Bürokratie ist offenbar nur sehr eingeschränkt in der Lage, die mit der Gewinnung ausländischer Fachkräfte verbundenen Herausforderungen zu lösen“, klagt Lehmann. „Unsere ausländischen Partner freuen sich auf die Kooperation, aber Behördenmitarbeiter, die nicht können oder wollen, legen die Fallstricke.“ Es sei längst nicht mehr fünf vor Zwölf, sondern fünf nach Zwölf: „Wir wollen, aber die deutsche Bürokratie kann nicht, so wird Porzellan zerschlagen, denn unsere Partner in Vietnam und Spanien werden dies nicht akzeptieren!“ 

Mit dem neuen Pflegeberufegesetz, das zum 1. Januar 2020 in Kraft tritt, werde sich die Fachkräfte-Situation für das Eisenmoorbad noch verschärfen: „Die meisten Azubis werden nach der Ausbildung in den Akuthäusern arbeiten, für die Reha bleibt da nicht viel übrig.“ Altenpflege, Krankenhaus und Reha seien drei unterschiedliche Bereiche, in denen es, im Gegensatz zur Intention des neuen Gesetzes, wenig zu generalisieren gäbe. 

Zusätzlich zum Fachkräftemangel stellt der Kostendruck eine große Herausforderung dar – außer den gestiegenen Löhnen sind dies Dienstleistungen Dritter, gleichzeitig sind die Einnahmen nicht auskömmlich. „Unser Problem ist, dass die Reha seit Jahren unterfinanziert ist“, erläutert Lehmann, „weniger als ein Prozent der Gelder der Sozialsysteme wird für Reha und Prävention ausgegeben.“ Aufgrund des demographischen Wandels gelte der Grundsatz Reha vor Rente, nur sei dieser finanziell nicht untersetzt. 

Immer weniger Hausärzte verordnen eine Reha, weil mehr als die Hälfte der Anträge von den Kostenträgern abgelehnt wird. „Früher gab es 25 Prozent Anschlussheilbehandlungen (AHB) und 75 Prozent Vorsorge im Heilverfahren, heute sind es 80 Prozent AHB und nur 20 Prozent Vorsoge. Das System läuft falsch, weil der Präventionsgedanke völlig aus dem Blick geraten ist.“ Im Gegensatz zur mächtigen Pharmaindustrie hätten Reha und Kur keine Lobby. 

Moor und Salz 

Aber es gibt auch Positives aus der Kurstadt zu berichten: „Wir haben Ende 2018 den Fördermittelbescheid für neue Angebote im Kurmittelhaus erhalten“, freut sich Lehmann. Der Eingangsbereich soll neu gestaltet werden und künftig der Ausschank der Heilwässer ganztägig möglich sein. Die Abteilung für Moorbäder und Moorpackungen wird aufgewertet, das Thema „Moor“ erlebbar sein. Baubeginn ist voraussichtlich im August. 

Überdies soll ab Oktober 2019 eine „Salzerlebniswelt“ entstehen (der Wittenberger Sonntag berichtete) mit Salzgrotte und Salztherapieabteilung. Ab 2020 soll nach Klärung einiger denkmalpflegerischer Aspekte der Außenbereich am Schwanenteich aufgewertet werden, dabei entsteht auch ein kleines Gradierschauwerk.

Voll im Zeitplan sind die Arbeiten am „Haus Heideland“: Dort wurde das Schwimmbad demontiert, die 40 Pflegeplätze sollen auf 62 aufgestockt werden. Die Fertigstellung ist für Februar 2020 vorgesehen, investiert werden 2,7 Millionen Euro ohne Fördermittel. Außerdem wurde die medizinische Trainingstherapie für 200.000 Euro erheblich erweitert und komplett mit neuen Geräten ausgestattet. 

„Wir müssen unsere bewährten Säulen erhalten und stetig weiterentwickeln, außerdem in unser Personal investieren, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben“, resümiert Lehmann.




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