Dr. Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte, gewährt einen Einblick in das lebensgeschichtliche Archiv. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte, gewährt einen Einblick in das lebensgeschichtliche Archiv. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.05.2019

Haus der Geschichte interviewt Zeitzeugen

Neues Projekt: 30 Jahre Wende in Wittenberg

Wittenberg (wg). „Lebendige Erinnerungskultur 1989 bis 2019 – Engagiert in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft nach den Erfahrungen der SED-Diktatur“ heißt das neue über „Demokratie Leben“ geförderte Projekt im Haus der Geschichte. Im Ergebnis wird es eine Ausstellung mit Lebensbildern von interviewten Zeitzeugen geben, Workshops mit Jugendlichen und Zeitzeugen sowie die Publizierung der Interviews und der Ausstellung in Buchform.

„Wir wollen zeigen, was in Ostdeutschland seit der Wende geleistet wurde und dass gelebte Demokratie ein dynamischer Prozess aus vielfältigen Erwartungshaltungen ist“, erklärt Dr. Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

„Die Wende markierte nicht nur das Ende einer Diktatur, sie war auch ein Anfang“, sagt Panzig, „der Beginn eines Transformationsprozesses, der alle Bereiche umfasste und ein hohes Maß an fortdauernder Lern- und Anpassungsbereitschaft erforderte.“ 

30 Jahre später will das Haus der Geschichte ein Fazit ziehen und drei Aspekte sichtbar machen: Welche Veränderungen haben sich in Verwaltung, Wirtschaft, Bildungs-, Kultur- und Sozialbereich vollzogen? Welche Berufs- und Alltagserfahrungen haben Menschen aus der Region während des Transformationsprozesses gemacht? Wie haben sich die Menschen unter den Bedingungen einer pluralistischen Gesellschaft kreativ, kritisch und demokratisch eingebracht? 

„Der Systemwechsel ging auf allen Ebenen – Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – mit elementaren Einschnitten und auch heftigen sozialen Verwerfungen einher“, sagt Panzig. Vormals sicher geglaubte Lebensentwürfe waren auf einmal entwertet, viele mussten sich unter unsicheren Rahmenbedingungen neu orientieren.

„Trotz der Freude über den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung bedeutete die Einheit für viele Ostdeutsche eine Stunde Null“, so Panzig. Viele hätten die Arbeit der Treuhand als Betrug an ihren Lebensleistungen empfunden.

Die Demokratie war anders als im Westdeutschland der 1950er Jahre – zunächst – nicht mit einem wirtschaftlichen Aufschwung verbunden gewesen. Dazu werden Zeitzeugen interviewt, darunter auch solche, die bereits Mitte der 1990er Jahre befragt worden sind. 

Diese Interviews sollen, Zustimmung der Befragten vorausgesetzt, ins Archiv „Deutsches Gedächtnis“ aufgenommen werden, ein Projekt des Instituts für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen. „Wir wollen damit Geschichte dauerhaft aufbewahren, ihrer Verklärung entgegenwirken und den Dialog zwischen den Generationen befördern“, betont Panzig. 

Bei der Verklärung gehe es nicht nur um Ostalgie, sondern vielmehr um den Rechtspopulismus, der das Gefühl der Benachteiligung vieler Ostdeutscher instrumentalisiere, um die Demokratie als Ganzes in Frage zu stellen. 

Außerdem kooperiert das Haus der Geschichte mit dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Satjukow und Prof. Dr. Rainer Gries sollen Doktoranden die in den lebensgeschichtlichen Archiven vorhandenen Interviews aufarbeiten und Nachbefragungen durchführen.




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