Augustinus-Vorstand Matthias Monecke vor bunter Blütenpracht in einem der Gewächshäuser. Foto: Wolfgang Gorsboth

Augustinus-Vorstand Matthias Monecke vor bunter Blütenpracht in einem der Gewächshäuser. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.05.2019

Die Pflegekraft der Zukunft soll universeller eingesetzt werden

Neues Pflegeberufegesetz tritt am 1. Januar 2020 in Kraft

Wittenberg (wg). „Gut gemeint, aber in der Ausführung nicht gut gemacht“, beschreibt Matthias Monecke, Vorstand des Augustinuswerkes, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag das neue Pflegeberufegesetz, das ab dem 1. Januar 2020 das Altenpflegegesetz und das Krankenpflegegesetz ablösen wird mit dem Ziel, die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu modernisieren. 

Zwei Jahre lang werden die Azubis gemeinsam ausgebildet und können sich im dritten Lehrjahr entscheiden, ob sie die generalistische Ausbildung fortsetzen oder sich spezialisieren und einen gesonderten Abschluss in der Alten- oder Kinderkrankenpflege machen. Mit dem neuen Gesetz sollen die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten in der Altenpflege, im klinischen Bereich oder in der Kinderkrankenpflege flexibler werden. 

„Dieser Ansatz ist im Prinzip richtig“, so Monecke, denn Pflegekräfte müssten in Altenheimen zunehmend chronisch Kranke versorgen und in den Kliniken immer mehr Ältere und Demenzkranke behandelt werden. „Das Problem aus Sicht der Altenpflege ist, dass sich die Azubis nach dem zweiten Lehrjahr entscheiden müssen“, kritisiert Monecke, „weil es im Klinikbereich ein viel größeres Spektrum der Tätigkeiten und der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten gibt, werden sich wohl viele für diesen Weg entscheiden.“ Für das Augustinuswerk oder vergleichbare Einrichtungen bedeutet dies: Sie haben zwei Jahre eine Person ausgebildet, mithin Geld und Zeit investiert, um eine neue Fachkraft auszubilden, und diese Person steht dann nicht zur Verfügung.

„Positiv an dem neuen Gesetz ist, dass endlich das Schulgeld wegfällt“, lobt Monecke. „Für Pflegeberufe, Erzieherin oder andere Sozialberufe Schuldgeld bezahlen zu müssen, ist ein Unding, wer sich für die Gesellschaft engagieren möchte, kann nicht auch noch zur Kasse gebeten werden.“ Künftig ist die Ausbildung bundesweit kostenfrei, stattdessen gibt es eine angemessene Ausbildungsvergütung. 

Vor allem in der Altenpflegebranche ist der Fachkräftemangel besonders groß. Laut Auskunft der Bundesagentur für Arbeit stehen 100 gemeldeten Stellen lediglich 19 Arbeitslose mit entsprechender Qualifikation gegenüber – vor fünf Jahren waren es noch 38. Inzwischen dauert es 183 Tage, bis ein Heimbetreiber eine frei gewordene Stelle besetzen könne. 

„Wir müssen verstärkt Hilfskräfte zu Fachkräften weiterqualifizieren“, sagt Monecke, „im Augustinuswerk haben wir mit sechs Mitarbeitern begonnen und werden dies in den nächsten Jahren intensivieren.“ Das gehe aber nicht mit jedem Mitarbeiter, denn der Pflegeberuf sei ein hochqualifizierter. Ein weiteres Problem sei, dass Pflegeberufe nicht so wertgeschätzt seien wie in anderen Ländern. „Meiner Meinung nach liegt eine Ursache darin, dass Ärzte nicht bereit sind, Leistungen an qualifiziertes Personal abzugeben“, kritisiert der Augustinus-Vorstand.

Auch gegen eine bessere Entlohnung von Pflegekräften hat Monecke „im Prinzip“ nichts einzuwenden, warnt aber vor den Konsequenzen: „Die Pflegeversicherung ist als Teilkasko-Versicherung konzipiert, jede Lohnsteigerung bedeutet mehr Zuzahlung für die Heimbewohner bzw. deren Angehörigen, wenn sie entsprechend viel verdienen.“

Kurzzeitpflege und Inklusion  

Bis spätestens zum 1. Januar 2020 will das Augustinuswerk im ehemaligen Bettenhaus der Klinik Bosse in der Heubnerstraße eine neue Kurzzeitpflege mit 30 Plätzen in Betrieb nehmen, dafür werden jetzt schon Mitarbeiter gesucht. 

„Seit Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) müssen Kliniken aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nach einer kurzen Verweildauer den älteren Patienten nach Hause entlassen, auch wenn ambulanter Pflegedienst und Hausarzt die Versorgung in den eigenen vier Wänden nicht sicherstellen können“, erläutert Monecke. Deshalb sei die Nachfrage nach Kurzzeitplätzen immens, diese stünden auch offen, wenn pflegende Angehörige Urlaub machen wollten oder einfach eine Auszeit benötigten. 

Die Ertüchtigung des Objekts in der Heubnerstraße übernimmt ein privater Investor, das Augustinuswerk mietet sich ein. „Wir haben seit 2012 mehr als 15 Millionen Euro investiert, die Phase großer Neubauvorhaben ist jetzt beendet“, kündigt Monecke an. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Umsetzung des Bundesteilhabegesetztes.“ 

Das heißt: Im Bereich der Eingliederungshilfe werden stationäre Versorgungsstrukturen zugunsten von Wohngemeinschaften aufgelöst. Das Augustinuswerk ist landesweit Vorreiter im Modellprojekt „intensiv betreutes ambulantes Wohnen“, in Kooperation mit dem Fachministerium werden neue Versorgungsstrukturen aufgebaut, die Inklusion ermöglichen. 

Frühling im Gewächshaus

Am Standort in der Feldstraße betreibt das Augustinuswerk in den von Petite Fleur angemieteten Gewächshäusern mit Tomaten, Paprika und Gurken Gemüseanbau auf Bioniveau. Zudem wachsen Frühjahrsblüher, Zimmerpflanzen und (Obst-)Gehölze, wobei das Spektrum um mediterrane Pflanzen wie Zitronen, Orangen und Oliven sowie 3,50 Meter hohen Palmen beträchtlich erweitert wurde.

„Wir bieten alles rund um den Garten an, auch Deko-Artikel, Erde und Gartengeräte“, so Monecke. Am Standort sind drei neue Stellen, zwei Praktikantenplätze und sechs Außenarbeitsplätze der Werkstatt für behinderte Menschen entstanden, die zum Inklusionsbetrieb Gewächshaus Diakoniehof Rackith gehören. In der Feldstraße werden auch Bio-Eier aus Rackith verkauft, im Hofladen in Rackith Bio-Gemüse aus der Feldstraße.





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