Tallaat Awadallah ist parteilos, für Bündnis 90/Die Grünen kandidiert er am 26. Mai für den Wittenberger Stadtrat. Foto: privat

Tallaat Awadallah ist parteilos, für Bündnis 90/Die Grünen kandidiert er am 26. Mai für den Wittenberger Stadtrat. Foto: privat

24.05.2019

Talaat Awadallah kandidiert als erster Wittenberger mit Migrationshintergrund für den Stadtrat

Kommunalwahl: Integration kann man in Wittenberg wählen

Wittenberg (wg). „Deutschland genießt einen sehr guten Ruf“, berichtet der Ägypter Talaat Awadallah im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „aber dieser Ruf hat durch Hass und Rassismus, durch AfD, Pegida und Co. Kratzer bekommen.“ Der parteilose Sprachwissenschaftler und Grundschullehrer kandidiert als erster Wittenberger mit Migrationshintergrund für den Stadtrat auf Listenplatz 2 von Bündnis 90/Die Grünen. 

Awadallah, der 1972 in einer kleinen Stadt nördlich von Kairo im Nildelta geboren wurde und seit 2007 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, möchte sich für eine friedliche Stadtgesellschaft und ein weltoffenes Wittenberg einsetzen. Wittenberg sei aufgrund der Touristen aus aller Welt eine internationale Stadt, an der Universität hätten im 16. Jahrhundert junge Menschen aus allen Himmelsrichtungen studiert und auch die Kirchengemeinen seien international gut vernetzt. 

Als 2015 viele Flüchtlinge kamen, hat Awadallah mit dem ebenfalls aus Ägypten stammenden Wittenberger Mahmoud Haikal den Verein „Salam“ gegründet, um die Neuankömmlinge bei der Integration zu unterstützen, als „Brückenbauer“ zwischen den Kulturen zu vermitteln und für Toleranz zu werben. „Arbeit ist für eine gelingende Integration besonders wichtig“, betont Awadallah. „Wer arbeitet, muss Deutsch lernen, lernt die deutsche Kultur und andere Menschen kennen.“ 

Dass Behörden arbeitswilligen Menschen mit Migrationshintergrund trotz des Fachkräftemangels immer wieder Steine in den Weg legen, sei kontraproduktiv: „Die Menschen wollen arbeiten, sie wollen Steuern zahlen und sie wollen sich nicht alimentieren lassen. Sie wollen vor allem auch deshalb arbeiten, um in der Heimat gebliebene Angehörige unterstützen zu können.“ 

Im Verein „Salam“ ist Awadallah inzwischen Ehrenmitglied, den stellvertretenden Vorsitz hat er aus Arbeitgründen abgegeben. Von Anfang an engagiert er sich auch im Bündnis „Wittenberg Weltoffen“, hat verschiedene integrative Treffen zwischen Wittenbergern und Geflüchteten organisiert, ebenso ein vielbeachtetes und gut besuchtes Gesprächsforum im Alten Rathaus zum Thema „Der Islam in Wittenberg“. 

Ging es vor vier Jahren vor allem um unbürokratische Hilfe für Geflüchtete, so steht jetzt die Integration im Fokus, zu deren wichtigsten Instrumenten Bildung und die Anerkennung von Berufsabschlüssen zählen, letzteres verläuft oft schleppend. „Ich finde es gut, dass sich der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen in seinem Kommunalwahlprogramm für die Bildung eines Integrationsbeirates ausspricht“, so Awadallah. Der mit einem kleinen Budget ausgestatte Beirat soll den Stadtrat in Fragen der Integration von Neubürgern beraten und auch eigene Aktivitäten organisieren. 

Für eine gelingende Integration ist die Ausübung der Religion sehr wichtig: Der Verein „Salam“ hatte den ehemaligen Ballettsaal im Theater als Gebetsraum angemietet, wogegen das Bauordnungsamt intervenierte. Jetzt treffen sich die Muslime zum Freitagsgebet in einem Pavillon in der Florian-Geyer-Straße. Ein entsprechender Umnutzungsantrag wurde beim Bauordnungsamt gestellt.

Der Pavillon ist ein transparentes Rondell, und transparent geht es auch im Inneren zu: Am 5. Mai begann der Fastenmonat Ramadan, der bis zum 4. Juni dauert. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf nicht gegessen und getrunken werden, aber nach Sonnenuntergang darf das Fasten durchaus mit üppigen Mahlzeiten gebrochen werden. „Im Gebetsraum treffen sich abends regelmäßig Gläubige zum gemeinsamen Essen, dazu sind auch Nichtmuslime herzlich eingeladen“, berichtet Awadallah. 

Zur Person

Talaat Awadallah hat an der international renommierten Al-Azhar Universität in Kairo Germanistik und Sprachwissenschaften studiert mit den Schwerpunkten deutsche Sprach- und Kulturgeschichte, deutsche Literatur, Literaturgeschichte, Übersetzung sowie Arabistik, Islamwissenschaft und mit Englisch eine weitere Fremdsprache. Das Studium beendete er mit dem Gesamtprädikat „sehr gut“. 

Als Reisebegleiter für Wüstensafaris lernte er eine Wittenbergerin kennen und lieben und kam 2004 in die Lutherstadt. Seit 2008 arbeitet er als Klassenlehrer an einer Grundschule in Leipzig in freier Trägerschaft, in der besonderen Wert auf die Förderung von Intelligenz, Begabung und Kreativität gelegt wird, Arabisch wird ab Klasse 1 unterrichtet. Lesen, Radfahren, Reisen und den Kleingarten nennt der Vater von zwei Kindern als Hobbys, seine Lieblingslektüre unter den deutschen Klassikern: Goethes „Faust“.





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