Amtsarzt Dr. Michael Hable. Foto: Wolfgang Gorsboth

Amtsarzt Dr. Michael Hable. Foto: Wolfgang Gorsboth

09.05.2019

Organtransplantation: Hirntod als fragwürdiges Kriterium

Amtsarzt Dr. Hable begrüßt neues Transplantationsgesetz

Wittenberg (wg). Circa 9.400 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, circa 7.000 davon auf eine neue Niere. „Die fehlenden Organe sind nicht vorrangig auf nachlassende Spendenbereitschaft zurückzuführen, vielmehr auf Schwachstellen im Klinikbereich“, erklärt Amtsarzt Dr. Michael Hable im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „denn in der Vergangenheit fehlte vielen Krankenhäusern Geld und Zeit, um potenzielle Spender zu identifizieren.“ 

Es sei richtig, dass sich Bundesregierung und Bundestag zunächst auf das Machbare konzentriert und die umstrittene Frage der Widerspruchslösung ausgeklammert hätten: Diese sieht vor, dass jeder als Organspender gelten, soll der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. 

„Die Widerspruchslösung verkehrt die freie Entscheidung in ihr Gegenteil“, warnt Hable und favorisiert ein anderes Modell: „Die Bereitschaft oder Ablehnung zur Organspende kann alle zehn Jahre abgefragt werden, wenn die Erneuerung des Personalausweises ansteht. Damit werden alle Bürger erreicht und jeder muss sich mit dem Thema auseinandersetzen.“ 

Die aktive Zustimmung zur Organspende müsse eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben und dürfe nicht durch einen fehlenden Widerspruch ersetzt werden. Fragwürdig sei zudem die Hirntod-Definition als Voraussetzung für die Organentnahme: „Der Hirntote ist ein sterbender Mensch und es stellt sich die Frage, ob die Hirntod-Definition nicht speziell auf die Bedürfnisse einer Transplantationsmedizin zugeschnitten wurde.“ 

Das Nötige tun, Unnötiges lassen

Organspenden sind kein Allheilmittel: Wer ein Organ erhalte, sei keineswegs wieder gesund oder beschwerdefrei, so Hable, sondern müsse lebenslang nebenwirkungsreiche Medikamente einnehmen, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Die Sterblichkeit bei dem Eingriff ist hoch und oft funktioniert das transplantierte Organ nur wenige Jahre. Transplantationen sind die teuersten medizinischen Leistungen. 

„Den guten Arzt erkennt man nicht nur daran, dass er das Notwendige tut, sondern mehr noch daran, dass er das Unnötige unterlässt“, betont Hable. Die moderne Medizin treibe einen diagnostischen und therapeutischen Aktionismus, den man auch als „medizinisch-industriellen Komplex“ bezeichnen könne. Je intensiver man den Patienten untersuche und kuratiere, desto mehr lasse sich an ihm verdienen. 

„Es gibt Chefarzt-Verträge, in denen geregelt ist, wie viele Operationen es zu geben hat, weil diese Geld bringen“, kritisiert Hable. Entscheidend sei der Eingriff und nicht, was dem Eingriff vorausgehe – die sorgfältige Abwägung, ob die OP überhaupt Sinn macht. Deutschland sei weltweit Spitze bei Herzkatheder-OP’s, doch die Lebenserwartung sei nicht höher als in vergleichbaren Ländern wie Schweden oder Dänemark, in denen weniger operiert werde. 

„Fast 100 Prozent der Gelder fließen in die kurative Medizin, nur ein Bruchteil in die Prävention“, kritisiert Hable, „Prävention verhindert Krankheiten, die später Geld kosten, das heißt, der medizinisch-industrielle Komplex würde weniger verdienen. Gemessen an den aktuellen Ausgaben sei das deutsche Gesundheitssystem ineffizient und Mittelmaß.




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