Markus Biedermann, Direktor der Kreismusikschule Wittenberg und Vorsitzender des Vorstands des Landesverbandes der Musikschulen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Markus Biedermann, Direktor der Kreismusikschule Wittenberg und Vorsitzender des Vorstands des Landesverbandes der Musikschulen. Foto: Wolfgang Gorsboth

04.05.2019

Musikschulverband fordert mehr Unterstützung von der Landesregierung

Musikschulen haben zu wenig Geld und zu wenig Lehrer

Wittenberg (wg). „Der Zuschuss ist seit 20 Jahren unverändert geblieben“, kritisiert Markus Biedermann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag die mangelnde finanzielle Unterstützung des Landes. Der Direktor der Kreismusikschule Wittenberg und Vorsitzende des Vorstandes des Landesverbandes der Musikschulen weist darauf hin, dass die Zuschüsse der Träger – Kreise, kreisfreie Städte und als Ausnahme die kreisangehörige Stadt Coswig – sowie die der Eltern in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, die Landeszuschüsse seit 1997 aber unverändert geblieben seien. 

„Musikschulen, die im öffentlichen Interesse einen Bildungsauftrag erfüllen, benötigen verlässliche öffentliche Finanzmittel“, betont Biedermann, „dieser Auftrag darf nicht durch merkantile Einflüsse gefährdet werden.“ Als Einrichtung der kulturellen Grundversorgung erfüllten Musikschulen bildungs- und kulturpolitische Aufgaben und das auf hohem Niveau. 

Die Kommunen, so Biedermann, wertschätzten ihre Musikschulen, deren Finanzierbarkeit sei aber eine freiwillige Aufgabe: „Die angesichts der klammen Haushalte nicht enden wollenden Diskussionen um die Finanzierbarkeit von freiwilligen Leistungen tragen zusätzlich zur Verunsicherung bei“, kritisiert Biedermann. 

Sachsen-Anhalt sei das einzige Bundesland mit einem Musikschulgesetz, in dem die individuelle Förderung mit Einzelunterricht ausdrücklich verankert ist. Wenn die Landesförderung nicht steige, dann sei der Einzelunterricht und mithin die Qualität der Ausbildung gefährdet: „Ob und wie begabte Kinder unterrichtet werden, hängt dann vom Geldbeutel der Eltern ab“, warnt Biedermann. Als Kreismusikschule müsse man auch in der Fläche präsent sein. Überdies führten alle Musikschulen auch Veranstaltungen durch und seien damit ein wesentlicher Teil der Kulturlandschaft.

Ein weiteres Problem sei der Lehrkräftemangel: Viele Musikschullehrer müssten als studierte Honorarkräfte ohne soziale Absicherung arbeiten, vielfach würden diese von staatlichen Schulen zu besseren Konditionen abgeworben. Dazu komme, dass in den nächsten zehn Jahren ein Viertel der festangestellten Musikpädagogen in den Ruhestand wechselt, Nachwuchskräfte kaum zur Verfügung stünden, weil die entsprechenden Ausbildungsgänge an Sachsen-Anhalts Hochschulen zusammengestrichen wurden.

„Wir sind als Landesverband sehr gut aufgestellt, auch das ist alles in Gefahr“, sagt Biedermann mit Blick auf das erfolgreiche Landesorchester sowie die Landesensembles, auf die guten Resultate bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“, dem leistungsorientierten Unterricht sowie den landesweiten Oberstufenabschlüssen. „An unserer Kreismusikschule sind Noten freiwillig, 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen wollen sie“, berichtet Biedermann, „sie wollen ihre Leistungen einschätzen können, sie wollen Erfolg und gefordert werden.“ 

Zu den rund drei Millionen Euro, die im Landeshaushalt zur Förderung der Musikschulen eingestellt sind, fordert der Landesverband für den Doppelhaushalt 2020/21 circa zwei Millionen Euro zusätzlich, damit würde wenigstens landesseitig der 15-prozentige Anteil an den Gesamtkosten wiederhergestellt. 

Hintergrund 

Im Durchschnitt haben in den vergangenen Jahren circa 20.000 Musikschüler an den Musikschulen des Landes ein Instrument gelernt oder wurden gesanglich ausgebildet, 2.000 Interessenten stehen auf der Warteliste.




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