Das Flüchtlingsboot bleibt erhalten und wird in das neue Gestaltungskonzept für den Schwanenteich integriert. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

Das Flüchtlingsboot bleibt erhalten und wird in das neue Gestaltungskonzept für den Schwanenteich integriert. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

26.04.2019

Vergifteter Antrag der Fraktion AdB/AfD klar gescheitert

Flüchtlingsboot: Ein Denkmal der Menschlichkeit

Wittenberg (wg). Mit deutlicher Mehrheit hat der Stadtrat das von der Veranstaltung favorisierte Konzept für das Flüchtlingsboot am Schwanenteich gebilligt bei zwei Nein und einer Enthaltung. Zuvor hatte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) in seiner mit Beifall bedachten Rede appelliert, aus der Geschichte zu lernen: „Auch wir Deutschen waren in schwierigen Zeiten auf Herz und Hilfe anderer Menschen angewiesen.“ 

Menschenwanderungen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft habe es schon immer gegeben, dies träfe auch auf die Afrikaner zu, die mit dem Boot Nr. 653 über das Mittelmeer nach Italien geflohen seien und letztlich alle in ihre Herkunftsländer abgeschoben wurden. „Das ändert aber nichts an unserer Pflicht zur Mitmenschlichkeit“, betonte der OB, „in diesem Sinne ist das Boot ein Mahnmal, das uns daran erinnert, bei allen Differenzen, die wir haben, Empathie zu wahren.“ 

Das Boot sei zugleich eine Mahnung an die Politik, denn die Polarisierung habe zugenommen, der Diskurs kenne nur noch „Gutmenschen“ und „Nazis“. 2015 habe es eine Welle der Hilfsbereitschaft wie nie zuvor gegeben, doch viele ehrenamtlich Engagierte seien von der Politik im Stich gelassen worden. Aus Schicksalen wurde eine anonyme Migrantenmasse, die es zu bändigen gilt. Wo sich Empathielosigkeit breit macht, entsteht ein Klima, in dem nicht nur die Ursachen von Flucht und Verreibung ausgeklammert werden, sondern in dem Intoleranz und Gewalt gedeihen. 

Man habe, so der OB, auch mit der Fachhochschule Salzburg Kontakt aufgenommen, deren Konzept zur Weltausstellung Reformation 2017 den Zuschlag für den Torraum „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ erhielt. Die damals beteiligten Akteure betonen in einem Schreiben an die Stadt, die Notwendigkeit, dass die Debatte über das Flüchtlingsboot aufrechterhalten und dies mit der von der Stadt vorgeschlagenen Variante sehr gut gewährleistet werde. 

Überdies hat sich das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“ bereit erklärt, das Areal um das Flüchtlingsboot zu pflegen und sich weiterhin inhaltlich einzubringen, dafür gab es Anerkennung von Horst Dübner, Fraktionschef der Linken: „Dank an den Oberbürgermeister für das Konzept und Dank an das Bündnis, sich weiter am inhaltlichen Diskurs des weltweiten Flüchtlingsproblem einzubringen.“ 

Für die mit dem Boot geflüchteten Menschen habe sich die Hoffung auf ein besseres Leben nicht erfüllt, „aber die Hoffnungen der Menschen bleiben ebenso wie die Ursachen von Flucht und Vertreibung“, betonte Dübner, „und deshalb ist es richtig, immer wieder über diese Ursachen und unser eigenes Handeln, unseren Umgang mit Geflüchteten nachzudenken.“ In diesem Sinne sei das Boot ein Mahn- und ein Denkmal. 

Für Manfred Schildhauer (fraktionslos) bleibt das Boot Bestandteil des Festjahres 2017, mit dem Brandanschlag habe Wittenberg traurige Berühmtheit erlangt. Die Flüchtlingskrise sei noch nicht vorbei, aber Wittenberg brauche kein neues Denkmal, das Boot sei nur „ein Zufallsprodukt der Zeitgeschichte.“ 

Dirk Hoffmann (Fraktion AdB/AfD) wiederholte seinen bereits im Kulturausschuss gescheiterten und vergifteten Antrag, „dem Flüchtlingsboot einen würdigen Abschied zu bereiten, da es seinen Zweck erfüllt hat.“ Während einige Stadträte aus Protest den Sitzungssaal verließen, diffamierte Hoffmann das Boot als „Symbol der Merkelschen Flüchtlingspolitik“ und lobte den Antrag seiner Fraktion als Beitrag, die gespaltene Stadtgesellschaft wieder zusammenzuführen. Der Antrag wurde abgelehnt, bei zwei Ja und einer Enthaltung.

Hintergrund 

Der Stadtrat hatte nach dem bis heute nicht aufgeklärten Brandanschlag in der Nacht vom 9. auf den 10. November 2018 mit klarer Mehrheit entschieden, dass das Flüchtlingsboot am Schwanenteich stehen bleiben soll und den Oberbürgermeister beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten. Unter vier Varianten entschied sich die Verwaltung für die vierte, die vorsieht, das Boot im derzeitigen Zustand zu belassen und es dem langsamen Verfall zu überlassen. 

Während der Verfall des Schiffes für die Vergänglichkeit steht, steht der Erhalt als Denk- und Mahnmal dafür, dass Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit eben nicht vergänglich sind. Damit greift die Variante auch die Intention der Projektverantwortlichen von der FH Salzburg auf, die mit dem Boot an die „Gleichzeitigkeit ungelöster Fragestellungen“ erinnern wollten.




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