06.04.2019

Aus tristem DDR-Plattenbau wurde eine fantasievolle Traumschule

Luther-Melanchthon-Gymnasium feiert 20 Jahre Hundertwasserschule

Wittenberg (wg). „Träumen ist das letzte Menschenrecht“, dieses Zitat von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) ist auf den beiden großen Monitoren im Schulgebäude zu lesen: „Auch hier hat alles mit einem Traum angefangen“, erklärt Anja Aichinger, Leiterin des Luther-Melanchthon-Gymnasiums (LMG), im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „und die Erfüllung dieses Traumes jährt sich zum 20. Mal.“ 

Am 29. Mai vor 20 Jahren wurde aus dem DDR-Plattenbau vom Typ Erfurt die Hundertwasserschule, eine Traumschule mit begrünten Dächern, aus den Fenstern ragenden Bäumen und fantasievollen Kuppeln und Türmchen. Dies soll in 2019/20 gebührend gefeiert werden – beginnend mit einer Festwoche Ende Mai bis zum Parkfest 2020 als abschließendem Höhepunkt. 

Im Zimmer der Schulleiterin hängt ein großes Bild, gemalt von Miriam Jehle, die am LMG 2017 ihr Abitur ablegte. Es zeigt die beiden Reformatoren Luther und Melanchthon und in der Mitte den Künstler, Architekten, Kosmopoliten und Pazifisten Friedensreich Hundertwasser – nicht nur die drei Namensgeber der Bildungseinrichtung, sondern drei Säulen, die für die Veränderung und Verbesserung der Welt stehen.

Nach Luther im Schuljahr 2017/18 (500 Jahre Thesenanschlag) und Melanchthon im Schuljahr 2018/19 (Ankunft in Wittenberg vor 500 Jahren) und der Beschäftigung mit dem Renaissancehumanismus stehen die Jahre 2019/20 ganz im Zeichen Hundertwassers: „Das Beispiel unserer Schule zeigt, dass es (fast) immer einen Weg gibt, scheinbar Unerreichbares zu verwirklichen“, sagt Aichinger. 

Für Hundertwasser ist die Natur die einzige übergeordnete schöpferische Macht, von der der Mensch abhängig ist. In seinen Manifesten forderte er unter anderem, dass die Menschheit einen Friedensvertrag mit der Natur schließen und wieder im Einklang mit der Natur leben müsse. „Hundertwassers theoretischen Konzepte, seine Kampagnen für den Umweltschutz und seine Unterstützung für Umweltinitiativen sind heute aktueller denn je“, betont die Schulleiterin. 

Ökologie und Umweltschutz sind Themen, die die Schüler bewegen, wie die „Fridays for Future“-Demonstrationen zeigen und auch viele junge Lehrer interessieren sich dafür, wie die Lutherstadt zur Hundertwasserschule kam. „Wenn man feiert, muss man auch wissen, was man feiert“, erklärt Heike Masser, Lehrerin für Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel und Mitglied der Steuergruppe, die die Aktivitäten für 2019/20 vorbereitet und koordiniert. 

Wer war Hundertwasser, was ist damals passiert? Diese und andere Fragen werden in schulinternen Veranstaltungen vermittelt – altersspezifisch für jeden Jahrgang in der Aula in Form von Vorlesungen. Referenten werden Schüler und Lehrer sein, aber auch Zeitzeugen wie die damalige Schul- und Kulturdezernentin Gisela Kummetz. 

Sechs schräge Vögel und Groovin' im Park

Auftakt ist am 19. Mai, wenn die LMG-Theatergruppe „Dunkelbunt“ in der Phönix Theaterwelt das Stück „Das Märchen von den sechs schrägen Vögeln“ aufführt – eine recht freie Adaption von „Sechse kommen durch die Welt“ der Brüder Grimm. „Eine Geschichte von sechs Außenseitern, die die Welt verändern“, erklärt Masser, „und damit eine Geschichte, die zu unserer Schule passt.“ Die Aufführung um 17 Uhr ist gekoppelt mit einem Empfang durch den Hundertwasser-Förderverein, eine zweite Vorstellung gibt es um 20 Uhr. 

Am 28. Mai gibt es ab 13 Uhr unter dem Motto „Groovin’ im Park“ Jazzkonzerte mit der Big Band und der Junior Band mit Catering der Klassen 11 und Aktivitäten der Lehrer. In der Galerie wird eine Ausstellung eröffnet mit Arbeiten von Ute Pannicke, Lehrerin für Deutsch und Sport und eine exzellente Fotografin. Ausgestellt werden Arbeiten aus einem Schülerprojekt mit dem Titel „Ich mit Hundertwasser“. 

Ein Gefühl der Identität 

Am 29. Mai führt die Kabarett-AG unter der Leitung von Andreas Rußbült um 18.30 Uhr Szenen des Alltags auf. Am selben Tag um 11 Uhr gibt es eine Abschluss-Performance, an der alle Schüler und Lehrer teilnehmen, sie wird für alle Beteiligten eine Überraschung sein. „Wir wollen mit diesen Aktivitäten Schülern und Lehrern ein Gefühl der Identität vermitteln, denn eine so große Schule wie das LMG funktioniert nur im Miteinander“, so Aichinger. 

Hintergrund

Die Silhouette der Lutherstadt wird seit mehr als 500 Jahren von Türmen geprägt - denen der Stadt- und der Schlosskirche. Mit Zwiebel und Fruchtkapsel kamen vor 20 Jahren die wohl markantesten und weithin sichtbaren Attribute der Hundertwasser-Schule dazu.

Der begeisterte Meister

Ungewöhnlich wie die Schule war auch das anfangs keineswegs unumstrittene Projekt, das auf eine Initiative der Schüler zurückgeht: Sie wollten, dass die Plattenbau-Schule nicht nur grundhaft saniert, sondern die bauliche Uniformität aufgebrochen wird, kurzum, sie wollten ein gänzlich anderes Erscheinungsbild ihrer Schule, das neue städtebauliche und pädagogische Zeichen setzt. 

1993 überreichten die Schüler ihre Ideenskizzen an Hundertwasser, und der Meister war spontan so begeistert, dass er für seine Entwürfe auf das Honorar verzichtete. Mitten im von Plattenbauten geprägten Neubauviertel entstand eine Insel der Menschlichkeit. Zehn Millionen D-Mark hatte der Umbau zur Hundertwasser-Schule kostet - gut angelegtes Geld für eine Schule, die Spaß macht.




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