Freut sich über den guten Ruf der Wittenberger Institution: Friedrich Kramer, seit zehn Jahren Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. Foto: Wolfgang Gorsboth

Freut sich über den guten Ruf der Wittenberger Institution: Friedrich Kramer, seit zehn Jahren Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. Foto: Wolfgang Gorsboth

31.03.2019

Seit zehn Jahren Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt

Friedrich Kramer: „Die Akademie ist weltoffen, streitbar und demokratisch“

Wittenberg (wg). „Evangelische Akademien sind eine Investition der Kirche in die Demokratie“, resümiert Friedrich Kramer im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, vor zehn Jahren übernahm der Theologe und Pfarrer die Leitung der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. „Wir sind Teil des öffentlichen Diskurses, aber wir sind keine Staatskirche. Wir verstehen uns als Forum für strittige Themen und Probleme.“ 

Die politische Lage habe sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert, meint Kramer mit Blick auf AfD, Pegida und Co.: „Es ging unserem Land noch nie so gut wie heute und trotzdem gibt es eine immense Wut und Unzufriedenheit und eine große Lust an apokalyptischen Untergangsszenarien.“ Dabei seien die Wütenden und Unzufriedenen keineswegs in der Mehrheit: „Es gibt nur wenige, aber sie sind laut und suggerieren, dass sie den politischen Ton angeben, wir aber brauchen kein Geschrei!“ 

Streitkultur bedeute, dass man den anderen ernst nehme, bedeute die Bereitschaft zum Zuhören und zur Diskussion, den Austausch von Fakten – und nicht ausgrenzendes Freund-Feind-Denken. „Ein wesentlicher Faktor ist der Kompromiss, eine hohe Kunst, die leider in Verruf gekommen ist“, bedauert Kramer, „Kompromisse sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein.“ Mit Aufklärung und Vernunft erreiche man die meisten Menschen, und die Akademie bleibe der Ort, in dem öffentliche Debatten zwar konsequent in der Sache, aber dennoch behutsam im Stil ablaufen. 

Als Kramer vor zehn Jahren von Halle nach Wittenberg kam, war die gesellschaftliche Situation von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung vor allem junger Menschen geprägt. Themen wie soziale Gerechtigkeit und Transformation, Geschichte und Identität Ostdeutschlands sowie die Frage nach dem SED-Unrecht prägten die Akademie-Arbeit. In der Tradition des Kirchlichen Forschungsheimes, welches von der Akademie übernommen wurde, gab es Tagungen zu Umweltfragen und zur Nachhaltigkeit.

Orthodoxie und die Kirche Osteuropas bilden einen weiteren Themenkomplex. „Als Folge des Ukraine-Konflikts besteht die Gefahr eines Schismas zwischen Konstantinopel und Moskau“, berichtet Kramer, „wegen der Nähe zum Staat läuft die Ostkirche Gefahr, sich politisch missbrauchen zu lassen." Die Akademie setzt die Arbeit des ehemaligen Arbeitskreises „Kirche im Osten“ fort, womit das Erbe des viel zu früh verstorbenen Propstes Siegfried Kasparick bewahrt wird. Zur Akademie-Tradition gehören die gemeinsam mit der Deutsch-Russländischen Gesellschaft veranstalteten Tagungen zu osteuropäischen Themen.

Weitere Aufgabe für Friedrich Kramer: Er wirkt als einer der beiden Vorsitzenden der 2015 gegründeten Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Sachsen-Anhalt. Ihr gehören Vertreter der jüdischen Gemeinden, der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche an. „Dabei geht es um die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden bei gegenseitiger Achtung aller Unterschiede“, erläutert Kramer, „und es geht auch um die Ursprünge und Zusammenhänge von Judentum und Christentum.“ Die Gesellschaft setze sich für den Erhalt der vielfältigen Zeugnisse jüdischer Geschichte ein und für eine freie und ungehinderte Entfaltung jüdischen Lebens in Deutschland. In diesem Zusammenhang begrüßt Kramer, dass in Magdeburg und Dessau neue Synagogen errichtet werden, geplant sind jüdische Kulturtage in Wittenberg. 

Vertiefen möchte die Evangelische Akademie die ökumenische Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche. Es soll gemeinsame Studientagen in Kooperation mit der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg geben sowie ökumenische Neujahrsgespräche. 

Dass Jubiläumsjahr 2017 war für die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt besonders erfolgreich, alle Akademien kamen nach Wittenberg, der Deutsche Kirchentag wurde ebenso mitgestaltet wie die Konfi-Camps. Dass es danach Einbrüche geben würde, sei absehbar gewesen, so Kramer, leider habe die Bereitschaft, Geld nach Wittenberg zu geben, arg gelitten. „Umso erfreulicher ist es, dass unsere Akademie-Arbeit deutschlandweit wahrgenommen wird und einen guten Ruf genießt“, freut sich der Direktor.




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