Das Modell zeigt die Ausmaße des ehemaligen Zschornewitzer Kraftwerkes. Foto: Wolfgang Gorsboth

Das Modell zeigt die Ausmaße des ehemaligen Zschornewitzer Kraftwerkes. Foto: Wolfgang Gorsboth

25.03.2019

Geld aus Kohleausstieg für Gräfenhainichen?

Gräfenhainichen (wg). Für den geplanten Kohleausstieg wird Sachsen-Anhalt viel Geld erhalten, Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) will vom großen Kuchen etwas abhaben – für Ferropolis und für das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz.

„Wir mussten nach der Wende aus der Braunkohle aussteigen, den Transformationsprozess und die damit verbundene hohe Arbeitslosigkeit allein stemmen“, erklärt Schilling im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Mit Kreativität und Beharrlichkeit wurden alternative Konzepte entwickelt, die auch heute noch Geld kosten, deshalb darf die ehemalige Bergbauregion um Gräfenhainichen nicht vergessen werden.“ 

Konkret geht es um die Baggerstadt aus Eisen, ein 1992 am Bauhaus Dessau entwickeltes Projekt. Entstanden ist eine einmalige Landmarke mit großer Veranstaltungsarena. „Die fünf Tagebaugroßgeräte müssen eines Tages generalsaniert werden“, so Schilling, „wir reden da von vier bis fünf Millionen Euro pro Gerät, Summen, die die Ferropolis GmbH allein nicht stemmen kann.“ 

Die Region habe nach der Wende ihren Beitrag zur Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen geleistet und gleichzeitig etwas Neues geschaffen – die erfolgreiche Transformation eines Großtagebaus mit alternativer Nutzung und gleichzeitig Bewahrung des Erbes der Bergbaugeschichte. 

Um die Bewahrung des Erbes der Industriekultur geht es auch im ehemaligen Kraftwerk Zschornewitz, das ehemals größte und modernste Kraftwerk der Welt versorgte Mitteldeutschland und Berlin mit Energie, 1992 wurde es nach 77 Betriebsjahren stillgelegt und am 15. Dezember 1995 der erhaltene Teil des Maschinenhauses als Industriedenkmal übergeben. 

„Dass dieser Teil des ehemaligen Kraftwerks ein lebendiges Buch der Industriegeschichte ist, verdankt sich der aktiven Seniorengruppe, die sich aus früheren Mitarbeitern zusammensetzt“, lobt der Bürgermeister. Dass die Lausitzer Energie AG als Eigentümerin 2015 das Gelände und Gebäude für den öffentlichen Zugang sperrte, konterkariere das Engagement der Menschen vor Ort. 

„Das Denkmal ist nicht nur ein wichtiges Zeugnis der Zeitgeschichte für die ehemals dort Beschäftigten, sondern auch für künftige Generationen“, ist Schilling überzeugt. „Mit Hilfe der Gelder aus dem Kohleausstieg könnte das Industriedenkmal erhalten und einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden.“ So sei der Standort dafür prädestiniert, die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zuschlagen, zum Beispiel als Experimentierwerkstatt für energetische Innovationen. Dass sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) eingeschaltet habe, gebe Anlass zur Hoffnung.

Die Seen entwickeln

Hoffnungsvoll zeigt sich der Bürgermeister auch mit Blick auf die Nutzung der beiden Seen: „Die Entlassung aus dem Bergrecht ist und bleibt das finale Ziel.“ Für den Gremminer See wurde der Antrag auf Verfügung des Gemeingebrauchs gestellt, die Haftung würde dann vom Bergamt an die Blausee GmbH als Eigentümerin übergehen. „Wir wollen, dass an ausgewählten Stellen Strände eingerichtet werden zum Baden, Tauchen und eventuell Boot fahren“, so Schilling. „Tatasche ist, dass bereits gebadet wird, obwohl es verboten ist.“ 

Für die Erschließung der Ufer am Gremminer See hat die Stadt vor zwei Jahren ihren Flächennutzungsplan (FNP) geändert, vor zwei Wochen kam die Genehmigung durch die Bauordnungsbehörde des Landkreises, somit kann der geänderte FNP jetzt öffentlich bekanntgemacht werden.

„Zwischen der Stadt, der Blausee GmbH und der Ferropolis GmbH gibt es eine gute Zusammenarbeit, aber wir haben das Verfahren der Entlassung aus dem Bergrecht nicht in der Hand“, bedauert Schilling, „hier sind das Bergamt, die LMBV als Sanierungsträger, das Bauordnungsamt, die untere Wasserbehörde und andere Institutionen am Zuge.“ Solange das Bergrecht herrsche, gebe es keine Möglichkeiten im Bereich des sogenannten Stadtbalkons einen Strand anzulegen oder Richtung Ferropolis Campen mit Baden zu ermöglichen. 

Auch für die zum Kreis Wittenberg gehörende Seite des Gröbener Sees wurde Antrag auf Verfügung des Gemeingebrauchs gestellt, für die gegenüberliegende Uferseite, die zum Kreis Bitterfeld gehört, wurde diese bereits vor Jahren erlassen, die Blausee GmbH investierte dort in ein See- und Waldresort circa 17 Millionen Euro.




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