Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und heutiger Kreisvorsitzende der Senioren-Union Uli Petzold hält ein starres Tempolimit auf Autobahnen nicht für zielführend. Foto: Archiv

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und heutiger Kreisvorsitzende der Senioren-Union Uli Petzold hält ein starres Tempolimit auf Autobahnen nicht für zielführend. Foto: Archiv

14.03.2019

Allheilmittel oder eher dem Neid geschuldet?

Tempolimit – Abgasschwindel

- Ein Kommentar von Uli Petzold, ex Bundestagsabgeordneter (CDU) im Wahlkreis Wittenberg / Dessau - 

In der Debatte um die Senkung des CO2-Ausstoßes durch den Verkehr wird ein Tempolimit von 120 oder 130 km/h immer wieder als Allheilmittel angeboten. In Wirklichkeit ist es wohl eher dem Neid geschuldet. 

Wer hat sich nicht schon geärgert, wenn er ruhig auf der Autobahn langhin fährt und plötzlich fast wie aus dem Nichts von einem rasanten Fahrer überholt wird? Doch ehrlich, wie oft passiert das? 

Meine normale Geschwindigkeit auf der Autobahn liegt bei etwa 120/130 km/h, und wenn ich überholt werde, dann meist von Autos, die nur unwesentlich schneller fahren als ich. Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h werden von unter 5% der auf der Autobahn sich bewegenden PKW gefahren. Während der normalen Tageszeiten ist durch die Verkehrsbelegung eine Geschwindigkeit von 150 km/h und mehr auf einer 4-spurigen Strecke so gut wie nicht oder höchstens einmal auf zwei bis drei Streckenkilometern möglich. 

Doch es sollen Fakten sprechen und nicht rot-grüne Wunschträume:

* Nach einer Studie des Umweltbundesamtes reduzieren sich die CO2-Emissionen bei Tempo 120 um 9%, bezogen auf den PKW-Verkehr auf den Autobahnen. Dort wird circa 1/3 der jährlichen Fahrleistung erbracht. Demnach würde die CO2-Einsparung bezogen auf den Gesamt-PKW-Verkehr bei gerade einmal 3% liegen und hätte mit circa 3 Mio.t von 909 Mio.t Gesamtausstoß in 2018 gerade noch einen symbolischen Wert: Deutschland erzeugt 1,8% des weltweiten CO2 Ausstoßes und davon 0,3% - das sind lediglich 0,006% der weltweiten Emissionen. 

* Bereits heute sind 38% der 13.000 Autobahnkilometer tempolimitiert. Dazu kommen noch Baustellen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen. Es sind also gerade einmal circa 60% aller Autobahnen, auf denen schnell gefahren werden darf. 

* Im Jahr 2017 wurden circa 1/3 aller Fahrzeugkilometer durch PKW auf Autobahnen zurückgelegt. Der Anteil der Verkehrstoten ist im Vergleich dazu mit rund 12% stark unterdurchschnittlich. Noch krasser wird es, wenn man sich die Gesamtunfallzahlen ansieht. Hier liegen die Autobahnen deutlich unter der Streckenleistung. Im Jahr 2017 erfolgten lediglich 20.928 Unfälle mit Personenschaden auf der Autobahn - bei insgesamt 2,6 Mio. in Deutschland registrierter Verkehrsunfälle. Es bleibt also dabei: Auch ohne Tempolimit sind die deutschen Autobahnen die sichersten deutschen Straßen. 

* Auch auf den Autobahnen der umliegenden europäischen Staaten, die ein Tempolimit verfügt haben, geschehen Unfälle. Doch die Unfallzahlen liegen auf den dortigen Autobahnen pro Fahrzeugkilometer meist höher als in Deutschland: zum Beispiel in Polen und Litauen mehr als doppelt so hoch, in Spanien 10% höher und in Frankreich, Österreich und Norwegen gerade einmal bis zu 5% niedriger. 

* Auch ein Tempolimit von 120 km/h verhindert keine tödlichen Unfälle. Egal ob bei 120 oder 160 km/h kann ein Crash oft tödlich sein. Crash-Tests haben gezeigt, dass ein Frontalaufprall ab 50 km/h ohne Gurt und Airbag in jedem Fall tödlich ist. Also: Fahrzeuggurt und Airbag bieten mehr Schutz als ein Tempolimit von 120 km/h. Andernfalls müsste die Höchstgeschwindigkeit schon auf 40 km/h begrenzt werden. 

* Die schlimmsten Unfälle auf Autobahnen geschehen nicht durch Pkw-Fahrer, sondern durch auffahrende Lkw, deren Höchstgeschwindigkeit schon jetzt auf 80 (!) km/h begrenzt ist. Diese Unfälle könnte man durch ein Notbremssystem und nicht durch ein starres Tempolimit für PKW verringern. 

Fazit: Mit einem Tempolimit auch von 120 km/h ließe sich das Ziel einer CO2-Einsparung von 20% im Verkehrsbereich in keinem Fall erzielen, und auch der Verkehrssicherheit wäre kaum geholfen. Einen Überholvorgang weiter zu verlangsamen und damit dessen Dauer zu verlängern erhöht eher noch das Unfallrisiko. Die höchsten Geschwindigkeiten werden auf freien Strecken sonntagsvormittags und spätabends gefahren – aber zu diesen Zeiten geschehen die wenigsten Unfälle. 

Übrigens – auch wenn kein Tempolimit gilt, muss ein Fahrer, der die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h überschritten hat und dabei in einen Unfall verwickelt wird, mit einer Mitschuld rechnen. 

Anmerkung: 

Die genannten Zahlen stammen vom Umweltbundesamt, dem Deutschem Verkehrssicherheitsrat sowie dem Statistischem Bundesamt





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