Michael Harmuth (Bild), Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

Michael Harmuth (Bild), Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

27.02.2019

Caritas-Beratungsstelle bietet kompetenten Schuldnerschutz

Wenn plötzlich das Geld fehlt...

Wittenberg (wg). Was tun, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist? Was häufig als Spaß gemeint ist, kann zum bitteren Ernst werden. Wer dies erlebt, dem bietet die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas Unterstützung. „Unsere Beratung ist freiwillig und kostenfrei, selbstverständlich behandeln wir alle Angaben streng vertraulich“, erklärt Michael Harmuth, Leiter der Beratungsstelle, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag.

Vorrangiges Ziel der Schuldnerberatung ist es, gemeinsam mit den Betroffenen Lösungswege zu erarbeiten, um kurzfristig die Existenz zu sichern und langfristig die Reduzierung der Schulden zu erreichen. Bei jedem Ratsuchenden wird zunächst die Situation analysiert, um die Verschuldung sowie monatliche Einnahmen und Ausgaben zu ermitteln.

Sofern finanzielle Spielräume vorhanden sind, wird ein individuelles Entschuldungskonzept erstellt, das neben einer rationellen Haushaltsführung auch Verhandlungen mit Gläubigern beinhaltet, um Stundungen, Ratenvergleiche oder auch Teilverzicht von Forderungen zu erreichen. 

Die Bereitschaft zu einer oft langfristigen intensiven Zusammenarbeit ist absolute Voraussetzung: „Wir haben Vergleiche abgeschlossen, die jetzt nach fünf oder sechs Jahren zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden“, so Harmuth. 

Dabei sei es auch hilfreich, dass die Beratungsstelle über vier Fachkräfte verfügt, so dass die Klienten feste Ansprechpartner haben. „Es kostet aber Überwindung, zu uns zu kommen, wir haben es bei den 604 Fällen im vergangenen Jahr nur mit der Spitze des Eisbergs zu tun“, berichtet Harmuth. 

Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit 

Die Gründe für eine Verschuldung sind vielfältig: Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse mit niedrigen Einkommen und befristeten Arbeitsverträgen, familiäre Konflikte sowie Erkrankungen einschließlich Abhängigkeitserkrankungen. Scheidungen führen zu Problemen bei der weiteren Finanzierung des auf Kredit gebauten Hauses. Anderen werden Bürgschaften zum Verhängnis, die sie vor Jahren für ihren Ehepartner geleistet haben. „Bei Geschäftsleuten und Existenzgründern spielen auch anwachsende Außenstände eine Rolle“, weiß Harmuth. 

„Ein wichtige Rolle spielt auch aggressive Werbung, die zum Kauf auf Pump animiert“, sagt Harmuth. Vor allem junge Leute verschulden sich beim Online-Handel und bei Telekommunikationsverträgen. Viele der jungen Leute werden vom Job-Center zur Schuldnerberatung geschickt.

„Die Überschuldung ist für die Betroffenen ein tiefer Einschnitt, sie fühlen sich abgestempelt und abgeschnitten vom normale Leben“, betont Harmuth. In den Gesprächen geht es nicht nur um konkrete Schritte zur Existenzsicherung, um den Schutz der Schuldner vor unberechtigten Gläubigerforderungen und um mögliche Wege, die Schulden zurückzuzahlen. „Vielfach ist die Schuldnerberatung auch eine umfassende Lebensberatung“, erläutert Harmuth, denn der große Druck der Schulden könne eine Chance sein zum Umdenken und zur Veränderung. 

In sechs Jahren schuldenfrei 

„Oftmals könnten wir besser helfen, wenn die Betroffenen zu uns kommen würden, sobald sich das Problem anbahnt“, sagt der Leiter der Caritas-Beratungsstelle. Meist kommen die Klienten aber erst, wenn sie eine Pfändungs- oder Räumungsklage in den Händen halten. Dann bleibt nur noch wenig Zeit, fristgerecht Einspruch einzulegen und mit den Gläubigern zu verhandeln. Gelingt keine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern, bleibt das Privat- bzw. Verbraucherinsolvenzverfahren. 

Auch hierbei ist eine Entschuldung möglich, selbst wenn die Schuldensumme nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt wird. Voraussetzung ist, dass der Schuldner über einen längeren Zeitraum intensive Bemühungen zur Tilgung seiner Schulden nachwiesen kann, die sogenannte Wohlverhaltensperiode. 

Mehr Geld vom Land 

Die Landesregierung hat die „siebte Verordnung zur Änderung der Ausführungsverordnung zur Insolvenzordnung“ auf den Weg gebracht, für einige Beratungsstellen könnte dies eine bessere finanzielle Ausstattung bedeuten.

„Wir bekommen seit 2008 eine Landesförderung von 79.000 Euro pro Jahr, dies entspricht 34 Prozent, 42 Prozent kommen aus der Kirchensteuer und Spenden und 24 Prozent sind kommunale Mittel wie vom Job-Center oder vom Fachdienst Soziales beim Landkreis“, erläutert Harmuth. Da künftig die Fallzahlen sowie die damit verbundenen Gläubigerzahlen zugrunde gelegt werden, könnte sich der Landeszuschuss für die Wittenberger Beratungsstelle auf 110.000 Euro erhöhen. 

Offene Sprechtage 

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in Wittenberg, Bürgermeisterstraße 12, vergibt Termine vorzugsweise nur nach Vereinbarung unter Tel.: 03491/41 10 40, E-Mail: Um niemanden wegschicken zu müssen, gibt es allerdings auch zwei offene Sprechtage: jeden ersten Dienstag im Monat von 15 bis 18 Uhr und jeden dritten Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. 

Für die Beratungsstelle in Gräfenhainichen (Sprechzeiten: jeden Montag von 13 bis 18 Uhr) können Termine unter 034953/390 87, E-Mail: vereinbart werden, für die in Jessen über die Beratungsstelle in Wittenberg.





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