14.02.2019

Die lutherischen Wurzeln in Wittenberg entdecken

Alte Lateinschule der ILSW hat einen neuen Direktor

Wittenberg (wg). Am 24. Februar wird Pfarrer Dr. Wilhelm Weber offiziell in sein Amt als neuer Geschäftsführer der International Lutheran Society of Wittenberg (ILSW) und damit als Direktor der Alten Lateinschule eingeführt. Die 2007 gegründete ILSW hatte das Objekt in der Jüdenstraße 38 restauriert und zu einem christlichen Besucherzentrum profiliert. 

Seit der Einweihung im Mai 2015 hat sich das Internationale Lutherische Zentrum in die Wittenberger Kirchenlandschaft integriert, mit den Nachbarn – der Stadtkirchengemeinde, dem Wittenberg-Zentrum des Lutherischen Weltbundes (LWB) und dem Colleg-Wittenberg – werden gute und enge Kontakte gepflegt.

„Wir bieten Raum zum Lernen für Studenten, zur Fort- und Weiterbildung für Doktoranden und Pfarrer und wir sind sowohl eine Anlaufstelle für lutherische Besucher unserer Mitgliedskirchen aus aller Welt als auch für interessierte Wittenberger“, erklärt Pfarrer Weber im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die Tür im Erdgeschoss Richtung Stadtkirche ist auch im Winter stets geöffnet als Zeichen, dass Gäste willkommen sind und dass sich die Alte Lateinschule in die Stadtgesellschaft öffnen möchte. 

Aktuell läuft ein Leitungskurs für Bischöfe aus sechs afrikanischen Ländern. In diesem Jahr wird es Kurse für Theologen aus Kirchen geben, die im 1993 gegründeten International Lutheran Council (ILC) organisiert sind, dem zweitgrößte lutherischen Bund nach dem LWB. Neben den Regionaltreffen in Afrika, Ost- und Südasien, Europa, Lateinamerika, Nordamerika und Australien gibt es internationale Treffen wie in Wittenberg. 

Intensiviert werden soll der Studentenaustausch mit den zehn Concordia-Universities in den USA, Zielgruppe sind Bachelor-Studenten, die in Wittenberg Kurse zur Reformationsgeschichte, deutsche Sprache und europäische Kulturgeschichte absolvieren wollen. „Dabei arbeiten wir eng mit dem Colleg Wittenberg zusammen, dass die Buchungen organisiert“, sagt Pfarrer Weber. 

Aufgrund der zentralen Lage wird die Alte Lateinschule auch gern von Einzelgästen gebucht. Für Fortbildungen, Seminare und Gemeindefreizeiten stehen steht ein Tagungsraum mit Teeküche, Beamer und Whiteboard für 50 Personen zur Verfügung. In der Kapelle mit kleiner Orgel und Taufbecken finden weitere 50 Personen Platz, hier hält Pfarrer Weber jeden Sonntag ab 8.30 Uhr Gottesdienste, es kommen Touristen und Einheimische, eine feste Gemeinde gibt es nicht.

„Es geht uns nicht um die Pflege des musealen Erbes, sondern um den lebendigen lutherischen Glauben“, betont Weber, „dies verbindet uns mit dem LWB.“ Wie sehr das Luthertum weltweit lebt, zeigt vor allem Afrika, die bedeutendsten lutherischen Kirchen befinden sich neben Südafrika und Namibia in Äthiopien, Tansania, Madagaskar und Nigeria. „Für die lutherischen Christen weltweit bedeutet Wittenberg Heimat und Wurzel“, sagt Weber, „für sie ist Wittenberg eine bedeutende Stadt.“

Von Südafrika nach Wittenberg

Pfarrer Wilhelm Weber ist Südafrikaner in der fünften Generation, seine Vorfahren väterlicherseits aus Detmold in Ostwestfalen-Lippe brachen 1862 nach Südafrika auf, beeinflusst von Ludwig Harms, dem Erweckungsprediger und Begründer der Hermannsburger Mission. „Die Söhne kamen zum Theologiestudium nach Deutschland und haben hier geheiratet“, berichtet Weber, der selber in Oberursel und Erlangen studiert hat. 

Weber hat in Südafrikas Hauptstadt Pretoria ein lutherisches Seminar geleitet und verfügt über langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Theologen, außerdem war er dort Bischof. Aufgrund seines Studiums kennt er viele Pfarrer der SELK und durch den ILC ist er mit Lutheranern aus aller Welt vernetzt. Dass Weber Englisch und Deutsch perfekt beherrscht, prädestiniert ihn für die Leitung des christlichen Begegnungszentrums in der Alten Lateinschule. 

Zu tiefsten DDR-Zeiten im Winter 1986 war er zum ersten Mal in der Lutherstadt, alles war verschlossen, aber ein freundlicher Mitarbeiter der Stadtkirchengemeinde öffnete extra Luthers Predigtkirche. Danach war er häufiger in Wittenberg und zum Reformationsjubiläum 2017 ohnehin. „Die Menschen waren damals privat sehr angenehm, nur in den Geschäften und bei offiziellen Anlässen ging es sehr steif zu“, erinnert sich Pfarrer Weber. 

Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt, dem Slogan der Wittenberg Marketing GmbH „Wittenberg – schön wie nie!“ könne er nur zustimmen. Die Wittenberger seien höflich, entgegenkommend und hilfsbereit. Wittenberg und auch das Umland hätten viel Sehenswertes zu bieten, auch das kulturelle Angebot sei groß. 

Weber und Ehefrau Angelika haben die Dienstwohnung im Obergeschoss der Alten Lateinschule bezogen, sie unterrichtet Deutsch und Englisch an der Evangelischen Gesamtschule, dort hält ihr Mann wöchentlich Andachten ab.

Einführung ins Amt 

Als Webers Vorgängerin Kristin Lange aus den USA im Mai 2018 offiziell verabschiedet wurde, war Wilhelm Weber bereits in Wittenberg, ging dann aber nach Südafrika zurück, um die Arbeitserlaubnis abzuwarten. Deshalb hatte bis auf Weiteres Ulrich Schroeder von der SELK in Dresden die Amtsgeschäfte geführt. 

Vorgängerin Lange zog es mit ihrem Mann nach Südafrika, wo sie in einer kleinen Gemeinde namens Wittenberg gelandet ist. „Weil wir keine zwei Feiern in einem Jahr durchführen wollten auch mit Rücksicht auf Gäste, die aus den USA anreisen, haben wir die Einführung auf 2019 verschoben“, so Weber. 

Hintergrund 

Die Alte Lateinschule ist ein deutsch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) mit Hauptsitz in Hannover und der US-Kirchenvereinigung Missouri Synod (St. Louis), beide sind Mitglieder des ILC. Das Besucherzentrum für Gäste aus aller Welt und vor allem aus den USA wird gebucht über das „Colleg Wittenberg“ in der Jüdenstraße 8, das für das Haus noch weitere Dienstleistungen übernommen hat.




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