31.01.2019

Nur die denkmalgerechte Küchenzeile fehlt noch

Restaurierung der Christuskirche ist fast abgeschlossen

Wittenberg (wg). „Eine Küche in der Kirche dürfte einmalig sein“, sagt Gisela Kummetz im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die Vorsitzende des Gemeindebeirates der zum Kirchspiel Dobien gehörenden Christuskirche in Wittenberg West arbeitet mit weiteren Mitstreitern an einer Ausstellung zur Geschichte des Gotteshauses, die vor dem 111. Geburtstag am 8. November des Jahres eröffnet werden soll. 

Die Küchenzeile, die nach Maß und in Abstimmung mit dem Denkmalschutz gefertigt wird, ist aufklappbar und enthält Kochplatten, Kühlschrank, Spüle und Ablagen. „Der Kücheneinbau ist die letzte Maßnahme der Sanierung und Renovierung der Winterkirche, die Anfang November 2018 startete“, berichtet Pfarrer Hans-Jakob Schröter. Die Küche soll für Veranstaltungen wie die Konzertreihe „Musik auf der Empore“ genutzt werden, aber auch nach Gottesdiensten zum Kirchen-Kaffee einladen. 

Die Winterkirche entstand 1963 unter der Ägide von Pfarrer Friedrich Wilhelm Krosch, dem Vater von Gisela Kummetz. „Weil die Heizung im großen Kirchenhauptschiff defekt war und es an Geld und Material für eine Reparatur mangelte, wurde die Winterkirche abgetrennt“, so Kummetz. Nach der Restaurierung tritt deutlicher hervor, dass die Winterkirche Teil der ganzen Kirche ist und doch auch ein Raum, der für sich wirkt. 

Unter anderem wurde der Boden überarbeitet: Als die Winterkirche unter der Orgelempore vom Hauptschiff abtrennt wurde, befanden sich dort vorher Kirchenbänke und Beton. Der Beton wurde entfernt und durch Sechskantsteine ersetzt, die sich bereits in Teilen der Winterkirche sowie im Hauptschiff befanden. Sie wurden eigens in Süddeutschland nachgebrannt. Neu ist das Holzkreuz des Jessener Holzbildhauers Klaus Kuhrmann, die Gemeinde will die Leihgabe erwerben. 

Die Kassettendecke sowie die Säulen in der Winterkirche wurden von einem Restaurator in den Originalzustand gebracht und nach den Vorbildern im Hauptschiff bemalt. Neue Heizkörper, neue Fenster und die komplett überarbeitete Elektrik runden die Sanierungsmaßnahmen ab, wozu auch der Einbau einer Toilette gehört, alles in allem wurden rund 120.000 Euro investiert. 

Wettbewerb für neues Altarraumfenster 

Pfarrer Hans-Jakob Schröter und die Kirchgemeinde haben die nächsten Projekte bereits im Blick: Die Westfassade muss gemacht werden, ebenso Dach und Giebel. Krönender Abschluss soll die Öffnung des zugemauerten Fensters im Altarraum sein. Das ursprünglich farbenstarke Glasbild, welches die Himmelfahrt Christi darstellte, musste 1963 wegen Vandalismus und Materialmangels zugemauert werden. 

Für die Gestaltung des neuen Fensters möchte Pfarrer Schröter einen künstlerischen Wettbewerb ausloben. Auf der Nordseite der Kirche wurden beim Explosionsunglück im WASAG-Sprengstoffwerk in Reinsdorf am 13. Juni 1935 aufgrund der Druckwelle alle Fenster zerstört und durch neue ersetzt, die auf der Nordseite blieben intakt und bilden deshalb den Originalzustand ab. Da perspektivisch auch die Fenster erneuert werden sollen, muss der Denkmalschutz entscheiden, welcher Fenstervariante der Vorzug gegeben wird. 

„Das Gelände rings um die Kirche wurde erst ab den 1950er Jahren durch die Genossenschaft bebaut“, erinnert sich Klaus-Jürgen Kummetz, „so dass die Druckwelle ungehindert die Kirche erreichte.“ Auf dem Areal vor der Kirche befand sich im Ersten Weltkrieg das große Kriegsgefangenenlager, die vom Haus der Geschichte dazu erarbeitete Wanderausstellung wird im Sommer drei Monate lang in der Christuskirche gezeigt werden. 

Kirche im Baustil des Eklektizismus 

Anschließend widmet sich eine Sonderausstellung der Geschichte der Christuskirche, deren Grundstein am 19. September 1907 gelegt wurde und die bereits am 8. November 1908 geweiht werden konnte. Gisela Kummetz und Mitstreiter arbeiten sich derzeit durch die Archive, wenn sie Probleme haben, Sütterlin-Handschriften zu entziffern, fragen sie Pfarrer Schröter, denn der absolvierte vor dem Theologiestudium eine Ausbildung als Archivar am Domstiftsarchiv Brandenburg. 

Die Christuskirche, der erste evangelische Neubau nach der Reformation in Wittenberg, beinhaltet neben Gotik und Renaissance auch Manierismus, Barock, Historismus, Jugendstil und Orientalismus, bezeichnet wird dieser Baustil als Eklektizismus. Die orientalischen Symbole stammen von August Oetken aus Berlin, zu seiner Zeit ein berühmter Maler. 

„Für unsere Ausstellung suchen wir vor allem alte Fotos, die die Christuskirche von innen zeigen“, berichtet Gisela Kummetz. Außerdem fehlen dem Ausstellungsteam Fotos von Pfarrer Kolbe, der bis 1962 an der Christuskirche war. Wer mit Fotos und alten Dokumenten weiterhelfen kann, wendet sich bitte an folgende E-Mail:




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