30.01.2019

Früherkennung von Beeinträchtigungen und Defiziten

Gesundheitsamt untersuchte dreijährige Kita-Kinder

Wittenberg (wg). „Durch kostengünstige Prävention und frühzeitige Intervention lässt sich viel Geld sparen“, erklärt Dr. Michael Hable, Leiter des Fachdienstes Gesundheit beim Landkreis Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Ziel sei es, Kinder mit Entwicklungsrückständen rechtzeitig so zu fördern, dass sie schnell das altersgerechte Level erreichen – für einen guten Schulstart und eine gelingende Schullaufbahn.

Die sozialstaatliche Alimentierung von mehr als zehn Prozent Schulabbrechern/Schulversagern pro Jahr ist deutlich teurer als frühzeitige Prävention. 

Erstmalig hat der Fachdienst von Mai bis Ende 2018 im Rahmen einer Pilotphase 172 Kinder im vierten Lebensjahr in 16 Kindergärten untersucht, unter anderem in Wittenberg, Jessen, Wörlitz und Oranienbaum. „Die Resonanz bei den Eltern und den Erzieherinnen war sehr positiv“, bestätigt Hable. Bei den Untersuchungen waren die Erzieherinnen dabei, auf Wunsch auch die Eltern. 

Normalerweise wird die körperliche, geistige und soziale Entwicklung des Kindes ein Jahr vor der Einschulung durchgeführt, wenn die Kinder fünf oder sechs Jahre alt sind. Um Defizite und Auffälligkeiten durch spezielle Therapien oder Fördermaßnahmen zu beheben, ist die Zeit bis zum Schulstart oft viel zu kurz.

„Die Weichen für eine altersgerechte Entwicklung werden in der Frühkindheit gestellt“, erläutert der Amtsarzt. „Bei Untersuchungen von Dreijährigen haben die Kinder viel mehr Zeit, um mögliche Rückstände aufzuholen, wir erhoffen uns davon auch eine deutliche Verbesserung der Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen.“ 

Sprachtherapie für jedes fünfte Kind

Die Untersuchung erfolgt spielerisch und kindgerecht, beurteilt werden Sehen, Hören, Gewicht, Fein- und Grobmotorik, Sprachentwicklung und Verhalten. 33,9 Prozent der untersuchten Kinder weisen Defizite in der Artikulation auf, für 20,5 Prozent wurde eine Förderempfehlung für Sprachtherapie ausgesprochen. 

Die weiteren Befunde: 17,1 Prozent Sehstörungen, 15,4 Prozent Hörstörungen sowie 14,3 Prozent Übergewicht und Adipositas. 16,4 Prozent der Kinder weisen Störungen der Feinmotorik und immerhin noch 8,8 Prozent der Grobmotorik auf. Bei 8,2 Prozent der Kinder wurde ein geistiger Entwicklungsrückstand festgestellt und bei 10,8 Prozent ein sozio-emotionaler Rückstand. 

Entsprechend der Befunde wurden Förderempfehlungen für Ergotherapie (5,8 Prozent), ambulante Frühförderung (12,3 Prozent) und für die integrative Frühförderung (2,3 Prozent) ausgesprochen. Bei Beeinträchtigung durch Sehschäden wurden Überweisungen an den Augenarzt (9,4 Prozent) und bei Beeinträchtigungen durch Hörschäden an den HNO-Arzt (11,2 Prozent) ausgestellt. 

Für 85,4 Prozent der Kinder legten die Eltern das U-Heft vor, bei 71,2 Prozent ist der Vorsorgestatus komplett, bei 28,8 Prozent nicht. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt die Teilnahme an den von den Krankenkassen finanzierten Vorsorgeuntersuchungen (sog. U-Untersuchungen) ab. 

Untersuchungen werden fortgeführt 

Die ausgewerteten Ergebnisse wurden vor wenigen Tagen der Vertretung der Kita-Eltern und den Kita-Trägern vorgestellt, im April ist eine Präsentation im Gesundheitsausschuss vorgesehen. Gesetzliche Grundlage der Untersuchung ist Paragraph 18 des Kinder-Förderungs-Gesetzes (KiFöG). 

Obwohl eine Pflichtaufgabe, führen nur wenige Landkreise diese Untersuchung durch, für die der Kreistag sogar eine zusätzliche Kinderarztstelle bewilligt hat. „Nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase werden wir diese Untersuchungen fortführen“, kündigt Hable an, „und dabei eine Auswahl treffen, Schwerpunkt sind Kitas mit vielen Problemkindern.“ 

Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig: „Bei Weigerungen durch die Eltern werden von uns die Gründe hinterfragt, denn das Kindswohl steht im Vordergrund.“ In der Pilotphase gab es nur in einem einzigen Fall eine Weigerung.





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