29.01.2019

Juliane Nitschke ist Respekt Coach am LMG

„Lass uns reden! Reden bringt Respekt“

Wittenberg (wg). „Das Projekt ‚Respekt Coaches’ ist für uns ein wichtiges Instrument der Primärprävention, mit der wir viele Schüler erreichen können“, erklärt Anja Aichinger, Leiterin des Luther-Melanchthon-Gymnasiums. Das LMG gehört zu den bundesweit 200 Schulen, die für das vom Bundesfamilienministerium finanzierte Projekt ausgewählt worden sind.

Kooperationspartner vor Ort sind der Landkreis als Schulträger und der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Unser Jugendmigrationsdienst hat für dieses Projekt die fachlichen Vorarbeiten geleistet“, berichtet AWO-Geschäftsführerin Corinna Reinecke.

„Wir haben uns mehrfach für Sozialarbeit an Schulen beworben, sind aber leider aus der Förderung herausgefallen“, bedauert Aichinger. Im Landkreis Wittenberg hat nur das Gymnasium Jessen eine entsprechende Stelle bewilligt bekommen. 

 „Die Notwendigkeit für Schulsozialarbeit hat weder mit der Schulform zu tun noch mit dem angestrebten Schulabschluss, denn auch an Gymnasien gibt es junge Menschen mit vielfältigen Problemlagen, deren Lösung zur Verbesserung der schulischen Leistungen beitragen würde“, so Aichinger. Umso erfreulicher sei es, in dem neuen Programm auch dank der Unterstützung durch die AWO berücksichtigt worden zu sein.

„Gut an dem Programm ist, dass es sich nicht auf einige wenige Problemfälle fokussiert, sondern alle Schüler im Blick hat“, betont Aichinger, „ein positiver, nach vorne schauender Ansatz, der das Miteinander im Sinne eines guten Schulklimas befördern wird.“ Klassenstärkung sowie Konfliktregelung/Schlichtung werden denn auch am LMG die Schwerpunkte des Projekts sein. 

Als Respekt Coach ist Juliane Nitschke am LMG tätig, studierte Diplom-Kulturpädagogin mit den Schwerpunkten politische Bildungsarbeit, interkulturelle Arbeit und Tanztheater. „Lass uns reden! Reden bringt Respekt“, lautet das Motto des Projekts. „Das passt optimal zu unserem Motto ‚Zum Gespräch geboren’, das auf Philipp Melanchthon Bezug nimmt“, erklärt Aichinger. 

Juliane Nitschke hat zwar Angebote und Konzepte im Kopf, sie will aber erstmal herausfinden: „Was stellen sich die Schüler unter Respekt Coaches vor, was brauchen sie, wo gibt es Probleme?“ In allen Klassen hätten die Schüler den Wunsch nach einem wertvollen und achtsamen Umgang miteinander geäußert – in der Schule, auf dem Schulhof und in der Freizeit. 

„Es geht auch um den respektvollen Umgang in der WhatsApp-Gruppe“, sagt Nitschke. Die Schüler wünschten sich eine Art Schul-Knigge. Außerdem will Nitschke in den neunten und zehnten Klassen Jugend-Respekt-Coaches als Multiplikatoren ausbilden, die in den Schulpausen und im Schüler-Café tätig werden.

Demokratieförderung und Demokratieerziehung gehören ebenfalls zum Projekt: „In den Klassen sollen die Schüler ihre Probleme und Konflikte auch ohne Lehrer lösen können“, erläutert Nitschke. Respektvoller Umgang heißt nicht das Verdrängen von Konflikten, aber die Förderung von Dialog- und Konfliktfähigkeit. Die Schüler sollen einen Klassenrat mit Vorsitzendem, Stellvertreter, Regelwächter und Protokollant bilden, der dann in eigener Regie den Konsens herstellt. 

In den fünften und sechsten Klassen geht es vor allem um gewaltfreie Kommunikation und die Entwicklung einer positiven Streitkultur. Anwenden will Nitschke das Konzept nach Marshall B. Rosenberg (Giraffensprache vs. Wolfssprache), bei dem es um empathisches Zuhören als Grundvoraussetzung für eine gelungene und friedliche Kommunikation geht. 

In Fällen von Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung wird der Respekt Coach ebenfalls tätig und ermutigt die Schüler, sich solchen Positionen mit guten Argumenten entgegenzustellen. Niemand, so Nitschke, dürfe diskriminiert werden, weil er anders sei. Es gehe darum, jungen Menschen die Werte einer demokratischen und offenen Gesellschaft zu vermitteln, um sie gegen menschenfeindliche Ideologien stark zu machen.

Die Gesellschaft, so Schulleiterin Aichinger, werde immer egozentrischer, umso wichtiger sei es, Kommunikation und soziales Miteinander als wichtige Schüsselkompetenzen - auch als Leitbild des LMG - zu vermitteln. Wohin die Unfähigkeit zur Kommunikation und Empathie führe, sähe man in den aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, vor allem aber in den sozialen Netzwerken.

„Hochschulreife bedeutet heute etwas ganz anderes als noch vor 30 Jahren“, resümiert Aichinger. „Nobelpreise werden im Team gewonnen, nicht als Einzelkämpfer, deshalb müssen unsere Schüler lernen, ihren Komfortbereich zu verlassen und mit anderen zu kooperieren, unabhängig von Sympathie oder Antipathie.“




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