23.01.2019

Kitawerk Wittenberg will mit Arbeitgebern Netzwerk aufbauen

Berufstätige Eltern brauchen verlässliche Kinderbetreuung

Wittenberg (wg). „Die verlängerten Öffnungszeiten in der Kita ‚Struppis Rappelkiste’ sind in 2019 gesichert, das Bundesfamilienministerium hat das Förderprogramm ‚Kita plus’ um ein Jahr verlängert, unser Förderantrag wurde bewilligt“, bestätigt Sabine Lühnsdorf, Geschäftsführerin des Kindertagesstättenwerkes e.V. Lutherstadt Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die vorübergehend ausgesetzte Betreuung alle 14 Tage an den Wochenenden werde ab Februar/März des Jahres wieder aufgenommen.

Das 2016 für die Dauer von drei Jahren aufgelegte Programm „Kita plus“ war zum 31. Dezember 2018 abgelaufen, eine weitere Verlängerung ungewiss. Der Fachdienst Jugend und Schule beim Landkreis hatte im November 2018 unter den Eltern, deren Kinder die Kita „Struppis Rappelkiste“ und die Kita „Wortschatzpiraten“ (die ebenfalls verlängerte Öffnungszeiten hat, finanziert über LEQ) besuchen, eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis: 28 Eltern meldeten dringlichen Bedarf an verlängerten Öffnungszeiten an, zehn Kinder stehen zusätzlich auf der Warteliste. 

Die Familienstrukturen ändern sich, oft liegen Arbeitszeiten außerhalb klassischer Kita-Öffnungszeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zunehmend problematisch. Bedarfe haben vor allem Mitarbeiter der Kliniken und Pflegeheime, der Bundeswehr in Holzdorf, Callcenter, Handel, Tourismus sowie der Polizei. 

„Die Verlängerung von ‚Kita plus’ um ein Jahr ist zu begrüßen, aber am 31. Dezember 2019 ist endgültig Schluss, wir brauchen also eine Lösung, um das Angebot verlängerter Kita-Öffnungszeiten zu verstetigen“, betont Lühnsdorf. Dazu suche man die Kooperation mit örtlichen Unternehmen, um ein Netzwerk aufzubauen: Arbeitgeber, deren Mitarbeiter Bedarf haben, reservieren im Kindergarten Belegplätze und beteiligen sich mit einem Zuschuss an den zusätzlichen Kosten.

„Wir werden das Angebot verlängerter Öffnungszeiten in beiden Kitas erhalten und sogar ausbauen“, so Lühnsdorf. In vielen Firmen stünde ein Generationswechsel an. „Die Politik lamentiert oft über den Fachkräftemangel, eine gute und flexible Kinderbetreuung ist aber ein absolutes Muss, wenn sich junge Familien hier verwurzeln sollen“, erklärt Sven Schiller, stellvertretender Kitawerk-Geschäftsführer. „Auf der einen Seite jammern, auf der anderen Seite bewährte Förderprogramme abschaffen, das ist ein Widerspruch und lässt jede Nachhaltigkeit vermissen.“ 

Als das Programm „Kita plus“ 2016 startete, war die Kita „Struppis Rappelkiste“ von Anfang an dabei. „Viele Eltern haben ihre Kinder wegen der verlängerten Öffnungszeiten bei uns angemeldet“, berichtet Lühnsdorf. Entsprechende Bedarfe gebe es nicht nur bei Kindergartenkindern, sondern auch bei Hortkindern, nennt Lühnsdorf das Beispiel einer Eisverkäuferin, die in den Sommermonaten bis 20 Uhr arbeiten muss. 

Über das Bundesprogramm werden die zusätzlichen Personal- und Sachkosten gefördert, wurde ein Extra-Schlafraum, eine Kinderküche und Extra-Toilette eingerichtet und finanziert. Die Kinder bekommen Abendbrot und haben Schlafmöglichkeiten, so dass sie entspannt an die Eltern übergeben werden können. Auch in den verlängerten Öffnungszeiten ist eine hohe Betreuungsqualität durch Fachpersonal gesichert. 

Von verlängerten Kita-Öffnungszeiten profitieren alle Beteiligten: Die Eltern können arbeiten gehen und müssen sich nicht zwischen der unzeitgemäßen Alternative Kind oder Beruf entscheiden, die Firmen können leichter Fachkräfte gewinnen bzw. halten, die Kinder bleiben an vertrautem Ort bei vertrauten Erziehern und die Kommunen haben einen Standortvorteil.

Für die Zukunft Personal sichern

„Auch unsere Erzieherinnen und Erzieher müssen abends und an den Wochenenden länger arbeiten, das ist keine Selbstverständlichkeit, denn 40 Prozent unserer Kollegen haben selbst Familien“, betont Lühnsdorf. Zur Zeit habe man keinen Personalmangel, müsse aber vorsorgen: Sieben bis acht Kolleginnen pro Jahr befänden sich in der Mutterschaftskarenz und in den nächsten Jahren gehen circa 15 Mitarbeiter in den Ruhestand. 

Einige Kollegen absolvierten als Quereinsteiger ihre vierjährige Ausbildung berufsbegleitend, sie seien für alle Kita-Träger unverzichtbar, gleichwohl sei die Finanzierung gefährdet, weil die Städte dem vom Landkreis erarbeiteten Kriterienkatalog so nicht zugestimmt und die entsprechende Kostenstelle gestrichen haben. „Das ist sehr kurzsichtig gedacht“, kritisiert Lühnsdorf. 

Neues Profil: Montessori-Kinderhaus 

Nach der erfolgreichen Zertifizierung der Kita „Benjamin Blümchen“ als Kneipp-Kita (der Wittenberger Sonntag berichtete) steht in den nächsten beiden Jahren die Profilierung der Kita „Wortschatzpiraten“ als Montessori-Kita an. Mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter sollen berufsbegleitend die Montessori-Diplomausbildung absolvieren. 

Gemäß dem Leitsatz der Reformpädagogin Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“, ist es das Ziel, die Kinder von Beginn an in ihrer Eigenverantwortung zu unterstützen und ihre Selbständigkeit zu fördern. Kinder werden so selbst aktiv und lernen zu hinterfragen: Wie funktioniert das? Woher kommt das?

Hinweis 

Die Kita „Struppis Rappelkiste“ in der Otto Nuschke Straße 20 hat Montag bis Freitag von 5.30 bis 21 Uhr sowie alle 14 Tage Samstag und Sonntag von 6 bis 14.30 Uhr geöffnet. Die Kita „Wortschatzpiraten“ in der Schillerstraße 45 hat Montag bis Freitag von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Hier werden die verlängerten Öffnungszeiten nicht über „Kita plus“, sondern über die LEQ (Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsvereinbarung) finanziert.




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