21.01.2019

Junger Afghane lernt in Zahna Industriekeramiker

Mit „Meine Chance“ erfolgreich in die Ausbildung

Zahna (wg). „Wir konnten trotz Bedarfs in den vergangenen drei Jahren keinen Lehrling zum Industriekeramiker ausbilden“, berichtet Diplom-Ingenieur Marco Wissing, Betriebsleiter der Zahna-Fliesen GmbH, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Jetzt haben wir drei Azubis aus Afghanistan, die über das Projekt ‚Meine Chance’ den Weg zu uns gefunden haben.“ Mit Blick auf den Fachkräftemangel sei es sehr wichtig gewesen, die drei Lehrstellen endlich besetzen zu können. 

„Die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt ist für die Integration in die Gesellschaft entscheidend“, erklärt Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann (CDU). Landkreis, Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter hätten deshalb als die laut Sozialgesetzbuch zuständigen Rechtskreise die Entscheidung getroffen, sich enger zu vernetzen, um entsprechende Unterstützungsangebote für eine erfolgreiche Ausbildung Geflüchteter/Migranten zu entwickeln. 

„Die drei jungen Afghanen, die sich bei uns vorgestellt haben und von uns genommen wurden, waren sehr gut auf die Vorstellungsgespräche vorbereitet gewesen“, lobt Keramikmeister Tobias Richter. Die drei Azubis verfügten über ein gutes Auftreten, seien sehr pünktlich und hoch motiviert. 

Einer von ihnen ist der 19-jährige Farshid Nabizada, der 2016 als unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber nach Deutschland kam. „Ich bin in dem Unternehmen, aber auch in der Berufsschule in Hermsdorf sehr gut aufgenommen worden“, freut sich Nabizada, der in seinem Heimatland in einer ähnlichen Branche bereits ein Praktikum absolvierte. Sechs Wochen Arbeit wechseln mit zwei Wochen Berufsschule, wobei Nabizada im thüringischen Hermsdorf in einem Internat wohnt. 

Den Realschulabschluss geschafft

In seinem Heimatland besuchte Nabizada neun Jahre die Schule, entsprechende Dokumente konnte er auf der Flucht nicht mitnehmen. An der Berufsschule Wittenberg absolvierte er den Hauptschulabschluss, besuchte die Berufsfachschule Technik und schaffte den Realschulabschluss, besonders gute Leistungen zeigte er im Fach Mathematik. 

Im März 2018 stieg er in das Projekt „Meine Chance“ ein. „Wir holen jeden Teilnehmer dort ab, wo er steht“, betont Manuela Meyer, Assistentin der Geschäftsführung der GfM Geschäftsführungs- und Verwaltungs GmbH, die Nabizada „Selbstvertrauen, Zielstrebigkeit und Zuverlässigkeit“ bescheinigt. 

„Es wurde für Nabizada ein Integrationsförderplan erstellt“, berichtet Doreen Hummel, die das Projekt seitens der AWO betreut und seit vielen Jahren den AWO-Jugendmigrationsdienst leitet. Im Rahmen des Förderplans nahm er am Berufschoaching teil und absolvierte ein Seminar zum Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräch. 

„Er hat in kürzester Zeit die sprachlichen und formalen Voraussetzungen für die Aufnahme einer anspruchsvollen betrieblichen Ausbildung geschafft“, so Hummel. Am 3. August 2018 konnte er seine Ausbildung zum Industriekeramiker in der Zahna-Fliesen GmbH beginnen und wird im Rahmen der Nachbetreuung weiterhin von den beiden Sozialarbeitern Anush Petrosyan und Michael Fink aktiv unterstützt.

Sowohl der Werksleiter als auch der Keramikmeister sind zuversichtlich, dass die drei jungen Afghanen die Ausbildung schaffen, anschließend würden sie von der Zahna-Fliesen GmbH übernommen. Da die drei Geflüchteten inzwischen volljährig sind, unterliegen sie nicht mehr der Obhut des Jugendamtes, sondern der des Fachdienstes Asyl, das heißt, sie brauchen eine eigene, bezahlbare Wohnung in der Nähe des Arbeitgebers, denn alle drei haben (noch) keinen Führerschein. 

„Wir werden eine Lösung finden, eine dezentrale Unterbringung in den Asylbewerberunterkünften in Holzdorf oder Vockerode kommt nicht in Frage“, versichert Vizelandrat Hartmann. Ohne gesicherten Aufenthaltsstatus dürfen sich die Drei keine eigene Wohnung suchen, darüber entscheidet nicht der Landkreis, sondern das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). 

Projekt „Meine Chance“ 

Angesiedelt ist das Projekt „Meine Chance“ bei der von Birgit Röse geleiteten Koordinierungsstelle RÜMSA („Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt“) im Fachdienst Jugend und Schule, mit dem Projekt beauftragt wurde der Kooperationsverbund aus GfM und dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Projektstart war im Oktober 2017.

Während des Projekts werden individuelle Kompetenzen festgestellt und gestärkt, berufsbezogene Sprachförderung und Seminare durchgeführt, es werden Betriebe besichtigt und Bewerbungstraining geschult, außerdem Praxistage und Praktika absolviert.




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