Für Ehrengast Claudia Pechstein gab es bei der 20. Sport-Gala des Kreissportbundes im Stadthaus von den 350 Gästen gleich zweimal Standing Ovations. Foto: Oleg Alimov

Für Ehrengast Claudia Pechstein gab es bei der 20. Sport-Gala des Kreissportbundes im Stadthaus von den 350 Gästen gleich zweimal Standing Ovations. Foto: Oleg Alimov

20.01.2019

„Wittenberger Sportring“ für Bärbel Färbers Lebensleistung

20. Sport-Gala des KSB: Standing Ovations für Claudia Pechstein

Wittenberg (wg). Zweimal Standing Ovations für den Ehrengast des Sports gab es noch nie, am Samstagabend bei der 20. Sport-Gala des Kreissportbundes (KSB) Wittenberg wurde die Eisschnelllauf-Legende Claudia Pechstein von den 350 Gästen im Stadthaus (ausverkauft) begeistert gefeiert. 

Als „Ausnahmeerscheinung“ kündigte RTL-Sportreporter Andreas von Thien die 46-Jährige an, „die alles gewonnen hat, was ein Athlet gewinnen kann, die aber auch alle Höhen und Tiefen durchlebt hat.“ Obwohl es nie Beweise, sondern nur Indizien gab, wurde sie 2009 wegen angeblichen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt, danach gelang ihr ein triumphales Comeback, obwohl die Konkurrentinnen deutlich jünger waren. 

Die erhöhten Werte wurden damals beim Weltcup im norwegischen Hamar festgestellt. „Ursache war eine seltene, vom Vater ererbte Blutanomalie“, erklärte Pechstein. Für den Weltverband ist sie bis heute eine Doperin und dagegen kämpft Pechstein mit allen juristischen Mitteln an – bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). 

Dort wollte sie geklärt haben, dass der Sportgerichtshof Cas nicht die Institution ist, die solche Fälle zu entscheiden hat, sondern – wie in ihrem Fall – ordentliche deutsche Gerichte als unabhängige Instanz, denn die Cas-Richter sind von den Verbänden berufen. 

„Für mich gibt es nur Siegen oder Sterben“, sagte Pechstein, ein Motto, das sie immer wieder motiviert, für Gerechtigkeit zu streiten. „Es war eine schwere Zeit bis hin zu Selbstmordgedanken“, blickte die älteste Weltcup-Siegerin zurück, die in ihrer Karriere bislang 42-mal Edelmetall erkämpfte. 

Der EGMR hat ihre Beschwerde gegen Cas zurückgewiesen, der Kampf geht weiter, denn beim Bundesverfassungsgericht ist ebenfalls noch eine Klage anhängig, sie liegt dort seit zwei Jahren sprichwörtlich auf Eis. 2022 will sie unbedingt an den Olympischen Winterspielen in Peking teilnehmen, es wäre ihre achte Olympiade und damit weltweit Rekord.

Dass sie sich für die Nationalmannschaft qualifiziert, ist durchaus gut möglich, denn auch hier ist sie alleinige Rekordhalterin: Bei den Deutschen Eisschnelllauf-Meisterschaften 2018 in Inzell feierte Pechstein trotz Rückenschmerzen Siege über 3.000 Meter und 5.000 Meter sowie beim Massenstart, es waren ihre nationalen Titel Nummer 35, 36 und 37. Doch zunächst geht sie bei der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft vom 7. bis 10. Februar in Inzell an den Start, hoffentlich ohne Rückenprobleme.

„Wittenberger Sportring“ für Bärbel Färber

Zweiter großer Höhepunkt der Sport-Gala war die Verleihung des „Wittenberger Sportrings“, mit dem die Lebensleistung im Dienste des Sports nunmehr zum 12. Mal gewürdigt wurde, die Jury wählte aus den acht Kandidaten Bärbel Färber vom SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz aus. 

„Jeder Kandidat hätte diese Auszeichnung verdient“, betonte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) in seiner Laudatio. „Bärbel Färber hat den Wettkampfsport immer mit dem Breitensport verbunden und dazu beigetragen, dass der Kampfsport zur Sportkultur in Wittenberg gehört.“ 2017 wurde die Wittenbergerin, die seit 1976 als Kampfsporttrainerin arbeitet, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

1995 gründete sie die Abteilung Karate, später Karate-Tai Chi und leitet diese seitdem. Sie war die erste Frauenreferentin beim Landeskarateverband und von 2006 bis 2010 KSB-Vizepräsidentin. Im vergangenen Jahr bestand sie mit 62 Jahren erfolgreich den fünften Dan Karate-Shotokan, dazu kommen drei Dan im Judo. Dreimal gewann sie die Bronzemedaille bei DDR-Meisterschaften im Judo. 

Ines Kramer, Finanzvorstand des Landessportbundes, hatte eine erfreuliche Information: „Ab 2020/21 erhalten die Kreis- und Stadtsportbünde höhere Zuweisungen.“ Dass die Digitalisierung mit Erfolg auch beim LSB angekommen ist, beweise der vor zwei Jahren konzipierte Sportatlas. „Damit sind wir als LSB in Deutschland führend“, erklärte Kramer. Im Sportatlas sind online sämtliche Sportstätten mit weiterführenden Informationen verortet wie zum Beispiel ÖPNV-Anbindung. 

Sehens- und hörenswertes Rahmenprogramm 

Annemarie und Sarah vom Lucas-Cranach-Gymnasium (10. Klasse), boten – auch das ein Novum bei der 20. Sport-Gala – einen musikalisch-emotionalen Auftakt mit „Peferct“ von Ed Sheeran und Andrea Bocelli, dafür gab es stürmischen Beifall. 

Diesen gab es auch für die beiden Showacts des Abends: Den Auftakt machte die Rad-Artistik-Gruppe „Cornelis“ aus dem nordsächsischen Süptitz, die sehenswerte Artistik auf Ein- und Spezialrädern boten – eine perfekte Kombination aus Balance und Kreativität. Die Rad-Artisten feiern 2019 ihren 50. Geburtstag. 

Der zweite Auftritt mit Judokas und Turnern vom SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz unter der Leitung von Angela Thiele verband Anmut, Grazie und Dynamik. Bei den gemeinsamen Darbietungen nach Musik blieb sich jede Sportart treu. 

Erfolgreiche Premiere im Stadthaus

Die 20. Auflage der Sport-Gala fand zum ersten Mal im Stadthaus statt, wo die Teams des Stadthauses und des KSB für einen reibungslosen Ablauf sorgten. In einem Rückblick auf der Leinwand passierten die vergangenen 20 Jahre Revue: Erinnert wurde an die Anfänge im Autohaus Warburg, damals moderiert von Ulli Potofski. Ab 2006 war die Sport-Gala zu Gast im Autohaus Moll, anfangs moderiert von Alexander von Groeben und dann von Andreas von Thien, der der Gala seit elf Jahren die Treue hält.




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