17.01.2019

Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes bleibt die Herausforderung

Neujahrsempfang des Augustinuswerkes in der Hauptwerkstatt

Wittenberg (wg). „Wir wollen und werden die erste Einrichtung im Landkreis Wittenberg sein, die stationäre Heimplätze für Menschen mit Behinderungen abschafft“, kündigte Matthias Monecke, Vorstand des Augustinuswerkes, Mittwochabend beim Neujahrsempfang in der Hauptwerkstatt für behinderte Menschen an. 2019 werde wie schon 2018 ganz im Zeichen der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) stehen. 

Ziel des BTHG ist es, dass aus Objekten der Fürsorge selbstbestimmte Subjekte werden, der Vorrang der Ambulantisierung ist rechtlich verpflichtend. „Warum im Heim leben, wenn es auch anders geht“, beschrieb Monecke den mit dem BTHG verbundenen Paradigmenwechsel. Die Klienten sollen künftig mitten in den Wohngebieten leben und an der Gesellschaft teilhaben. 

Nach Jahren überaus intensiver Bautätigkeiten will das Augustinuswerk erstmal nicht mehr selber bauen, hat dafür aber einen potenten Geldgeber gefunden, mit dessen Hilfe in den nächsten zwei Jahren rund 15 Millionen Euro investiert werden sollen, um unter anderem auch für Schwer(st)behinderte kleine Wohngruppen in den Stadtquartieren zu schaffen. 

„Wir werden Leistungen dort anbieten, wo die Menschen sie benötigen“, betonte Monecke. 2019 werde genauso anstrengend wie 2018, denn die mit der Umsetzung des BTHG verbundenen Umstrukturierungen von stationär auf ambulant erforderten sehr viel Kraft und einen langen Atem. Stadt und Kreis Wittenberg seien in Sachen Inklusion bereits sehr gut aufgestellt. 

Ausdrücklich dankte Monecke den Leitungskräften sowie allen Mitarbeitern für die positive Entwicklung des Augustinuswerkes in den vergangenen Jahren, ohne die das enorme Wachstum des Trägers nicht möglich gewesen wäre. Die Mitarbeiter in den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) mitgezählt, ist das Augustinuswerk einer der größten Arbeitgeber in der Region. 

Mehr Lohn für behinderte Mitarbeiter 

Aber werden die Mitarbeiter in den WfbM mit einem Taschengeld von rund 150 Euro im Monat angemessen entlohnt, obwohl sie jeden Tag arbeiten? „Hier ist die Politik gefordert, Voraussetzungen zu schaffen, dass die Beschäftigten wenigstens in Höhe eines Minijobs entlohnt werden können“, appellierte Monecke. Als Träger stoße man da schnell an Grenzen, weil man nicht mehr zahlen könne, als die Erträge hergeben. In Zahna am Ratsteich konnte Mitte 2018 eine Tagespflegeinrichtung kombiniert mit einer Senioren-Wohngemeinschaft eröffnet werden, in Umbau und Sanierung der ehemaligen Kita wurden circa 700.000 Euro investiert. Alle Plätze waren sofort ausgebucht. In Gohrau hat das Augustinuswerk die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte übernommen und wandelt diese in eine attraktive „Woodland Ranch“ (Westernstadt) um, gleichzeitig betreiben die Wittenberger dort als Träger die Kita „Zwergenhaus“. Die Fertigstellung ist im April 2019 vorgesehen, hier können auch Ferienlager durchgeführt werden. Die Kinder- und Jugendhilfe nimmt damit künftig im Augustinuswerk einen größeren Stellenwert ein. Bio-Bauer braut Gurkenlikör „Wir sind am 1. Januar 2018 auch zu Bauern geworden“, sagte Monecke. Die Stiftung Augustinuswerk hatte den Diakoniehof Rackith übernommen, der als Integrationsbetrieb fortgeführt wird. Einige der Enten und Gänse in Bio-Qualität, die im Zuge des Weihnachtsgeschäftes nicht verkauft wurden, fanden ihren Weg ins Buffet des Neujahrsempfangs. Ebenfalls übernommen wurden Gewächshäuser von Petite fleur, hier erfolgt Gemüseanbau auf Bio-Niveau. „Die Produktion ist gut angelaufen“, bestätigte Monecke. Zum Renner entwickelt hat sich der selbst kreierte Gurkenlikör, der derzeit ausverkauft ist. Die Umsetzung des BTHG, die bis 2023 abgeschlossen sein soll, führt zu mehr Wettbewerb in der Betreuung der Klienten“, sagte Dr. Reinhold Weber, Vorsitzender des Verwaltungsrates des Augustinuswerkes. Die Rolle des Behinderten als mündiger Kunde im Sozialwesen werde gestärkt, Veränderungen in der Nachfrage von Angeboten zeichneten sich deutlich ab. Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) betonte in seinem Grußwort, dass der Anspruch auf Inklusion damit verbunden sei, dass die Träger vor Ort ihre Kräfte bündeln müssten. Zugehör erinnerte an die in der Öffentlichkeit intensiv geführten Debatten um die Einheit der Gesellschaft, wovon sich in der politischen Kultur wenig wiederfände. „In Vielfalt geeint“ könne als Leitmotiv über die Arbeit des Augustinuswerkes stehen, „in varietate concordia“ sei auch der Leitspruch der EU: „Da können die Brexiteers noch viel vom Augustinuswerk lernen.“ Rekord beim Neujahrsempfang Mit mehr als 130 Gästen verzeichnete das Augustinuswerk beim Neujahrsempfang einen neuen Besucherrekord. Die Anregung von Wittenbergs OB Zugehör, künftig doch das geräumige Stadthaus zu nutzen, will Monecke prüfen: „Dann können wir gemeinsam mit unseren Behinderten feiern.“ Viel Applaus gab es für das hauseigene Ensemble „Auftakt“, welches den Empfang musikalisch gelungen umrahmte, die Andacht hielt Pfarrer Markus Lorek.





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