08.01.2019

Jugendliche können zu Bubble Crashern werden

Die eingeschränkte Welt der Filterblasen

Wittenberg (wg). Miteinander reden und diskutieren kann klüger machen, wenn die Beteiligten bereit sind, verschiedene Blickwinkel einzunehmen, ihre Positionen zu überdenken, dabei eigene Denkfehler zu entdecken und den Blick zu erweitern. „Dazu muss man aber bereit sein, die eigene Filterblase zu verlassen“, erklärt Tobias Thiel, Studienleiter für gesellschaftspolitische Jugendbildung und stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie. 

Unter dem Motto „Bubble Crasher – Raus aus der Filterblase“ laden die Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem Projekt ein, das Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren motivieren soll, die Welt außerhalb der eignen Filterblase zu entdecken, mit Menschen zu sprechen, die ganz anders denken als man selbst. 

Tobias Thiel hat das Miteinanderreden selber ausprobiert, es ging um Projekte zur Geschlechtervielfalt an Kindergärten und Grundschulen in Sachsen-Anhalt, die von manchen Kritikern als „Frühsexualisierung“ abgelehnt werden: „Wir sind uns inhaltlich nicht näher gekommen, aber es war ein gutes Gespräch ohne Geschrei, Ausgrenzung und Herabwürdigung des anderen.“ Man habe ähnliche gesellschaftliche Beobachtungen gemacht, sei aber aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen zu anderen Deutungen gelangt. 

„Es geht nicht darum, mit Hardcore-Nazis zu reden, aber wir müssen gesprächsfähig bleiben und mit denen reden, die enttäuscht oder überfordert sind“, betont Thiel. „Wenn jemand behauptet, Wittenberg sei wegen der vielen Ausländer überfremdet, ist diese Aussage aufgrund der Fakten ebenso falsch wie lachhaft. Aber sie entspringt subjektiven Eindrücken, vielleicht auch Ängsten, und deshalb reicht es nicht, über solche Aussagen zu lachen oder deren Träger als ‚rechts’ zu titulieren und auszugrenzen.“ 

Leider müsse man feststellen: Je extremer die eigene Meinung ist, desto enger ist auch die eigene Informationsblase. Vor allem im Internet suchen sich Menschen die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, wobei personalisierende Algorithmen dafür sorgen, dass primär solche Informationen, Beiträge, Freunde oder Gruppen angezeigt werden, die dem Nutzer gefallen. 

In der Konsequenz lebt der Nutzer in einer Blase (Bubble), in die nur noch das eindringt, was seinen Anschauungen entspringt. Zusätzlich zur Algorithmen-Blase kommt die selbstgebastelte Filterblase, wenn der Nutzer nur das anklickt, was seine eigene Meinung bestärkt. Wo aber immer mehr Menschen in ihren Blasen leben, verkümmert die Bereitschaft zum Dialog.

Das Projekt

Den Projekt-Auftakt macht ein Workshop vom 1. bis 3. Februar in der Evangelischen Akademie in Wittenberg, die Leitung haben Tobias Thiel und Annika Schreiter von der Evangelischen Akademie Thüringen. In dem Workshop denken Jugendliche über ihre eigenen Vorurteile und Kommunikationsbarrieren nach. Sie lernen Techniken, diese zu überwinden und entwickeln Konzepte, wie sie mit Andersdenkenden in Kontakt kommen können. 

Die Jugendlichen lernen, anderen zuzuhören und wo in Diskussionen mit Blick auf Geschichtsrevisionismus, Rassismus und Sexismus klare Grenzen zu ziehen sind. In einer zweiten Phase treffen die Jugendlichen auf Menschen mit anderen Meinungen, in Wittenberg wird dies der ländliche Raum sein, in Thüringen eine Plattenbausiedlung in Erfurt. 

Diese Phase dauert circa ein halbes Jahr und wird von den Jugendlichen dokumentiert, worüber sich jeder im Internet unter www.bubblecrasher.de informieren kann. Die gemeinsame Auswertung erfolgt vom 27. bis 29. September 2019 im Zinzendorfhaus in Neudietendorf. 

Hinweis 

Der Workshop richtet sich an Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren mit Interesse an gesellschaftspolitischen Fragestellungen und die Lust haben, mit Menschen zu sprechen, die sie sonst nie treffen würden. Das Projekt im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung wird vom Bund gefördert, die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter www.ev-akademie-thueringen.de oder www.j-a-w.de/bubblecrasher





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