24.12.2018

Bethel-Begegnungsstätte bleibt über 2019 hinaus in Wittenberg

Gemeinschaft leben und verwirklichen

Wittenberg (wg). „Die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bleiben über 2019 hinaus in der Lutherstadt präsent“, erklärt Stephan Zöllner, der die Bethel-Begegnungsstätte in der Collegienstraße 41/42 seit der Eröffnung im Juni 2016 leitet. 2019 werde ein entscheidendes Jahr: „Wir werden uns mit der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal in Wittenberg engagieren, entweder in Kooperation mit Partnern vor Ort oder sollten die Türen verschlossen sein, allein.“ Nachgedacht werde über Formen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen wie Beratungsstellen und Betreuungsdienste, jedoch nicht in Konkurrenz zur in der Jüdenstraße neu eröffneten Ergänzenden Unabhängigen Teilhabe-Beratungsstelle (EUTB) der Caritas. Auch Wohngemeinschaften in zentraler Lage für verschiedene Generationen unter einem Dach sind im Gespräch.

„Wir schauen, wo sind nach dem Bundesteilhabegesetz Lücken bzw. Bedarfe der Betroffenen“, berichtet Zöllner. Große Versorgungslücken gebe es vor allem in der Eingliederungshilfe sowie in der Altenhilfe. „Es liegen leider keine zuverlässigen Berichte aus Sachsen-Anhalt bzw. dem Landkreis vor, wie sich der Sozialbereich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat“, bedauert Zöllner, „verlässliche Daten sucht man vergeblich.“ Eine weitere Baustelle: „Es gibt weder für die Stadt noch dem Landkreis eine ordentliche Internetplattform für Gesundheitsberufe, die Jugendliche anspricht.“

Es sei Anspruch der Stiftung Bethel, Kooperationen unter dem Leitsatz „Gemeinschaft leben und verwirklichen“ zu suchen, Expertenwissen zu bündeln, Netzwerke aufzubauen – auch aus Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Diesen Leitsatz wolle man ganzheitlich, versorgungsnah und zukunftsorientiert umsetzen. Die Kosten im Gesundheitswesen laufen aus dem Ruder, zudem erzwingt der Fachkräfte-Mangel eine Zusammenarbeit: „Fachkräfte aus Asien sind keine dauerhafte Lösung, zumal wir diesen Ländern gut ausgebildete Menschen wegnehmen und Familien auseinanderreißen“, kritisiert Zöllner. 

Der Stellenwert von Gesundheitsberufen in der öffentlichen Wahrnehmung sei viel schlechter als in der Realität. Bei Oberbürgermeister Torsten Zugehör habe es eine erste Sitzung eines „Sozialen Runden Tisches“ gegeben, der fortgeführt werden soll, dort müsse unbedingt das Thema Personal und Personalentwicklung aufgegriffen werden. 

„Wir haben immer wieder Mitarbeiter anderer sozialer Träger bei uns zu Besuch, die sich bei uns bewerben, weil sie mit ihrem bisherigen Arbeitgeber sehr unzufrieden sind“, so Zöllner. „Es krankt offenkundig in vielen Bereichen, aber die Verantwortlichen verschließen die Augen.“ Überdies bewerben sich viele Schulabgänger aus der Region für eine Ausbildung bei einer der Einrichtungen der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. „Das sind unsere Botschafter, denn viele wollen nach der Ausbildung in Berlin oder Bielefeld wieder zurück in die Heimat“, berichtet Zöllner. 

Mit Blick auf 2017 (500 Jahre Thesenanschlag, 150 Jahre Bethel) kam die Stiftung 2016 nach Wittenberg, um Präsenz zu zeigen. Ziel war es, sich den vielen nationalen und internationalen Gästen sowie den Einheimischen vorzustellen mit den Einrichtungen, Diensten, Kliniken und Hospizen, die es längst nicht mehr nur am Hauptsitz in Bielefeld-Bethel, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen und sieben weiteren Bundesländern gibt – transparente Informationen über die Stiftungsfelder und Arbeitsschwerpunkte sollten vermittelt werden. 

„Wir waren Gäste und sind inzwischen selber Gastgeber“, resümiert Zöllner. Die Begegnungsstätte in der Collegienstraße wird auch nach 2017 häufig frequentiert, im März 2018 kam deshalb mit Ulrike Grunwald personelle Verstärkung: Die Dortmunderin, die zuletzt am Hauptsitz in Bethel im Personalbereich tätig war, kümmert sich in Wittenberg um die Netzwerkarbeit sowie Veranstaltungen.

„Wittenberger Gespräche“ 

 Mit den „Wittenberger Gesprächen“ hat die Begegnungsstätte ein Format ins Leben gerufen, bei dem jeder willkommen ist, seine Meinungen und Erfahrungen einfließen lassen und Fragen stellen kann. Assistive Technologien in der Pflege waren ebenso Thema wie Entwicklung und Chancen in der Epileptologie, die interkulturelle Religiosität in der Diakonie oder Personalgewinnung durch Unternehmensbotschafter. 

Die Reihe wird ab März 2019 fortgesetzt und sechs bis acht Veranstaltungen umfassen, wobei die Anregungen der Teilnehmer aufgegriffen werden sollen: „Es zeichnen sich drei Schwerpunkte ab“, sagt Zöllner, „erstens werden weitere Gespräche zum Thema Hospiz gewünscht, zweitens zur Personalgewinnung in den Pflegeberufen und drittens zum Umgang mit der muslimischen Kultur im Klinik-, Pflege- und Hospizbereich.“ Seminare für Führungskräfte der Einrichtungen der Stiftung Bethel werden auch 2019 in Wittenberg stattfinden.

Öffnungszeiten

In den Wintermonaten hat die Begegnungsstätte der Stiftung Bethel in der Collegienstraße 41/42 von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem nach Vereinbarung unter Tel.: 03491/4331833.





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