23.12.2018

Stiftungsdirektor Dr. Rhein resümiert 2018 und blickt auf 2019

Durchatmen nach dem Jubiläumsjahr

Wittenberg (wg). „Das Jahr eins nach dem großen Jubiläum war vor allem ein Jahr des Durchatmens“, sagt Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Mit 155.000 Besuchern, davon 105.000 im Lutherhaus/Augusteum sowie dem Melanchthonhaus verzeichne man ein Aufkommen wie im Cranach-Jahr 2015: „Die Zahlen sind rückläufig, von einem Einbruch kann indes keine Rede sein.“ Auf hohem Niveau geblieben sind die Teilnehmerzahlen an Projekten der kulturellen Bildung, an denen sich allein in Wittenberg 9.000 Kinder und Jugendliche beteiligten.

Es werde in den nächsten Jahren die Aufgabe aller Akteure sein, ob Land und Stadt, Stiftungen und Tourismusverbände, die Dachmarke „Luther-Bauhaus-Gartenreich“ mit geeigneten Marketing-Strategien zu positionieren, zumal 2019 das Bauhaus-Jubiläum und 2020 das Gartenreich-Jubiläum anstehe. Dabei müsse das gute Standing der Marke Luther/ Reformation sowie der Rückenwind des Jubiläumsjahres 2017 genutzt werden. „Es geht darum, Kulturangebote und touristische Initiativen zusammenzubringen“, so Rhein.

Ein großer Erfolg in 2018 sei die von Jutta Strehle und Doreen Zerbe kuratierte Sonderaustellung „Bauen für Luther 1998-2018 Wittenberg-Eisleben-Mansfeld“ gewesen, die man bewusst bei freiem Eintritt für die Bevölkerung konzipiert habe. Für viele Bauprojekte bekam die Stiftung renommierte Preise: „Wir sind der am meisten ausgezeichnete Bauherr Sachsen-Anhalts.“ 

Aber es gab eben auch Kritik. Diese entbrannte vor allem am gläsernen Verbinder zwischen Lutherhaus und Augusteum, die inzwischen – anders als am Anbau des Melanchthonhauses – völlig verstummt ist. „Der Verbinder fasst den Hof auf transparente Weise ein und wertet ihn auf“, erklärt Rhein. Bei den Führungen durch die Ausstellung hätten Besucher immer wieder Fragen gestellt: „Die dadurch entstandene Kommunikation macht den besonderen Erfolg diese Exposition aus.“ 

50 Millionen Euro hat die Stiftung in 20 Jahren investiert, die Sonderschau informierte über die Notwendigkeit, denkmalgeschützte Objekte von der Funktionalität des Museumsbetriebes zu entlasten (Shop, Toiletten, Garderobe, barrierefreier Zugang) und diese auf Neubauten in zeitgemäßer Sprache zu konzentrieren. „Denkmalpflege durch Addition“ nennt Rhein diese Verbindung zwischen klassischer Denkmalpflege und moderner Baukultur. Die Sonderaustellung hatte offenkundig große Außenwirkung, denn sowohl der Architektursalon München als auch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wollen sie im nächsten Jahr zeigen – auch als exemplarischer Beleg dafür, was in 30 Jahren Deutscher Einheit an Baukultur in Ostdeutschland entstanden ist.

Weitere Höhepunkte waren neben der Tagung „Luther ausstellen“, dem Abschluss der Restaurierung der Lutherkanzel sowie der Festversammlung zum 100-jährigen Bestehen der Luther-Gesellschaft im Lutherhaus der Abschluss des dritten und letzten Bauabschnitts des Augusteums: Alle Mitarbeiter der Stiftung in Wittenberg sind nunmehr unter einem Dach vereint, zuvor waren sie auf vier Standorte verteilt.

Abgeschlossen sind auch die Maßnahmen zur Gestaltung der östlichen Wallanlagen mit dem Universitätsgarten, die offizielle Einweihung erfolgt im Frühjahr 2019: „Damit wird der Osteingang der Stadt erheblich aufgewertet“, berichtet Rhein, „das gesamte Ensemble rund um das Lutherhaus ist jetzt abgeschlossen.“ 

Ein weiterer Höhepunkt war im Oktober die Publikation von „Tatsache! Die Wahrheit über Luthers Thesenanschlag“ von den Stiftungs-Mitarbeitern Benjamin Hasselhorn und Mirko Gutjahr. Der im 19. Jahrhundert zum bildmächtigen protestantischen Mythos erhobene hammerschwingende Reformator sorgt auch im 21. Jahrhundert für emotionale Diskussionen. Als „sehr erfrischend“ bezeichnet Rhein die Aktivitäten zur Festwoche im August aus Anlass der Ankunft Melanchthons in Wittenberg vor 500 Jahren und hier insbesondere die kreativen Beiträge der vielen Schüler. 

Maria zwischen den Konfessionen

 Mit der Reformation begann die Spaltung der Kirche in eine katholische und eine evangelische Konfession. Auf die Frage, was beide Seiten am meisten trennt, werden in der Regel das Zölibat und die Marienverehrung genannt. Mit der neuen Sonderausstellung „Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“, kuratiert von Dr. Katja Schneider, will die Stiftung zeigen, dass es nach dem 31. Oktober 1517 noch viele Kontinuitäten gab wie zum Beispiel die Marienfrömmigkeit. 

„Luther hat mehr als 60-mal über Maria gepredigt, in seinem Arbeitszimmer hing ein Marienbild, Maria war Teil von Luthers Frömmigkeit“, erläutert Rhein. Erst später wurde Maria, von den Katholiken als Himmelskönigin verehrt, von den Protestanten zur Göttin der Papisten degradiert. Die Ausstellung will zeigen, dass Maria zur gemeinsamen christlichen Substanz beider Konfessionen gehört. 

Die Ausstellung widmet sich drei Themenbereichen: der spätmittelalterlichen Marienfrömmigkeit, Maria in Wittenberg am Beispiel der Verehrung durch Luther und Kurfürst Friedrich dem Weisen sowie Polemik gegen Maria: „Götzenkammer“ nannte man in evangelischen Kirchen entlegene Räume, in denen Marienstatuten und –bildnisse, sofern man sie nicht zerstörte, eingelagert wurden. Eine solche „Götzenkammer“ wird auch in der Ausstellung zu sehen sein. 

„In dieser kunst- und kulturgeschichtlichen Ausstellung werden vom 13. April bis zum 18. August 2019 kostbare Exponate von mehr als 40 Leihgebern zu sehen sein, die die Marienverehrung vor und nach der Reformation in einzigartiger Weise beleuchten“, verspricht der Stiftungsdirektor. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und wird es ein Rahmenprogramm mit Führungen und Vorträgen geben.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: