22.12.2018

Rückblick auf 2018, Ausblick auf 2019 mit Coswigs Bürgermeister

Axel Clauß zwischen Frust und Lust

Coswig (wg). „Die Resonanz aus der Landespolitik ist gleich Null“, kritisiert Axel Clauß (parteilos) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, er ist nach Manfred Ertelt, Dieter Stahmann und Doris Berlin der vierte Bürgermeister der Stadt Coswig, der für die bereits 1991 beantragte Ortsumfahrung kämpft, seither wurden mehr als eine Millionen Euro nur für Planungen ausgegeben. „Die Anwohner interessiert nur noch eins: Wann wird endlich gebaut?“, betont Clauß. 

Von der Landesstraßenbaubehörde gebe es die vage Ankündigung, dass 2019 das Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden könnte. Der Bund habe das Vermerk „Gesehen“ erteilt und damit die Streckenführung gebilligt, nun liege der Ball wieder beim Land, doch gebe es weder seitens der Staatskanzlei noch vom zuständigen Fachministerium irgendeine Rückmeldung. Nach 27 Jahren Planungen liegt derzeit Variante sechs auf den Tisch, den ersten Spatenstich dürfte es frühestens 2022 geben.

Verdrossenheit verbreitet auch die geplante Vergrößerung der Schweinemastanlage Düben, die Stadt Coswig wurde wegen des Bebauungsplanes vor dem Oberverwaltungsgericht Magdeburg verklagt. „Der Bürgerinitiative geht es um Umwelt- und Tierschutz und damit um die Verhinderung von industrieller Massentierhaltung“, so Clauß. „Der richtige Adressat dafür ist die Politik in Bund und Ländern, nur sie kann Massentierhaltung verbieten, wir als Verwaltung müssen geltendes Recht umsetzen.“ 

Die Stadt sei für die Bauleitplanung zuständig, sie prüfe, ob die Voraussetzungen für Baurecht vorlägen oder nicht. Fragen des Tier- und Umweltschutzes fielen in die Zuständigkeit von Landkreis und Landesverwaltungsamt. „Für die Sache, für die die BI kämpft, sind wir gar nicht zuständig“, erklärt Clauß. „Weil aber Vertreter der großen Politik für die BI nicht erreichbar sind, wird der Frust am Bürgermeister ausgelassen.“

Als Axel Clauß 2017 Bürgermeister wurde, löste er gleich nach Dienstantritt sein Versprechen ein, in allen 16 Ortschaften Außensprechtage abzuhalten. „Ich bin einmal durch, 2019 geht’s weiter“, so Clauß, der bis jetzt mehr als 40 Stunden Gespräche geführt hat und dabei die Besonderheiten der Ortschaften und die Probleme der Bürger kennenlernte. Themen, die immer wieder angesprochen wurden, sind öffentliche Sicherheit und Ordnung, Grünpflege, der miserable ÖPNV sowie die fehlende Versorgung mit Ärzten und Lebensmittelgeschäften. „Für viele Themen sind wir als Stadt nicht zuständig, das verursacht nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei uns ein Gefühl der Ohnmacht“, sagt Clauß.

„Unsere Stadt soll leuchten!“

Für die Illuminierung des Schlosses (der Wittenberger Sonntag berichtete) sollen die Tiefbauarbeiten bis Jahresende abgeschlossen sein, ab Januar 2019 wird das Schloss als historisch wichtigstes und schönstes Gebäude der Elbestadt nachts besonders beleuchtet. Das Projekt ist Teil der Initiative „Unsere Stadt soll leuchten!“, die von der Interessengemeinschaft (IG) Industrie und Gewerbe Coswig (Anhalt) e.V., vom City Werbeverein, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Förderverein für Kunst und Kultur, dem SV Blau-Rot Coswig und weiteren Mitstreitern getragen wird. 

„Das Schloss ist ein sehr sensibles Thema, weil es das Wahrzeichen unserer Stadt ist, für Bürger und Touristen gleichermaßen ein Blickfang“, berichtet Clauß. Mit der Besitzerin Magnolia Albertazzi Casei gebe es inzwischen wieder regelmäßig Gespräche, nachdem zuvor zwischen Amtsvorgängerin Doris Berlin und der Schlossherrin völlige Funkstille herrschte. Die Stadt unterstütze die Privatinitiative, für die sich vor allem Norbert Knichal von der IG stark macht: „Das Schloss ist nur der Auftakt, weitere Gebäude werden folgen.“

Privatinitiative ist auch bei der Behebung der Spielplatzkrise gefragt, aufgrund knapper Kassen und des Sanierungsstaus mussten etliche Plätze gesperrt oder rückgebaut werden. „Wir wollen 2019 die Spielplätze in Ragösen, Buro und Düben wiedereröffnen und haben dafür 18.000 Euro in den Haushalt eingestellt“, so Clauß. Die drei Orte kämen auch deshalb zum Zuge, weil sich dort die Einwohner privat engagiert hätten.

Sparsam wirtschaften

Der 16 Millionen Euro umfassende Haushalt 2019 ist erstmals ausgeglichen, gleichwohl werde man weiterhin sparsam wirtschaften: „Erhalt und Instandsetzung haben Vorrang vor Neubau“, betont der Bürgermeister. Im nächsten Jahr wird der 4,6 Millionen Euro teure Neubau des Feuerwehrgerätehauses mit integrierter Rettungswache fertig gestellt, eines der größten Bauvorhaben, welches die Stadt Coswig in Angriff genommen hat. 

Viel mehr als die 600.000 Euro Investitionspauschale wolle man in 2019 nicht ausgeben, obwohl etliche Straßen, Gehwege und Brücken zu sanieren seien, zudem die Schulen für das digitale Lernen fit gemacht werden müssten. Mit dem neuen Edeka-Markt Fiegert am Schwarzen Weg habe das gesamte Quartier eine erhebliche Aufwertung erfahren. Noch entwickelt werden müsse das Areal um die Industriestraße.

Leerstand in der Innenstadt

Das von der Stadt Coswig in Auftrag gegebene Einzelhandels-Entwicklungskonzept liegt vor: „Das Sterben der inhabergeführten Läden in der Friederiken- und Schlossstraße geht weiter, eine Lücke reißt weitere, die Verkaufsflächen haben sich in den vergangenen 12 Jahren drastisch verkleinert, die Verwaltung kann dies alleine nicht richten.“

Die Abwanderung der Kaufkraft Richtung Wittenberg und Dessau müsse durch Angebote vor Ort verringert werden. Die Ansiedlung eines größeren Lebensmittelhandels im Zentrum könnte die Innenstadt stärken. „In Zeiten von Amazon und Ebay ist die Belebung der Innenstadt durch den Einzelhandel eine große Herausforderung“, erklärt Clauß, „hier ist der Stadtrat gefordert, kreative Ideen auf der Basis des Einzelhandels-Entwicklungskonzepts zu entwickeln.“





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