21.12.2018

Tchibo spendete 100.000 Weihnachtspakete, Wittenberg geht leer aus

Statt „Weihnachtswunder“: Keine Bescherung für Bedürftige

Wittenberg (wg). „Geht es um die Bedürftigen oder um Befindlichkeiten?“, fragt sich Inga Schubert, die 1996 die Wittenberger Tafel e.V. als erste Einrichtung diese Art in Sachsen-Anhalt und als siebte in der Bundesrepublik gegründet hatte. Treibt der Landesverband der Tafeln Klientelpolitik zu Lasten der sozial Schwachen? 

 Zum dritten Mal in Folge hat Tchibo 100.000 Weihnachtspakete („Weihnachtswunder von Tchibo“) an die Tafeln gespendet, nur die Wittenberger Tafel e.V. bekommt in diesem Jahr nichts: Sie ist zwar Mitglied im 1997 gegründeten Bundesverband der Tafeln als Dachorganisation, aber aus dem erst 2014 gegründeten Landesverband Sachsen-Anhalt ist sie 2016 ausgetreten. 

„Tchibo spendet die Weihnachtspakete an den Bundesverband und überlässt es den Landesverbänden, diese an die örtlichen Tafeln auszuliefern“, erklärt Schubert. Geliefert wurden die Paletten an die Umschlags-Tafel in Quedlinburg und von dort können sich die einzelnen Tafeln ihren Anteil abholen. 

So funktionierte es in den vergangenen beiden Jahren, aber nicht 2018 mit der aus Schuberts Sicht fadenscheinigen Begründung, die Mitgliederversammlung des Landesverbandes habe entschieden, dass Nicht-Mitgliedstafeln bei der Verteilung von Spenden des Bundesverbandes ausgeschlossen werden sollen. 

„Mir ist keine Tafel bekannt, die dies beschlossen haben soll“, wundert sich Schubert, „vielmehr haben wir die Information, dass es sich um einen Beschluss des von Andreas Steppuhn geführten Landesvorstands handelt.“ 2015 wurde Steppuhn, Landtagsabgeordneter der SPD, zum Vorsitzenden des Landesverbandes gewählt und seitdem knirscht es gewaltig zwischen Magdeburg und Wittenberg. 

„Herr Steppuhn schießt ständig gegen uns und ignoriert, dass wir ein selbständiger Verein sind, der lediglich seinen Mitgliedern und dem Finanzamt gegenüber Rechenschaft schuldig ist sind“, berichtet Schubert, „er drohte sogar damit, lokale Spender anzuschreiben, damit diese die Zusammenarbeit mit der Wittenberger Tafel einstellen.“ Neid, weil die Wittenberger Tafel überaus erfolgreich arbeitet, gekränkte Eitelkeit, weil die Wittenberger aus dem Landesverband ausgetreten sind? Das Verhalten des Landesvorsitzenden, so Schubert, trage weder eine sozialdemokratische Handschrift, noch leiste sie einen Beitrag, die Gesellschaft zusammenzuhalten. 

„Sowohl die Mitgliedschaft im Bundesverband als auch im Landesverband kostet Geld, Geld, das wir lieber im Interesse unserer Klienten ausgeben“, betont Schubert, die dem Landesverband etwa bei den Palettenpreisen fragwürdige Praktiken vorwirft. 

Mitglieder zahlen pro Palette 40 Euro (davor 20 Euro), Nicht-Mitglieder sollen aber 96 Euro bezahlen. „Unsere Klienten entrichten eine Aufwandsentschädigung, damit kann die Wittenberger Tafel gerade so kostendeckend arbeiten, woher sollen wir das teure Palettengeld nehmen?“, kritisiert Schubert, „sachliche Gründe für die Ungleichbehandlung und die hohen Palettenpreise wurden bis heute nicht benannt.“

Aus Sicht der Wittenberger Tafel e.V. haben die Landesverbände die Aufgaben des Bundesverbandes im übertragenen Wirkungskreis wahrzunehmen: Spenden an den Bundesverband sind deshalb über die Landesverbände an die örtlichen Tafeln auszureichen, in der Satzung des Bundesverbandes wird dabei nicht zwischen Mitgliedstafeln und Nicht-Mitgliedstafeln unterschieden. 

Vielmehr heißt es in Paragraph 2 der Satzung der Deutschen Tafel e.V., dass verwertbare Lebensmittel und Gegenstände des persönlichen Bedarfs, die der Bundesverband einsammelt, diese über ihre Mitglieder an Bedürftige weiterleitet. Auch Spender wie Tchibo müssen davon ausgehen können, dass ihre Spenden an den Bundesverband letztlich bei den Bedürftigen vor Ort ankommen. 

Wittenberg blieb diesmal außen vor „und das ist für unsere Bedürftigen bitter, denn die Weihnachtspakete von Tchibo waren sehr begehrt“, bedauert Schubert, dass vor allem Kinder die Leidtragenden sind. Die Pakete enthalten wichtige und nützliche Dinge wie Winterbekleidung und Winterschuhe für Kinder, Spielzeuge, Töpfe, Pfannen und andere Haushaltsgegenstände, Handtücher, Kaffee und vieles mehr. 

Hinweis

 In den vergangenen beiden Jahren haben die Weihnachtspakete von Tchibo für alle Klienten der Tafel in Wittenberg und Gräfenhainichen gereicht und viel Freude beschert. Unternehmen, Vereine und Bürger, die der Wittenberger Tafel Spenden zukommen lassen wollen, damit die Bedürftigen zu Weihnachten nicht ganz leer ausgehen, wenden sich bitte an Inga Schubert, Tel.: 0162/18 511 43, E-Mail:





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