05.12.2018

Flucht, Vertreibung und Migration als großes Menschheitsthema

Gottesdienst im Panorama „Luther 1517“

Wittenberg (wg). „Platz in der Herberge?“ ist das Motto des Gottesdienstes im Asisi-Panorama am Donnerstag, dem 13. Dezember um 19.30 Uhr. „Das Thema bezieht sich auf die Flüchtlings- und Migrationsbewegungen unserer Zeit, aber auch auf die Bibel“, erklärt Pastor Joachim Zirkler, Studienleiter beim Wittenberg-Zentrum des Lutherischen Weltbundes (LWB), im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag.

 Die Geburtsgeschichte Jesu erzählt davon, dass Josef und der hochschwangeren Maria die Herberge verweigert wurde, so dass ein Stall mit Krippe zur Stätte der Geburt werden musste. Freiwillig war die Reise von Nazareth nach Bethlehem auch nicht, schließlich war sie wegen der Volkszählung von den römischen Besatzern angeordnet. Und schon kurz nach der Geburt drängt ein Engel des Herrn zur Flucht, denn König Herodes hatte von der Geburt eines Königs der Juden erfahren und lässt alle Neugeborenen zu Bethlehem töten.

„Die Bibel ist voll von Geschichten der Migration, Flucht und Vertreibung“, sagt Zirkler, „dies zeigt, dass es sich hierbei von Anfang an um ein großes Menschheitsthema handelt.“ Dazu zählt auch die Fluchtgeschichte eines ganzen Volkes, wenn Moses nach 430 Jahren Knechtschaft in Ägypten sein Volk ins gelobte Land führt. Dies führte zur biblischen Erkenntnis, die auch heute das Verhältnis zu Flüchtlingen prägen sollte: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“

Auch im Asisi-Panorama „Luther 1517“ finden sich in den mehr als 80 Szenen Motive von Flucht und Vertreibung: So der Auszug der Andersdenkenden aus Wittenberg, im damaligen Europa wurden viele aus Glaubensgründen zu Flüchtlingen. In dieser Szene ist Asisi selbst zu sehen, womit der im Iran geborene Künstler auf seinen Migrationshintergrund verweist. Ebenfalls zu sehen ist die Vertreibung eines Juden. 

So kam die Stadt zum Panorama 

Zirkler hatte bereits im vergangenen Jahr einen Gottesdienst im Panorama durchgeführt, damals lautete das Motto „Vom Himmel hoch“ und mehr als 400 Besucher kamen. Für die zweite Auflage werden dieselben Mitwirkenden erwartet wie bei der Premiere: Der christliche Liedermacher Fritz Baltruweit, der im Reformationssommer 2017 häufig zu Gast in der Lutherstadt war, er bringt wieder seine Begleiterin mit, die Harfenistin Konstanze Kuß. 

Ebenfalls zugesagt hat Kathrin Oxen, bis vor kurzen Leiterin des in Wittenberg angesiedelten EKD-Zentrums für Predigtkultur und seit dem 1. Dezember Pfarrerin in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde in Berlin. Und natürlich kommt auch Yadegar Asisi. „Nachdem die Eröffnung des Pergamon-Panoramas in Berlin erfolgreich verlaufen ist, hat er Zeit für einen Besuch in Wittenberg“, freut sich Zirkler, dem es letztlich zu verdanken ist, dass Wittenberg zu seinem Luther-Panorama gekommen ist.

Zirkler war Pfarrer der Dresdener Kreuzkirchengemeinde, damals war in Dresden Asisis Panorama „Rom 312“ zu sehen. „Es gab in unserer Gemeinde die Veranstaltungsreihe ‚Nachtmusik und Nachtgedanken’, zu der wir interessante Persönlichkeiten aus dem nichtkirchlichen Umfeld wie Künstler einluden, um ihre Gedanken zu Bibeltexten zu äußern“, berichtet Zirkler. Einer dieser Künstler war Yadegar Asisi. „Er bekennt sich zu keiner Religion, ist aber an religiösen Themen sehr interessiert“, betont Zirkler. Seine Gemeinde feierte auch einen Gottesdienst im Dresdner Panorama, so lernte man sich kennen. „Als vor fünf Jahren feststand, dass ich zum LWB-Zentrum nach Wittenberg wechsle, sagte Asisi zu mir, ‚ich werde sie besuchen, denn der Luther interessiert mich schon lange.’“ 

Die Idee zum Asisi-Panorama „Luther 1517“ hatte schnell Konturen angenommen: Erst gab es einen Termin beim damaligen Oberbürgermeister Eckhard Naumann und Bürgermeister Torsten Zugehör. „Beide waren begeistert, zumal sie Asisi-Panoramen kannten“, erinnert sich Zirkler. Asisis Wunsch, dass Prof. Dr. Margot Käßmann als damalige EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum die Schirmherrschaft übernimmt, konnte erfüllt werden: „Wir haben uns Ende Oktober 2014 im Mauer-Panorama in Berlin getroffen“, so Zirkler, „zu diesem Termin brachte sie die beiden r.2017-Geschäftsführer Hartwig Bodmann und Ulrich Schneider mit.“ 

 Sowohl EKD als auch die Stadt Wittenberg erteilten zügig ihre Zustimmung zum Vorhaben und nur zwei Jahre nach den Gesprächen in Wittenberg und Berlin konnte im Oktober 2016 das Wittenberger Asisi-Panorama eröffnet werden. „Das grenzt fast an ein Wunder und zeigt, was machbar ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, resümiert Pastor Zirkler.

Hinweis

Der Eintritt zum Gottesdienst im Asisi-Panorama am 13. Dezember um 19.30 Uhr ist frei. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass es in der Rotunde nur wenige Sitzplätze gibt.





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