26.11.2018

Erst Beförderung geplant, dann kam die fristlose Kündigung

Sorgte LSB für Entlassung der KSB-Geschäftsführung?

Wittenberg (wg). Weil nicht ordnungsgemäß eingeladen wurde, war die Hauptausschuss-Sitzung des Kreissportbundes (KSB) Wittenberg nicht beschlussfähig: Die von etlichen Vereinen wegen der fristlosen Entlassung der beiden Geschäftsführer Stephan Arnhold und René Stepputtis geplanten Abwahl des gesamten Präsidiums, konnte deshalb nicht vollzogen werden. 

„Der Vorstand des Landessportbundes (LSB) wollte uns in Zusammenarbeit mit einem völlig überforderten KSB-Präsidium endlich loswerden“, erklärt Arnhold und blickt zurück: „Als ich 2010 als Geschäftsführer beim KSB anfing, damals war Winfried Melzer Präsident, musste erstmal Rechtsfähigkeit hergestellt werden.“ Denn nach Einreichung der Steuererklärung sei durch das Finanzamt festgestellt worden, das wichtige steuerrechtliche Aspekte in der Buchführung nicht ordnungsgemäß eingehalten wurden. 

„Als Geschäftsführer habe ich mit unserer Steuerberatung Kontakt zum Finanzamt aufgenommen und dann ab dem Jahr 2007 sämtliche Vorgänge nachgebucht“, so Arnhold. Weil die damalige Finanzerin aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, habe er Eva Tominski als neue Finanzerin eingearbeitet: „Ich habe dafür Doppelschichten gemacht, weil es vom LSB weder personelle noch finanzielle Unterstützung gab.“ Man habe die Herausforderung auch ohne den LSB gemeistert. 

„Hinzu kam, dass in den Folgejahren der Zuschuss für die Finanzerin vom LSB gestrichen wurde“, kritisiert Anhold. „Wir mussten uns neue finanzielle Ressourcen erschließen, um die Kosten nicht auf die Mitgliedsvereine umzulegen.“ Gleichzeitig habe sich der LSB ein dickes Polster an freien Rücklagen in Millionenhöhe aufbauen können, ohne auf Antrag etwas an die Basis zurückzugeben. 

„Zusätzlich wurden Aufgaben vom LSB an die Kreis- und Stadtsportbünde verlagert, wie die Eingabe der Sportabzeichen, ohne dafür zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen“, berichtet Arnhold. Diese Aufgabe habe zuvor der LSB mit einer eigenen Personalstelle bearbeitet. 

„Um meine Kollegin vor dem Arbeitskollaps zu bewahren, habe ich 2016 die Reißleine gezogen und die Sportabzeichenunterlagen an den LSB geschickt, damit dieser die Daten selbst eingibt“, sagt Arnhold. „Daraufhin hat der LSB-Vorstand das damalige KSB-Präsidium um meine Entlassung gebeten, verbunden mit unsachlichen Darstellungen.“ Er habe das Präsidium um ein klärendes Gespräch gebeten, dieses sei ihm verweigert worden. 

Nach einer rechtlich unwirksamen Abmahnung 2016 habe er dem KSB-Präsidium dargelegt, dass er bei Forderungen des LSB auf seine Verbandsautonomie achten solle, zumal es für den Dienstleistungsaustausch zwischen KSB und LSB zur Dateneingabe des Sportabzeichens keine vertragliche Grundlage gegeben habe.

2017 habe er zusammen mit Dorothee Bäck ein neues Konzept „Streetwork im Sport“ erarbeitet und beim Landkreis eingereicht, der für die Umsetzung des Konzepts benötigte Sozialarbeiter sei zu 100 Prozent gefördert worden. Das Vorhaben, bildungsferne Kinder und Jugendliche an unterschiedlichen Brennpunkten in der Lutherstadt zu betreuen, sei vom Jugendhilfeausschuss positiv bewertet worden. Mit Hilfe von Bundesmitteln habe man ein zusätzliches Jugendsozialprojekt ins Leben rufen können, um Kinder und Jugendliche für die Mitgliedschaft in einem Sportverein zu begeistern.

„Alles war mit dem Bund abgeklärt und es gab keinerlei Beanstandungen, aber während der Projektdurchführung baute sich im KSB-Präsidium eine Neiddebatte auf“, erinnert sich Arnhold. In der Konsequenz habe sich der LSB-Vorstand eingemischt mit dem Vorwurf, Mittel seien falsch verwendet worden und in der KSB-Geschäftsstelle gebe es keine ordnungsgemäße Führung.

In der Folge habe es außerordentliche Präsidiumssitzungen gegeben, zu welchen er als beratendes Präsidiumsmitglied explizit nicht eingeladen worden sei. Offenbar habe es weitere Gespräche mit dem LSB-Vorstand gegeben. Statt der geplanten Beförderung, Arnhold sollte in den Vorstand aufgenommen werden, gab es am 22. Oktober die fristlose Kündigung.

 „Erfüllende Lebensaufgabe“ 

Auch René Stepputtis, der seit 1997 für den KSB tätig ist und sich in besonderer Weise für die Interessen des KSB und seiner Mitgliedsvereine eingesetzt hatte, wurde von der fristlosen Kündigung überrascht: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen und entgegen der Aussage in der Pressemitteilung des KSB-Präsidiums gab es im Vorfeld der Kündigung keine Abmahnung.“ 

Ihm seien keine Kündigungsgründe mitgeteilt worden. Wie Stephan Arnhold hat auch Stepputtis gegen die Kündigung Klage beim Arbeitsgericht Dessau erhoben: „Ich werde alle mir gesetzlich zustehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um mein Arbeitsverhältnis im Interesse des KSB, seiner Mitgliedsvereine und der Sportkultur in Stadt und Landkreis fortsetzen zu dürfen.“ 

Er habe weder gegen Pflichten im Arbeitsverhältnis verstoßen, noch Interessen des KSB verletzt. Für ihn sei die Arbeit eine „erfüllende Lebensaufgabe“ gewesen, in 20 Arbeitsjahren sei er nur einen einzigen Tag krank gewesen. Für die zum Teil aufwendigen und erfolgreichen Sportveranstaltungen habe er die erforderlichen finanziellen Mittel durch Zusammenarbeit mit den Sponsoren einwerben können und bei der Durchführung auf die große Unterstützung vieler Sportler und ehrenamtlicher Helfer zurückgreifen können.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: